Brille statt Hess & Harms: Neuer Schieltest aus dem USZ

Forscher aus Zürich und Sydney entwickelten eine neuartige Video-Brille zur Messung von Schielwinkeln. Vor allem Kindern sowie Patienten mit angeborenem Schielen könnte das Gerät viel bringen.

, 19. Juli 2017, 08:31
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Ein helvetisch-australisches Team hat eine Strabismus-Video-Brille entwickelt, mit der sich die Schielwinkel in verschiedenen Blickrichtungen einfach und schnell messen lassen. Dabei kommen eine eingebaute Laser-Ziel-Projektion und zwei Flüssigkristalldisplays zur Anwendung, mit denen die Augen automatisch wechselseitig abgedeckt werden können.
Die Entwicklung basiert auf einer Zusammenarbeit von Konrad P. Weber von der Augenklinik und der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich mit Hamish MacDougall vom Vestibular Research Laboratory des Departements für Psychologie der Universität Sydney.


In einer Studie wurde nun die Genauigkeit der binokularen Strabismus-Video-Brille geprüft. Dazu wurden die Resultate der Video-Brille mit dem Hess-Schirm als etabliertem Standardtest verglichen. Zudem wurde der Einsatz der Video-Brille in der Praxis erprobt.
Die Studie erfasste die Schielwinkel einer Patientengruppe von 41 Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren mit angeborenem oder erworbenem Begleit- oder Lähmungsschielen; ferner einer Gruppe von 17 Freiwilligen ohne Schielen. Alle Teilnehmer wurden dafür mit der neuen Brille und dem herkömmlichen Hess-Schirm getestet.

Hohe Übereinstimmung

Eine möglichst genaue Messung der Blickabweichung ist wichtig für die optimale Korrektur des Schielens. Dazu stehen stehen verschiedene Tests zur Verfügung – wie der Hess-Schirm oder die Harms-Wand. Ihre Schwäche ist die schwierige Anwendung bei Kindern und bei Patienten mit angeborenem Schielen. Auch sind die objektive Vergleichbarkeit der Resultate und die Wiederholbarkeit der Messung unter identischen Bedingungen zum Teil schwierig.
Die mit der neuen Brille gemessenen Schielwinkel zeigten eine gute Übereinstimmung mit den Resultaten des Hess-Schirms. Die neue Strabismus-Video-Brille erwies sich in der Praxis zudem als einfaches, schnelles und genaues Instrument zum Erfassen der Schielwinkel.

Aus dem 3D-Drucker

«Dank immer kleiner gewordenen Elektronik-Bauteilen wie Video-Kameras konnten alle für den Schieltest nötigen Komponenten in eine kompakte, mit einem 3D-Drucker hergestellte Brille verpackt werden», sagt Konrad P. Weber: «Dadurch wurde es möglich, die über 100 Jahre alten Untersuchungstechniken zur Schielwinkelmessung für den Untersuchenden und die Patienten markant zu verbessern.»

Video: Vergleich der Strabismus-Video-Brille mit dem Hess-Test

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