Die Frage wird sich auch bei uns mehr und mehr aufdrängen: Soll man das Krebsrisiko testen? Was geschieht, wenn die Möglichkeiten der genetischen Überprüfung gängig werden? Wenn jeder Zugriff hat darauf?
Solchen Fragen geht in den USA eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe nach, im Rahmen der
Personal Genomics Study. In einer Teilstudie, jetzt veröffentlicht, wurden Menschen verfolgt, die ihre Krebsneigung durch so genannte Direct-to-Consumer-Tests überprüft hatten.
Konkret beobachteten die Forscher um die Onkologin Stacy W. Gray 762 Menschen, welche im Jahr 2012 krebs-bezogene Genom-Informationen über sich erhalten hatten. Dabei wurden sie insbesondere auch informiert über höhere Risiken von Krebsarten, welche durch das Erbgut mitbestimmt werden, beispielsweise Darmkrebs oder Brustkrebs.
Das Fazit: In den sechs Monaten, nachdem sie ihre Ergebnisse erhalten hatten, verhielten sich die Menschen mit höherem Risko nicht anders – und zwar im positiven wie im negativen Sinne. Das heisst: Weder änderten sie ihre Ernährungsgewohnheiten oder ihr Fitness-Verhalten mehr als andere, noch gingen sie häufiger zur Voruntersuchungen.
Der Prostata-Ausreisser
Eine einzige Gruppe stach leicht hervor: Männer, denen man ein höheres genetisches Risiko für Prostatakrebs attestierte, begannen signifikant häufiger damit, Vitamine und Nahrungsmittel-Zusätze zu verwenden (ein Schritt also, den man unter gesundheitlichen wie gesundheitspolitischen Aspekten als eher neutral bezeichnen dürfte).
Bemerkt sei allerdings, dass beide Gruppen ihr Verhalten nach den Testresultaten durchaus modifizierten: Beispielsweise veränderten 31 Prozent ihre Ernährungsgewohnheiten. Nur: Die Quote war bei jenen Probanden, denen ein erhöhtes Risiko bescheinigt wurde, gleich wie bei jenen, welche durch die Testaussagen eher beruhigt wurden.
Pro und Contra
Im Hintergrund steht, dass die US-Aufsichtsbehörde FDA den Einsatz solcher direkter Konsumententests vor drei Jahren gestoppt hatte, um erst die Risiken und Folgen erforschen zu lassen. Denn einerseits könnte es zu einem bewussteren Lebenswandel motivieren, wenn man über ein höheres Tumor-Risiko informiert wird.
Andererseits könnten aber auch – beispielsweise – Übertreibungen und zu häufige Screenings die Folge sein, mit Kostenfolgen fürs ganze Gesundheitssystem.