Warum Frauen besser Frauen behandeln sollten

Wird eine Herzinfarkt-Patientin von einer Ärztin behandelt, ist deren Überlebenschance nach einem Myokardinfarkt offenbar besser, als wenn ein Arzt die Behandlung vornimmt.

, 7. August 2018 um 07:30
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Wer als Frau einen Herzinfarkt erleidet und von einer Ärztin behandelt wird, stirbt seltener, als wenn der behandelnde Arzt ein Mann ist. Dies zumindest zeigt jetzt eine Analyse von über 500'000 Patienten in den USA.
«Es gab einen bedeutenden und positiven Effekt» bei der Überlebensrate, schreiben die Wissenschaftler in der im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlichten Studie. Für die Untersuchung nutzten die Forscher um Laura Huang Daten von Patienten, die zwischen 1991 und 2010 auf Grund eines Herzinfarkts in Notaufnahmen im US-Bundesstaat Florida behandelt wurden. 
Brad N. Greenwood, Seth Carnahan, and Laura Huang: «Patient–physician gender concordance and increased mortality among female heart attack patients», in: «Proceedings of the National Academy of Sciences», August 2018.

Ärzte stehen vor besonderen Herausforderungen

Der Studie nach wurde die Sterblichkeitsrate um 5,4 Prozent gesenkt, wenn Patientinnen von Frauen behandelt wurden. Insgesamt sterben fast zwölf Prozent aller Patienten, die wegen eines Myokardinfarkts in der Notaufnahme behandelt werden.
Die Wissenschaftler liefern auch gleich einen Erklärungsansatz: Die meisten Ärzte sind männlich, und männliche Ärzte scheinen mit der Behandlung von Patientinnen vor besonderen Herausforderungen zu stehen. Anderseits gilt auch: Je mehr Frauen ein Arzt bereits behandelt habe, desto weniger Patientinnen würden sterben. Die Forscher sprechen sich dafür aus, mehr Ärztinnen in Notaufnahmen zu beschäftigen.
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