Legionärskrankheit in der Schweiz auf Höchststand

Die Erkrankung Legionellose ist weiterhin auf dem Vormarsch: 2022 wurden in der Schweiz über 600 Fälle festgestellt.

, 25. September 2023 um 14:24
image
Legionärskrankheit in der Schweiz: Anstieg der Fälle im Jahr 2022. | Freepik
Seit dem Jahr 2000 ist in der Schweiz ein kontinuierlicher Anstieg der diagnostizierten Fälle von Legionärskrankheit zu verzeichnen. Nach einem vorübergehenden Rückgang im Jahr 2020, der möglicherweise auf die Einführung von Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 zurückzuführen ist, setzt sich dieser Trend fort. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).
Im Jahr 2022 wurden insgesamt 602 wahrscheinliche und bestätigte Fälle der Legionärskrankheit gemeldet. Dabei handelt es sich um Personen, bei denen sowohl eine Lungenentzündung als auch Bakterien der Gattung Legionella spp. nachgewiesen wurden. Die Melderate in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein betrug damit 6,9 Fälle pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner, was den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000 darstellt.

image
Screenshot BAG

Wer am meisten betroffen ist

Wie in den Vorjahren sind besonders ältere Männer von der Legionärskrankheit betroffen. Im Jahr 2022 waren 71 Prozent der gemeldeten Fälle männlichen Geschlechts und das Durchschnittsalter der Erkrankten lag bei 64 Jahren.
Die höchste Melderate, nämlich 26,2 Fälle pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner, wurde zudem in der Altersgruppe der 80-Jährigen und Älteren festgestellt. Wie üblich traten die meisten Fälle in den Sommermonaten auf.

Unterschiede zwischen den Kantonen

Die nach Alter und Geschlecht standardisierten Melderaten variieren je nach Kanton zwischen 0 und 21,5 Fällen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner.
image
Screenshot BAG

Ansteckung durch Einatmen

Legionellen sind Bakterien, die in wässriger und feuchter Umgebung vorkommen. Sie vermehren sich besonders gut bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius, zum Beispiel in Wasserleitungen, Wasserhähnen oder Whirlpools. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen von fein zerstäubten Wassertröpfchen, die Legionellen enthalten.
Patienten mit einer Legionärskrankheit weisen meist ein schweres Krankheitsbild auf. Ein Grossteil der in der Schweiz gemeldeten Fälle ist hospitalisiert, rund fünf Prozent sind zum Zeitpunkt der Meldung bereits verstorben.
  • legionärskrankheit
  • public health
  • BAG
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

MeineImpfungen.ch: Endlich gibt es die Daten zurück

Ab sofort und bis zum 30. Juni können die Impfdaten heruntergeladen werden.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Das BAG muss bei der Cybersicherheit nachrüsten

Das Gesetz will, dass das Bundesamt für Gesundheit ein Information Security Management System betreibt. Davon ist die Behörde allerdings noch weit entfernt.

image

«Es gibt immer noch Unter- und Fehlversorgung»

Zum Tag der seltenen Krankheiten soll auf die über eine halbe Million Betroffenen im Land aufmerksam gemacht werden. Woran fehlt es? Ein Interview mit Christine Guckert von der Kosek.

image

Studie: Covid kostete Melanom-Patienten 100'000 Lebensjahre

Die Gesamtkosten der verzögerten Hautkrebs-Diagnosen dürften in Europa mehr als 7 Milliarden Franken betragen.

image

«Ich war anderen fast immer einen Schritt voraus»

Die Ausschreibung für den «Master of Advanced Studies in Health Administration (MHA) / Public Health (MPH)» ist gestartet. Diese Master-Weiterbildung für erfahrene Führungskräfte im Gesundheitswesen erfreut sich einer sehr grossen Nachfrage und ist oft kurz nach Ausschreibungsstart ausgebucht.

Vom gleichen Autor

image

Kantonsspital Glarus verliert GL-Mitglied

Thomas Kühnis, Chef der Finanzen, Informatik und Betriebe, verlässt nach neun Jahren die Geschäftsleitung des Kantonsspitals Glarus.

image

Neue Ärzte-Tarife auf dem Weg zur Genehmigung

Die Tarifpartner beantragen wie geplant die Genehmigung eines Tarifsystems aus ambulanten Pauschalen und Tardoc.

image

Schatten über dem Verkauf des Spitals Flawil

Wurden beim Verkauf des Spitals Flawil die Vertragspartner getäuscht? Mehrere Kantonsparlamentarier verlangen Antworten von der St.Galler Regierung.