FMH: Ärztelöhne sind gerechtfertigt

Die Ärztegesellschaft FMH nimmt zu verschiedenen Behauptungen aus SRF-Sendungen Stellung.

, 22. Februar 2018 um 10:12
image
  • lohn
  • spital
  • ärzte
  • ärztelöhne
Nach den beiden SRF-Sendungen «Tagesschau» und «Rundschau» bezieht nun die FMH Stellung und möchte «Falschbehauptungen richtig stellen».

Vorwurf 1: Chefärzte haben ein Millioneneinkommen

Urs Klingler analysiert seit 5 Jahren Lohnmodelle von Schweizer Spitälern. Er kam zum Ergebnis, dass das Einkommen der 250 Chefärzte in der gesamten Schweiz zwischen 0,35 und 2,5 Millionen beträgt.
Die FMH wendet nun ein, dass diese 250 Ärzte gerade einmal 0,7 Prozent aller berufstätigen Ärzte ausmachen. Ausserdem rechtfertigt sie die Löhne damit, dass Chefärzte ein grosses Mass an Verantwortung für die Patienten sowie für ihre Mitarbeiter haben.
Hinzu kämen höchste Anforderungen, Arbeitszeiten von 80 Wochenstunden und mehr – sowie die Tatsache, dass es täglich um Leben und Tod gehe.

Vorwurf 2: Ärzte bekommen zusätzlich noch Boni

Die von Urs Klingler herangezogenen Datensätze stammen aus einem öffentlich zugänglichen Datensatz des Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2015 und enthalten sämtliche Brutto-Lohnbestandteile, so auch Boni.
Seit Jahren spreche sie sich vehement gegen mengenbezogene Boni in Spitalverträgen aus, so die FMH. Resultate einer FMH-Begleitstudie vom vergangenen Jahr würden zeigen, dass die Bonuszahlen bei Chefärzten im Bereich der Akutsomatik klar zurückgehen (siehe Statistik).
image
(Bild: FMH-Begleitstudie 2017)

Vorwurf 3: Die Löhne sind nicht öffentlich einsehbar

Gemäss SRF-Recherchen war es schwierig, überhaupt an Daten über die Ärztelöhne zu kommen.
Die FMH nimmt diesen Vorwurf auf und reicht ihn weiter: Während 30 Jahren habe sie jährlich die Einkommen publiziert – bis das Bundesamt für Sozialversicherungen das 2013 untersagte. Begründung: Es bestehe kein Interesse an der Datenbekanntgabe. Ausserdem würde das Bundesamt für Gesundheit seit Monaten eine Studie über das Ärzteeinkommen ankündigen, diese aber nicht veröffentlichen.

Vorwurf 4: Zu hohe Krankenkassenprämien wegen zu hoher Einkommen

In der derzeitigen Diskussion um die Gesundheitskosten liegt nun der Vorwurf nahe, dass die hohen Löhne von den Prämienzahlern übernommen werden. Stimmt nicht, so die FMH: «Allein aus Leistungen der Sozialversicherung sind keine sehr hohen Einkommen zu erreichen.» Diese könnten nur durch Privatpatienten, Vericherungsgutachten und Expertenmandate entstehen, und würden daher nicht zu den steigenden  Krankenkassenprämien beitragen.

Vorwurf 5: Hoher Umsatz ist nicht gleich hohes Einkommen

Ein anderer, häufig genannter Punkt in der momentanen Diskussion ist das hohe Einkommen der Ärzte in eigener Praxis.
Der Rückschluss von Praxisumsätzen direkt auf das Einkommen zu schliessen, sei «widersinnig», so die FMH, da die Umsätze oft nicht allein erzielt werden und zudem die durchschnittlichen Betriebskosten einer Praxis bei gut 70 Prozent lägen. Der Verdienst des Arztes erreicht so also etwa 30 Prozent.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital Oberengadin benötigt dringend Finanzspritze

Letztes Jahr erlitt die SGO einen Verlust von mehr als 5 Millionen Franken. Nun beantragt sie bei den Trägergemeinden einen Nachtragskredit.

image

Weltweit eines der ersten High-End-Dual-Source-CT-Systeme im Ensemble Hospitalier de la Côte in Morges

Welche Vorteile daraus für die regionale Bevölkerung entstehen, lesen Sie im nachfolgenden Interview mit Dr. Mikael de Rham, CEO vom Ensemble Hospitalier de la Côte (EHC).

image

Am Kantonsspital Baden gibt es jetzt Video-Dolmetscher

Nach einer Pilotphase führt das KSB das Angebot von Online-Live-Übersetzungen definitiv ein.

image

Die Liste: Operationen, die für schwangere Chirurginnen unbedenklich sind

In Deutschland hat die Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie eine «Positivliste« veröffentlicht.

image
Gastbeitrag von Ronald Alder

Kürzere Arbeitszeiten sind auch nicht die Lösung

Die Politik sieht das Gesundheitswesen unterm Kostenröhrenblick, die Gewerkschaften haben den Arbeitszeitenröhrenblick. Und so werden die wahren Probleme übersehen.

image

Hochspezialisierte Medizin: Warnschuss aus dem Thurgau

Die Kantonsregierung prüft den Austritt aus der Interkantonalen HSM-Vereinbarung. Und sie vermeldet den Unmut weiterer Kantone.

Vom gleichen Autor

image

Rehaklinik Seewis: Markus Fisch neuer Geschäftsführer

Markus Fisch ist neuer Geschäftsführer und Vorsitzender der Klinikdirektion der Reha Seewis.

image

Aus dem 3D-Drucker: Ein 3-Dollar-Stethoskop

Ein Stethoskop für 3 US-Dollar, hergestellt in weniger als drei Stunden und in der Qualität wie teure Geräte – Wissenschaftler der Western University haben es möglich gemacht.

image

Stadtspital Waid: Neuer Leiter im Bereich Pflege

Patrick Witschi wechselt vom Universitätsspital Zürich zum Stadtspital Waid.