Marschhalt? Das kanns wohl nicht sein

Nicht die Infragestellung des Krankenkassenobligatoriums sollte zu einem Aufschrei führen, sondern die Forderung nach einem Marschhalt.

, 12. September 2023 um 14:01
image
Wolfram Strüwe ist Leiter Gesundheitspolitik und Unternehmenskommunikation bei der Helsana. | zvg
Ein Aufschrei ging durchs Land, nachdem Natalie Rickli das Krankenkassenobligatorium in Frage stellte. Das war übertrieben. So wurde der Zürcher Gesundheitsdirektorin gleich unterstellt, die Abschaffung des Obligatoriums zu fordern. Dabei hat sie bloss gesagt, es sollte «sogar eine Abschaffung der obligatorischen Krankenversicherung in Betracht gezogen werden.»
Etwas in Betracht ziehen und etwas fordern ist nicht dasselbe. Hingegen etwas anderes hat die SVP-Politiker im Interview mit der «SonntagsZeitung» ohne Wenn und Aber gefordert: «Zuerst einmal fordere ich einen sofortigen Marschhalt. Zurzeit sind Dutzende von 'kleinen' Reformen hängig – an allen Ecken und Enden wird herumgeflickt. Das bringt wenig, ausser mehr Bürokratie. Wir sollten das System von Grund auf überdenken.»
Wie bitte? Ein Marschhalt? Es war Wolfram Strüwe, Leiter Gesundheitspolitik und Unternehmenskommunikation bei der Helsana, der auf die verheerenden Konsequenzen eines Marschhalts aufmerksam machte.

Angriff auf Efas

«Das lässt aufhorchen!», schreibt er im Editorial des aktuellen «Standpunkt», dem Magazin der Helsana zur Gesundheitspolitik. Die Forderung ziele gegen die wichtigste Reform, der einheitlichen Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen (EFAS).
Am Mitwochnachmittag wird der Nationalrat darüber beraten - zum x-ten Mal. Der entsprechende Vorstoss datiert vom Dezember 2009. Es war die damalige CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, die die parlamentarische Initiative eingereicht hatte. An der Debatte wird sie nicht teilnehmen. Sie ist Ende Februar aus dem Rat ausgeschieden.
Und es waren vor allem die Kantone, die sich in all den Jahren querstellten. So wie es generell die Kantone sind, die aufgrund ihrer Mehrfachrollen im schweizerischen Gesundheitswesen die wichtigsten Reformen blockieren.
Dass nun ausgerechnet eine Kantonsvertreterin einen Marschhalt fordert.... Wolfram Strüwe: «Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.»
    Artikel teilen

    Loading

    Comment

    2 x pro Woche
    Abonnieren Sie unseren Newsletter.

    oder

    Mehr zum Thema

    image

    Rote Zahlen für die Universitäre Altersmedizin Felix Platter

    Höhere Personalkosten, schwierige Tarifsituation, mehr stationäre Austritte - so das Fazit des Basler Spitals.

    image

    Spital Schwyz: Notfall bleibt – Sparprogramm kommt

    Der Kantonsrat in Schwyz versagt den Spitälern weitere Mittel für Vorhalteleistungen im Notfallbereich.

    image

    St. Galler Spitäler suchen den digitalen Patientenweg

    Die Gruppe der kantonalen Spitäler wollen künftig über eine App mit ihren Patienten kommunizieren. Dazu sucht sie jetzt neue Lösungen.

    image

    UPD eröffnet Psychiatrie-Zentrum für die Kleinsten

    Das neue «Berner Eltern-Kind-Zentrum» soll eine Diagnostik- und Therapielücke bei Kindern von null bis fünf Jahren schliessen.

    image

    Medizin-Master: UZH und HSG trennen sich

    Die Universität St.Gallen und die Universität Zürich beenden ihre Zusammenarbeit beim Joint Medical Master auf Sommer 2026.

    image

    Neue Präsidentin des Hebammenverbands kommt von der ZHAW

    Petra Graf ist Dozentin im ZHAW-Bachelorstudiengang Hebamme.

    Vom gleichen Autor

    image

    «Genau: Das Kostenwachstum ist kein Problem»

    Für FMH-Präsidentin Yvonne Gilli ist klar: Es braucht Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen. Aber es braucht keine Kostenbremse-Initiative.

    image

    «Kein Mensch will Rationierungen»

    Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

    image

    «Die Spitäler sind selber schuld»

    Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.