Patienten-Beerdigung: Jeder zweite Arzt war schon dabei

Unsere Studie des Tages ging der Frage nach: Wie viele Ärzte besuchten schon einmal die Beerdigung eines Patienten?

, 22. September 2016, 10:20
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Mediziner und Psychologen der australischen Universität Adelaide wollten von über 400 Ärzten wissen, ob sie bereits einmal an einer Beerdigung eines Patienten teilgenommen haben.
Das Ergebnis der jetzt im Fachjournal «Death Studies» publizierten Umfrage ergab, dass viele Mediziner auch diese Verantwortung nicht scheuen: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hatten an mindestens einer Beerdigung eines Patienten teilgenommen. Die Zahl variiert laut einer Mitteilung der Universität aber je nach Fachgebiet:
  • Hausärzte (71 Prozent)
  • Onkologen (67 Prozent)
  • Psychiater (67 Prozent)
  • Palliativmediziner (63 Prozent)
  • Chirurgen (52 Prozent)
  • Intensivmediziner (22 Prozent)
Die Umfrage zeigte weiter: Ärztinnen begeben sich eher zu solchen Anlässen als ihre männlichen (meist jungen) Kollegen. Mehr noch: Sie weinen mehr, können ihre Trauer besser zum Ausdruck bringen und diskutieren öfter mit ihren Kollegen und Familien darüber. 
«Wir wollten mit der Umfrage die Motive, die Barrieren und die Haltung der Gesundheitsfachleute gegenüber dem Thema besser verstehen», sagt Sofia Zambrano, Studienautorin und Palliativforscherin an der School of Medicine der University Adelaide.
Sofia C. Zambrano, Anna Chur-Hansen, Gregory B. Crawford: «Attending Patient Funerals: Practices and Attitudes of Australian Medical Practitioners», in: «Death Studies», September 2016.

Einige sind dafür...

Der Tod eines Patienten könne eine sehr emotionale und isolierende Erfahrung für Ärzte sein, erklärt Mitautor und Palliativmediziner Greg Crawford. «Einige betrachten es als die ultimative Scheitern ihrer professionellen Arbeit».
Eine Teilnahme an solch einer Beerdigung könne von Vorteil sein: «Trauerbesuche scheinen ein hilfreicher Weg zu sein, mit Gefühlen umzugehen.» Auch der Familie des verstorbenen Patienten gebe solch eine Aufwartung ein angenehmes Gefühl.

...andere dagegen

Allerdings gibt es dazu auch andere Meinungen: Einige Ärzte betrachten es als «unprofessionell» und lehnten einen Besuch deshalb ab.
Auf eine Empfehlung verzichten die Studienautoren: «Es ist eine persönliche Entscheidung». Man wolle damit eine offene Diskussion über dieses bislang wenig erforschte Thema anstossen und ein klares Bild der tatsächlichen Praktiken und Einstellungen erhalten. 
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