Diese Versicherer verzichten auf Telefonterror und dubiose Makler

15 von 45 Krankenkassen lassen diesen Prämienherbst bei der Werbung die Hände weg vom Telefon. Comparis verrät welche.

, 1. September 2022, 07:08
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Meistens telefonieren die Computer der Callcenter alle möglichen Zahlenkombinationen durch, bis jemand das Telefon abnimmt. | Symbolbild Freepik
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Seit Jahren versuchen die Verbände der Krankenversicherer, den Telefonterror der Krankenkassenmakler zu beenden und dubiosen Vermittlern das Handwerk zu legen. Das eidgenössische Parlament will nun die rechtliche Grundlage schaffen, damit der Bundesrat die seit Januar 2021 in Kraft gesetzte Branchenvereinbarung der Krankenkassen als rechtsverbindlich erklären kann.
Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly bezweifelt die Wirksamkeit der Branchenvereinbarung allerdings. Sie beinhalte lediglich, was das geltende Recht mit dem Fernmeldegesetz und dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb bereits verlange, heisst es im Communiqué von Comparis. Zudem habe die eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma bereits den Auftrag, dubiosen Versicherungsvermittlern die Akkreditierung zu entziehen.
«Die Versuchung, mit dubiosen Callcentern und Vermittlern auf Kundenfang zu gehen, scheint für einige Kassen allerdings derart verlockend zu sein, dass sie die Schlupflöcher der Branchenvereinbarungen immer wieder ausnutzen», so Schneuwly. Das rufe erstens die mit Prämiengeldern finanzierte Aufsichtskommission auf den Plan und führe zweitens dazu, dass die Kassen auf den Kanälen mehr Geld für Kundenwerbung ausgeben, die nicht von den Provisionsdeckeln betroffen seien.

15 Krankenkassen ohne Telefonverkauf

Bereits zum siebten Mal vergibt der Online-Vergleichsdienst Comparis das Label «Saubere Kundenwerbung». Das Label nutzen dürfen nur Krankenkassen, die sich bei der Kundenwerbung vorbildlich verhalten.
So verlangt der Vertrag von Comparis explizit, dass die Regeln des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) bei der Telefon- und E-Mail-Werbung einzuhalten sind. Angerufene erhalten damit das Recht, transparent darüber informiert zu werden, woher der Anrufer ihre Adresse hat. Darüber hinaus müssen die Krankenkassen Lösch- und Sperrwünsche kontaktierter Personen befolgen.
Das Label «Saubere Kundenwerbung» erhalten diese 16 Krankenkassen.
  • Agrisano
  • Krankenkasse Steffisburg
  • Aquilana
  • SLKK
  • EGK
  • Sodalis
  • Einsiedler Krankenkasse
  • Sumiswalder
  • Glarner Krankenversicherung
  • Rhenusana
  • KPT
  • Krankenkasse Vallée d’Entremont
  • Krankenkasse Birchmeier
  • Krankenkasse Visperterminen
  • Krankenkasse Luzerner Hinterland
  • Krankenkasse Wädenswil
Alle ausser KPT verzichten ganz auf Telefonwerbung und bekommen deshalb zusätzlich das Label «Keine Telefonwerbung».

Callcenter tarnen ihre Anrufe

Wie Comparis aufmerksam macht, kontaktieren Callcenter Versicherte in der Schweiz oft unter dem Vorwand, eine Umfrage durchzuführen. Schneuwly empfiehlt: «Wer als Umfragen getarnte, unerwünschte Werbeanrufe erhält, sollte immer nachhaken, woher der Anrufer die Telefonnummer hat und für welchen Auftraggeber er anruft. Kann der Anrufer nicht sofort antworten, sollte das Gespräch rasch und bestimmt beendet werden.»
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