Wenn Datenschutz zum Risiko wird – und Impfschäden ohne Antwort bleiben

Im Nationalrat fordern Patrick Hässig und Nina Fehr Düsel mit zwei Vorstössen mehr Klarheit: beim Einsatz moderner IT-Lösungen in Spitälern – und beim Umgang mit Impfnebenwirkungen.

, 20. Juni 2025 um 14:30
image
Nina Fehr Düsel (SVP), Patrick Hässig (GLP).
Zum Schluss der Sommersession wurden im Nationalrat noch zwei Vorstösse eingereicht, die für das Gesundheitswesen interessant werden dürften. Patrick Hässig, der Pflegefachmann in den Reihen der Grünliberalen, thematisierte dabei die Datenschutz-Hürden in den Spitälern. In seiner neuen Interpellation stellt er fest, dass die überkommene Rechtslage den Einsatz von cloudbasierten IT-Diensten im Gesundheitsbereich hemmt. Dabei wären die Cloud-Technologien schon heute die Basis fast jeglichen Austauschs.
Das Problem: Es gibt kantonal viele unterschiedliche Datenschutzgesetze, die allerlei verschiedene Sicherheitsstandards fordern – was wiederum jeglichen Austausch erschwert.
Patrick Hässig und 15 Mitunterzeichnende fordern den Bundesrat nun auf, einheitliche Vorgaben zu erarbeiten und die Datenschutzlage zu harmonisieren. «Ist es verfassungsrechtlich möglich, alle Cloud-Dienste im Gesundheitswesen dem nationalen Bundesgesetz über den Datenschutz zu unterstellen?», so eine Frage das Vorstosses. «Falls ja, ist der Bundesrat bereit, das Bundesgesetz über den Datenschutz anzupassen?» Dazu bringt Hässig die Idee auf, eine Liste mit zertifizierten Cloud-Diensten zu publizieren, die im Gesundheitswesen tätig sind – erarbeitet von einer unabhängigen Stelle.
«Warum werden ablehnende Entscheide von Entschädigungen bei Impfnebenwirkungen ohne nachvollziehbare Begründung und ohne Rechtsmittelbelehrung verschickt?»
Auch der zweite neue Vorstoss kommt von einer Vertreterin des Kantons Zürich: Nina Fehr Düsel (SVP) widmet sich dem Thema der Impfnebenwirkungen – beziehungsweise der Entschädigung der Opfer. In ihrer Interpellation regt sie an, dass der Bundesrat hier endlich für transparente Verfahren sorge.
«Warum werden ablehnende Entscheide von Entschädigungen bei Impfnebenwirkungen ohne nachvollziehbare Begründung und ohne Rechtsmittelbelehrung verschickt?», fragt der Text des Vorstosses. Und weiter: «Können Betroffene nach Ablehnung ihres Antrags auch nach Ablauf der Verjährungsfrist ein Wiedererwägungsgesuch stellen, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen?»
Das Anliegen wurde von 19 anderen Volksvertreterinnen und -vertretern unterzeichnet. Im Kern geht es darum, dass Meldungen über schwerwiegende unerwünschte Wirkungen der COVID-19-Impfung aufgearbeitet werden: dabei handelt es sich um die 6'900 Vorfälle.
Die Praxis zur Anerkennung von Impfschäden sei schwer durchschaubar und langwierig, heisst es in der Begründung: «Das Verfahren ist wenig transparent, und den Entscheiden fehlen nachvollziehbare Begründungen sowie eine Rechtsmittelbelehrung. Zudem veröffentlichte der Bundesrat erst im Mai 2024, drei Jahre nach Einführung der Impfstoffe, ein neues Antragsformular und ergänzende Informationsunterlagen.»
All dies, so Nina Fehr Düsel, sollte nun aufgearbeitet und neu interpretiert werden.
  • Bundesrat soll Bericht über Gewalt gegen Gesundheitspersonal liefern: SP-Nationalrätin Farah Rumy will Vorfälle systematisch erfassen lassen.

  • digital & ki
  • Impfschäden
  • Covid
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Zwischen Standardisierung und Klumpenrisiko: Wie sicher ist der «Epic-Boom»?

Epic verspricht Standardisierung, Effizienz und hohe Sicherheitsstandards. Doch je zentraler und mächtiger ein Klinik-Informationssystem ist, desto attraktiver wird es für Angreifer, sagt IT-Experte Marc Ruef im Interview Teil 1.

image

Neues Da-Vinci-System startet in Zürich

Als erste Institution in der Schweiz nutzt die Klinik Hirslanden das Operationssystem «Da Vinci 5». Zunächst kommt es in der Viszeralchirurgie und Urologie zum Einsatz.

image

Myokarditis nach Covid-Impfung: Neue Erklärungsansätze

Bestimmte Zytokine begünstigen eine überschiessende Entzündungsreaktion im Herzmuskel, Östrogene hemmen sie. Das zeigt ein Team der Stanford University. Hier liegt wohl eine Erklärung, weshalb die seltene mRNA-Nebenwirkung vor allem junge Männer betrifft.

image

KI entdeckt in CT-Scans, ob jemand chronisch gestresst ist

Mit einem Deep-Learning-Modell wurde erstmals ein Biomarker für chronischen Stress in der Bildgebung entdeckt: Der «Adrenal Volume Index» deckt sich mit Cortisolspiegel, subjektiv wahrgenommenem Stress – und sogar mit dem Risiko für Herzinsuffizienz.

image

Digitaltherapien auf Rezept: Eine Depressions-App macht den Anfang

Die Schweiz führt ab Sommer 2026 Kostenübernahmen für digitale Therapien ein. Nun wurde eine erste Anwendung für die MiGel-Liste der Grundversicherung bewilligt.

image

Bern: Parlamentarier fordern weitere Untersuchungen zu Epic

Weil der Regierungsrat zu Kosten und Risiken kaum Transparenz zeigt, verlangen mehrere Parteien jetzt eine parlamentarische Untersuchung.

Vom gleichen Autor

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.

image

Umbau beim SIWF – doch die Wartezeiten bleiben lang

Das Weiterbildungs-Institut trennt sich nun auch von Geschäftsführer Jörg Gröbli. Trotz mehr Personal und IT-Unterstützung beträgt die Bearbeitungsdauer für Facharzttitel beim SIWF weiterhin rund zwölf Monate.

image

Pflegeinitiative: Widerstand im Parlament – SBK empört

Die Gesundheitskommission des Nationalrats tritt bei der Umsetzung der Pflegeinitiative auf die Bremse. Höchstarbeitszeit, Normalarbeitszeit und Lohnzuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen weitgehend unverändert bleiben