Wie wäre es, keinen Arztbericht mehr schreiben zu müssen?

In Zukunft dürfte ChatGPT solche Aufgaben übernehmen. Laut einer Studie schreibt das KI-Programm den Arztbericht zehnmal schneller – und nicht schlechter.

, 7. Mai 2024 um 07:42
letzte Aktualisierung: 3. Februar 2025 um 12:51
image
Symbolbild: Medinside, erstellt mit KI Midjourney.
Das KI-Modell Chat-GPT kann Arztberichte bis zu zehnmal schneller schreiben als menschliche Mediziner – ohne dass dabei die Qualität leidet. Das folgern Forscher der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Universitätsspitals Basel (USB) aus einer Pilotstudie mit sechs virtuellen Patientenfällen.
Die Studie führten sie mit schwedischen Kollegen aus dem Karolinska-Institut, dem Universitätsklinikum Uppsala und dem Danderyd-Krankenhaus durch.
«Die Möglichkeit, administrative Aufgaben wie die Zusammenfassung von Patientenaktennotizen effizienter zu gestalten, könnte erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der medizinischen Fachkräfte haben und gleichzeitig die Qualität der Versorgung verbessern», betonen die Studienautoren Guillermo Sanchez Rosenberg und Andreas Müller vom USB.
Schliesslich wird heute ein grosser Teil der Arbeitszeit von Ärzten von bürokratischen Aufgaben in Anspruch genommen.
  • Rosenberg, G. S., Magnéli, M., Barle, N., Kontakis, M. G., Müller, A. M., Wittauer, M., Gordon, M., & Brodén, C.: «ChatGPT-4 generates orthopedic discharge documents faster than humans maintaining comparable quality: a pilot study of 6 cases», in: «Acta Orthopaedica», 95, 152–156. März 2024.
Die Forscher wollten wissen: Wie gut und wie schnell kann Chat-GPT Arztberichte erstellen?
Sie erfanden dafür sechs Patientenfälle und schrieben dafür fiktive medizinische Aktennotizen. Daraus erstellten Chat-GPT als auch echte Fachärztinnen und -ärzte Arztberichte für die sechs Patienten. Ein 15-köpfiges Expertengremium bewertete Qualität und Erstellungsgeschwindigkeit der Berichte. Das Gremium wusste nicht, von wem die Berichte geschrieben worden waren, von Mensch oder Maschine.

Fehlerquote

Im Grossen und Ganzen war die Qualität der Berichte von KI und Mensch vergleichbar, so das Resultat. Beide machten ungefähr gleich viele Fehler, bei mehreren Berichten waren Korrekturen nötig. Aber: Das KI-Modell Chat-GPT-4 erstellte die Dokumente zehnmal schneller als die Ärzte.
Das Ziel sei die Entwicklung eines KI-Modells, das in der lokalen IT-Umgebung des Spitals laufen könne, um den Schutz der Patientendaten zu gewährleisten, so die Studienautoren weiter. Im Bericht zur Studie machen sie aber auf etwas aufmerksam: Die von der KI erstellten Berichte müssen – genau so, wie es heute bereits mit herkömmlich erstellten Dokumenten der Fall ist – von Menschenhand überprüft werden.

Weitere Studie

In Kürze soll eine weitere Studie gestartet werden, bei der die Forschenden 1’000 medizinische Patientenakten von Chatbots und Menschen parallel zusammenfassen lassen wollen. Die Herausforderung liegt hier vor allem beim Schutz der Patientendaten und beim Datenmanagement.
  • digital & ki
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Zwischen Standardisierung und Klumpenrisiko: Wie sicher ist der «Epic-Boom»?

Epic verspricht Standardisierung, Effizienz und hohe Sicherheitsstandards. Doch je zentraler und mächtiger ein Klinik-Informationssystem ist, desto attraktiver wird es für Angreifer, sagt IT-Experte Marc Ruef im Interview Teil 1.

image

Neues Da-Vinci-System startet in Zürich

Als erste Institution in der Schweiz nutzt die Klinik Hirslanden das Operationssystem «Da Vinci 5». Zunächst kommt es in der Viszeralchirurgie und Urologie zum Einsatz.

image

KI entdeckt in CT-Scans, ob jemand chronisch gestresst ist

Mit einem Deep-Learning-Modell wurde erstmals ein Biomarker für chronischen Stress in der Bildgebung entdeckt: Der «Adrenal Volume Index» deckt sich mit Cortisolspiegel, subjektiv wahrgenommenem Stress – und sogar mit dem Risiko für Herzinsuffizienz.

image

Digitaltherapien auf Rezept: Eine Depressions-App macht den Anfang

Die Schweiz führt ab Sommer 2026 Kostenübernahmen für digitale Therapien ein. Nun wurde eine erste Anwendung für die MiGel-Liste der Grundversicherung bewilligt.

image

Bern: Parlamentarier fordern weitere Untersuchungen zu Epic

Weil der Regierungsrat zu Kosten und Risiken kaum Transparenz zeigt, verlangen mehrere Parteien jetzt eine parlamentarische Untersuchung.

image

Digital statt analog: Bund ebnet Weg für Therapie-Apps auf Rezept

Ab Juli 2026 vergüten die Krankenkassen erstmals digitale Anwendungen. Konkret geht es um Apps zur Verhaltenstherapie bei Depressionen. Doch damit stellen sich viele neue Fragen.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.