Besonders effizient ist unser Gesundheitswesen offenbar nicht

Im internationalen Ranking der effizientesten Gesundheitssysteme rutschte die Schweiz jetzt ab.

, 3. Oktober 2016, 08:22
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Das Schweizer Gesundheitswesen ist effizient – aber es läge noch mehr drin. Dies lässt sich aus dem neuen «Healthcare Efficiency Index» schliessen, die Wirtschaftsagentur «Bloomberg» soeben veröffentlicht hat. Dabei landet die Schweiz auf Rang 14, einen Rang hinter Griechenland und einen vor Frankreich.
Die höchste Effizienz messen die «Bloomberg»-Analysten den Stadtstaaten Hong Kong und Singapur zu. Auf Rang drei folgt Spanien.
Wie kommen sie darauf? Der Index nimmt drei Faktoren: die Lebenserwartung in einem Land; den Anteil der Gesundheitskosten am BIP (also die relativen Kosten); sowie die absoluten Kosten pro Kopf der Bevölkerung, ausgedrückt in Dollar. 

Kosten wuchsen schneller als anderswo

Gewiss kann man einwenden, dass die Lebenserwartung ein recht schwammiger Qualitätsindikator für ein Gesundheitswesen ist; andererseits wurden ausschliesslich Staaten mit einer gewissen Mindest-Lebenserwartung berücksichtigt, so dass die feinen Unterschiede (etwa zwischen der Schweiz mit 82,85 Jahren und Griechenland mit 81,29 Jahren) durchaus etwas besagen über Unterschiede in der Gesundheitsversorgung.
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Rangierung und Faktoren des «Bloomberg Health Care Efficiency Index 2016» | Tabelle: Bloomberg
Natürlich ragt das Schweizer Gesundheitswesen bei den absoluten Ausgaben heraus, und auch bei den relativen Kosten liegt es weit oben. Bloss Norwegen, Schweden und die USA sind in derselben Liga – und der Fall Amerika zeigt, dass die Ausgaben effizienter oder weniger effizient eingesetzt werden können. 
Denn die USA landen bei 55 erfassten Nationen auf Rang 50 – nach Serbien, vor Jordanien. Wobei amerikanische Experten mit einem gewissen Recht einwandten, dass sich hier ja der Lebensstil einer Bevölkerung ausdrücke –man denke nur an die im Vergleich zu Norwegen oder der Schweiz höhere Quote an Übergewichtigen.
Für die Schweiz bestätigt die «Bloomberg»-Auswertung jedenfalls eine längst vorherrschende Erkenntnis: Das hiesige Gesundheitswesen ist gut, aber es könnte wohl noch einen Tick effizienter sein. Und im Vergleich zur letzten Erhebung 2009 ist die Schweiz um vier Ränge abgerutscht: Dies, weil die Kosten im internationalen Vergleich doch eher rasch gewachsen waren. 
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