Chirurgie: Wunden kleben statt nähen

Die Empa entwickelt einen neuartigen, auf Nanopartikeln basierenden Wundkleber, mit dem Komplikationen verhindert werden sollen.

, 10. Oktober 2017, 12:57
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Wundkomplikationen gehören zu den wichtigsten Sterberisiken nach Operationen. Besonders bei inneren Wunden besteht die Gefahr von Blutungen, die nur schwierig zu behandeln sind. Die Empa hat nun mit einem neuartigen Wundkleber einen wichtigen Fortschritt erzielt. 

Blut gerinnt schneller

Kürzlich wurde in der Fachliteratur ein neu entdeckter Klebeeffekt von Nanopartikeln beschrieben: In der Studie verwendeten Forscher Siliziumdioxid- und Eisenoxid-Nanopartikel, um Gewebestücke zusammenzukleben. 
Forschende der Empa nutzten die Entdeckung, um einen Wundkleber für Operationen zu entwickeln. Sie stellten Nanopartikel aus verschiedenen Materialkombinationen her und versuchten so, dem Kleber Bioaktivität zu verleihen. Eine Kombination des Klebers mit Bioglas sorgt zum Beispiel dafür, dass das Blut an der verletzten Stelle schneller gerinnt. 

«Völlig neue Möglichkeiten»

Der Wundkleber hat verschiedene Eigenschaften, die je nach Kombination «völlig neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen», wie die Empa in einer Mitteilung schreibt. Je nach Rezeptur bindet sich Bioglas beispielsweise gut an Knochen an oder aber an Weichteile. 
Das Forscherteam wird von Ärzten unterstützt. Diese äusserten den Wunsch, den Kleber für Risse im Darm zu verwenden. Bei der Schädigung der Darmwand durch einen chirurgischen Eingriff können gewebeschädigende Stoffe austreten - dafür wäre ein solcher Kleber ideal.
Erste Tests mit Schweinedärmen, die die Empa durchführte, sind vielversprechend verlaufen. Eine erste Studie zu einer potenziellen chirurgischen Anwendung wurde veröffentlicht. 

Gesundheitlich unbedenklich

Die Idee eines Wundklebers ist nicht neu; konventionelle Kleber bestehen vor allem aus Fibrin, einem körpereigenen Protein, das in der Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielt. Fibrin ist nicht nur teuer, es kann auch Immunreaktionen und damit Komplikationen auslösen. Der neuartige Kleber soll dagegen gesundheitlich unbedenklich sein. 
  • Zur Medienmitteilung der Empa
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