Ärzteeinkommen: Im Schnitt 143'400 Franken

Die Waadtländer Ärztegesellschaft SVM vermittelt einen Blick in die Erfolgsrechnung einer durchschnittlichen Arztpraxis. Vom Umsatz von 453'000 Franken bleiben dem Arzt knapp ein Drittel als Einkommen.

, 15. Mai 2018 um 07:29
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Als Gesundheitsminister Alain Berset im Februar die Ärztelöhne öffentlich kritisierte, gingen vor allem in der Romandie die Wogen hoch. Die Genfer und die Waadtländer Ärzte fühlten sich angegriffen und wehrten sich gegen Bersets Aussage, wonach einzelne Mediziner zulasten der Grundversicherung eine Million Franken und mehr verdienten.  
Unter dem Titel «Eclairages sur la réalité des cabinets» beleuchtet die Société Vaudoise de Médecine (SVM) nun die Ertragsrechnung einer typischen Waadtländer Arztpraxis und legt detaillierte Zahlen über die Einkommensentwicklung der in ihrem Einzugsgebiet ansässigen Mediziner vor. 

Jährlicher Anstieg von 0,7 Prozent

Die Zahlen basieren auf den Buchhaltungen von 158 Arztpraxen im Jahr 2016, mehrheitlich als Einzelunternehmen organisierte Grundversorger und Spezialisten. Ausgewertet wurden sie von der Treuhandgesellschaft Michel Favre, die früher bereits eine ähnliche Analyse durchgeführt hatte; damals basierend auf den Zahlen von 2004. Die beiden Auswertungen erlauben einen Vergleich der Praxiseinnahmen und -ausgaben über 12 Jahre - von 2004 bis 2016. 
2016 betrugen die Einnahmen einer Waadtländer Arztpraxis im Durchschnitt 453'000 Franken. 2004 lag der Wert bei 418'000 Franken. Die Zunahme um 35'000 Franken entspricht einer Steigerung von 8,4 Prozent in 12 Jahren oder jährlich 0,7 Prozent. 

Personal ist grösster Kostenblock

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Anteile der einzelnen Aufwandposten für die Jahre 2004 und 2016 (Quelle: SVM)
Der Anteil der einzelnen Kostenträger ist recht stabil geblieben. Das Personal ist der grösste Kostenblock einer Arztpraxis; der Anteil an den Gesamtkosten hat innert 12 Jahren von 17,3 auf 17,8 Prozent zugenommen. Der Anteil der Mietkosten ist in der beobachteten Zeitspanne von 6,7 auf 5,8 Prozent gesunken, dies primär wegen der aufkommenden Gruppenpraxen, in denen sich verschiedene Ärzte die Mietkosten teilen. Die Mietkosten betragen durchschnittlich 26'000 Franken pro Arzt.

Ein Drittel des Umsatzes bleiben als Einkommen

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Abzüglich aller Kosten und Beiträge bleiben unter dem Strich 143'400 Franken (Quelle: SVM)
In der Erfolgsrechnung erreichen die Kosten einen Anteil von 41,7 Prozent; verglichen mit 44 Prozent im Jahr 2004. Damit beträgt der Betriebsgewinn 58,3 Prozent der Einnahmen. Davon sind allerdings noch die Sozialversicherungen und Pensionskassenbeiträge abzuziehen, die rund 15 Prozent ausmachen.
Geht man von einem Umsatz von 453'000 Franken aus und zieht alle Kosten, AHV-Beiträge und Beiträge an die 2. Säule ab, kommt ein niedergelassener Arzt auf ein rechnerisches Einkommen von 220'000 Franken. In Favres Modellrechnung kommen weitere Abzüge für Versicherungen, Säule 3a und weitere Abgaben hinzu, womit dem Arzt ein frei verfügbares Einkommen von durchschnittlich 143'400 Franken übrigbleibt. Dies entspricht rund 32 Prozent des Umsatzes. 
  • Zum vollständigen Beitrag: «CMV - Courrier du Médecin Vaudois»
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