«Kidz»: Basel startet pädiatrisches Hospital-at-Home-Modell

Während die Betreuung kranker Kinder zu Hause in einigen Ländern bereits etabliert ist, wagt Basel mit «Kidz» nun den Schritt zu einem eigenen pädiatrischen Hospital-at-Home-Pilot.

, 4. Dezember 2025 um 08:41
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In Spanien bietet das SJD Barcelona Children’s Hospital mit «SJD at Home» eine pädiatrische Hospitalisation zu Hause für akut erkrankte Kinder an. Bild: Screenshot/SJD.
Eine Basler Kinderarztpraxis startet ab 2026 eines der ersten pädiatrischen Hospital-at-Home-Modelle der Schweiz.
Zunächst sollen Kinder mit chronischen oder komplexen Erkrankungen davon profitieren und im Rahmen eines koordinierten Versorgungsmodells zu Hause spitalähnlich betreut werden.
Im Prä-Pilotprojekt nahmen bereits 20 Kinder teil. Im Haupt-Pilot nächstes Jahr sollen 100 Kinder, die bereits in der Kinderarztpraxis in Behandlung sind, zu Hause versorgt werden. Entwickelt wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Hospitales.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Finanzierung: Wie bei Hospital-at-Home-Modellen in der Erwachsenenmedizin gibt es bislang keine Regelförderung. Der Pilot wird über Förderbeiträge realisiert, es fehlen jedoch noch rund 200’000 Franken, etwa ein Viertel der Projektkosten, wie die «Basellandschaftliche Zeitung» berichtet.
Parallel laufen Gespräche mit dem Basler Gesundheitsdepartement über eine mögliche Mitfinanzierung ab 2027. Das Modell soll künftig sowohl von Kinderärzten als auch von Spitälern genutzt werden können.

«At-Home» in der Psychiatrie

«At-Home»-Angebote sind in der Schweiz teilweise bereits in der Kinder- und Jugendpsychiatrie etabliert. Seit 2019 behandelt die UPD Bern Kinder und Jugendliche mit akuten psychischen Erkrankungen in ihrem gewohnten Umfeld.
Auch die PUK Zürich bietet seit 2023 ein stationsersetzendes Home Treatment für Kinder und Jugendliche an. Das multiprofessionelle Team kommt täglich, auch am Wochenende; die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt sechs Wochen.
Langzeitstudien der UPD Bern und der Universität Bern zeigen, dass Kinder und Jugendliche mit schweren psychischen Erkrankungen langfristig stärker von einer Behandlung zu Hause profitieren können als von einem stationären Aufenthalt.

Internationale Erfahrungen

In anderen Ländern ist die Betreuung kranker Kinder zu Hause bereits Standard. NHS England baut seit 2023 «virtuelle pädiatrische Stationen» aus, die Kindern mit respiratorischen Erkrankungen oder Herzproblemen Krankenhausniveau zu Hause bieten; mehrere tausend Kinder wurden bereits mit täglicher ärztlich-pflegerischer Überwachung per Hausbesuch oder Telemedizin behandelt.
  • In London zeigt «Children’s Hospital at Home», dass sich durch aufsuchende pädiatrische Versorgung – etwa Wundpflege, Monitoring und Medikamentengabe – zehntausende Bettentage einsparen lassen, ohne die Behandlungsqualität zu verschlechtern.
  • In Spanien bietet das SJD Barcelona Children’s Hospital mit «SJD at Home» eine pädiatrische Hospitalisation zu Hause für akut erkrankte Kinder an, mit multidisziplinärem Team und klar definierten Einschlusskriterien.
  • In Kanada werden Kinder mit Krebs über Hospital-at-Home-Programme zu Hause mit Chemotherapie-Kurzinfusionen, Hydratation und Supportivtherapie versorgt, um Klinikaufenthalte zu verkürzen.
  • In Australien werden am Royal Children’s Hospital («Hospital-in-the-Home/Wallaby Ward») Kinder mit Infektionen, Wundversorgungen oder intravenösen Antibiotika zu Hause betreut.
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