Abgewählte und Zugewählte: Das ist die Gesundheitsbranche im neuen Parlament

Bei den Wahlen kegelten die Stimmbürger ein paar prominente Gesundheitspolitiker und Patientenschützerinnen hinaus. Die Zahl der Mediziner im Parlament ging wohl leicht zurück.

, 19. Oktober 2015 um 05:30
image
  • politik
  • gesundheitspolitik
Knapp gehalten – so liesse sich das Gewicht der Gesundheitsbranche nach den neusten Wahlen im Schweizer Parlament umschreiben. Aber die Ärzteschaft musste ja auch den Abgang des medizinisch-politischen Schwergewichts Felix Gutzwiller verarbeiten. Und der Kanton Zürich schaffte es immerhin, wenn auch knapp, einen neuen Arzt ins Bundeshaus zu entsenden: Nicht direkt gewählt, aber wohl als Ersatz für den in den Ständerat delegierten Daniel Jositsch, wird der SP-Vertreter und Hausarzt Angelo Barrile in den Nationalrat einziehen.
Insgesamt aber, so scheint es, sind Gesundheitsprofis in der lateinischen Schweiz einen Tick politisch aktiver (oder wählbarer?); diese Tendenz geht sogar so weit, dass der Kanton Jura gleich alle seine beiden Nationalratsmandate an Mediziner abgetreten hat: zum einen an den Allgemeinpraktiker Pierre-Alain Fridez (SP) – und zum anderen an den Veterinärmediziner Jean-Paul Gschwind (CVP).
Auch das Tessiner Volk wird in Bern durch zwei Ärzte vertreten, nämlich Marina Carobbio Guscetti (SP) und Ignazio Cassis (FDP), den Präsidenten von Curaviva. Beide waren bereits in der vergangenen Legislatur im Nationalrat – was bekanntlich auch für die Luzerner Ärztin Yvette Estermann (SVP) gilt.
Erwähnt sei auch, dass einige prominente medizinische Kandidaten den Einzug ins Bundeshaus verpassten, allen voran Franco Denti (GP), Allgemeinpraktiker und Präsident der Tessiner Ärzteschaft; ferner Ulrich Bürgi (FDP), Chefarzt am Zentrum für Notfallmedizin des Kantonsspitals Aarau; sowie Hans-Peter Kohler (FDP), Chefarzt am Berner Tiefenauspital.
Aber bekanntlich spielt die Branche ihr politisches Gewicht durch viele Personen – und manche expliziten Gesundheitspolitiker – mit anderer Ausbildung aus, und das auch in Zukunft. Unter den prominenten Gesundheitspolitikern wiedergewählt wurden Ruth Humbel-Näf (CVP Aargau), Bea Heim (SP Solothurn), Lorenz Hess (BDP Bern), Jean-François Steiert (SP Freiburg); ferner die Spital-Netz-Bern-Verwaltungsrätin Margret Kiener Nellen (SP) und die Basler Unispital-Verwaltungsrätin Silvia Schenker (SP). 
Zu den neugewählten Health-Expertinnen zu zählen wäre Laurence Fehlmann Rielle (SP) aus Genf, eine ausgebildete Gesundheitsökonomin und beruflich tätig im Bereich der Prävention.
Abgewählt wurde indes ein bekanntes Aushängeschild der Patientenseite – nämlich Margrit Kessler, die Präsidentin der Stiftung Patientenschutz (GLP St. Gallen). Die St. Galler Stimmbürger entzogen obendrein das Nationalratsmandat der Ärztin Yvonne Gilli (GP), die sich als Präsidentin des Vereins Patientenstelle Ostschweiz und als Vertreterin der Komplementärmedizin einen Namen gemacht hatte.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Nach 14 Jahren: Efas ist durch

Ambulant, stationär und später Langzeitpflege: Das Parlament hat heute das Gesetzeswerk zur Einheits-Finanzierung angenommen.

image
Gastbeitrag von Felix Schneuwly

Efas – warum einfach, wenn es kompliziert auch geht?

Comparis-Experte Felix Schneuwly beschreibt, wie man die Efas-Vorlage mit vier Bestimmungen einfach und klar hätte gestalten können.

image

(Noch) kein Marschhalt fürs EPD

Der Nationalrat will keinen Übungsabbruch beim Elektronischen Patientendossier (EPD) und spricht 30 Millionen Franken zur Übergangsfinanzierung zugunsten der Stammgemeinschaften.

image

«Rosenpickerspitäler» werden nicht bessergestellt

Vertragsspitäler werden mit Efas nun doch nicht bessergestellt. Der Nationalrat weicht somit von seiner früheren Haltung ab und folgt dem Ständerat.

image

Beat Jans will Spitalplanung zur Bundesratssache machen

Er will den Kantonen die Spitalplanung abnehmen und die Medikamentenpreise senken: Die Pläne des neuen Bundesrats Beat Jans.

image

Ostschweizer Kantone fordern EPD-Stopp

In der aktuellen Form bringe das Projekt kaum Nutzen: Es habe zu viele Konstruktionsfehler. Die Ostschweizer Regierungskonferenz verlangt deshalb einen Zwischenhalt.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.