Die Luft im Bus, Tram oder in der U-Bahn ist ein eigenes Biotop mit Myriaden an unsichtbaren Lebewesen: Das kann man ahnen. Ein Team von Forschern aus Hong Kong, Schweden, Grossbritannien und den USA wollte nun aber genaueren Einblick – und suchte in den U-Bahn-Systemen von sechs Grossstädten nach mitreisenden Viren und Bakterien.
In Denver, Hongkong, London, New York, Oslo und Stockholm nahm es 503 Luftproben; und mit speziellen Filtern und mit Genanalyse fanden die Forscher dort über 5’000 verschiedene Virenarten oder -gruppen.
Fast die Hälfte der Funde gehörte zur Virengruppe der Caulimoviridae. Erstaunlich ist jedoch der andere Teil: Rund ein Drittel (32 Prozent) dieser Viren konnte keiner bekannten Familie zugeordnet werden.
Es deutet sich also an, dass im ÖV eine teils völlig unbekannte mikrobielle Vielfalt herrscht: Wir pendeln täglich durch ein virales Dunkelfeld voller unentdeckter Organismen.
Die Luft jeder Stadt hatte einen eigenen Charakter: Gewisse Viren tauchten fast nur an einem Ort auf – andere fanden sich in mehreren Städten wieder.
Die meisten Viren hatten virulente Eigenschaften. Auch fanden sich enge Korrelationen mit den Bakterien in der Luft eines Metrosystems: Wo bestimmte Bakterienarten häufig vorkommen, fand man meist auch die passenden Viren.
Dabei trugen einige Viren Gene, die Bakterien gegen Antibiotika oder andere Stoffe resistent machen könnten. Was ahnen lässt, dass die Viren in der Luft am Austausch solcher Gene beteiligt sein können.
Was wir beim Pendeln also einatmen, ist ein komplexes Miteinander von Mikroben, deren Zusammenspiel noch kaum verstanden ist. Airborne-Viren im ÖV weisen weltweit eine starke Diversität auf.
Und die hohe Zahl neuer Viren verdeutlicht jedenfalls, wie viel noch unentdeckt ist und klassifiziert werden müsste.