Was Roboter «Da Vinci» wirklich bringt

Das Operationssystem «Da Vinci» kostet viel. Doch im OP-Saal verhilft der Roboter laut einer Studie kaum zu besseren Resultaten.

, 3. Oktober 2016, 06:00
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Im Rahmen der neu aufgeflammten Diskussion um die Gesundheitskosten machen der «Tages-Anzeiger» und der «Bund» den «Da Vinci» zum grossen Thema. Basis ist eine im Sommer 2016 im Fachblatt «The Lancet» erschienene Studie, erarbeitet von Robert Gardiner von der Universität Queensland im australischen Brisbane.
Demnach haben Prostata-Krebs-Patienten kaum Vorteile, wenn sie mit der Unterstützung des Roboters statt konventionell operiert werden. So kam es drei Monate nach dem Eingriff in beiden beobachteten Patientengruppen fast gleich häufig zu Inkontinenz und Erektionsstörungen.

Mehrkosten von bis zu 3'000 Franken

Finanziell lohne sich ein Operations­roboter für die Spitäler also nicht, so nun der Aspekt, den die Schweizer Zeitungen in den Vordergrund stellen. Von den 28 Da Vincis in der Schweiz kostet jeder rund 2 Millionen Franken in der Anschaffung und geschätzte 200'000 Franken jährlich für den Unterhalt.
Tullio Sulser, Direktor der Klinik für Urologie am Unispital Zürich (USZ), schätzt im «Tages-Anzeiger» alleine die Mehrkosten auf 1’500 bis 3’000 Franken pro Eingriff, wenn er mit dem Roboter durchgeführt wird. 
Immerhin lassen sich mit Da Vinci gewisse Kosten einsparen – auch darauf deutet die «Lancet»-Studie hin. So ist die Operationszeit im Durchschnitt eine halbe Stunde kürzer, und die Patienten sind ein bis anderthalb Tage weniger lange im Spital.

Was entscheidend ist

Ein Grund, wieso sich die Roboter nicht rechnen, sei die geringe Auslastung. Es gibt schlicht zu viele davon. «Manche Kliniken nehmen deshalb Eingriffe vor, bei denen die Verwendung von Da Vinci wenig Sinn macht», sagt Agostino Mattei zum Tagi, der Chefarzt Urologie am Luzerner Kantonsspital (Luks.
Zudem bestätigt die Studie frühere Untersuchungen: Entscheidend ist nicht die Technik, sondern der Operateur. «Der Operateur, nicht die Maschine, macht den Unterschied», so auch USZ-Urologe Sulser. 

«Überzogene Erwartungen»

Der «Tages-Anzeiger» bezeichnet den Roboter in einem Kommentar als «ein Lehrstück dafür, wie überzogene Erwartungen in die Technologie zu Fehlentwicklungen in der Medizin führen können». Doch an ein Zurück sei kaum mehr zu denken.
Denn ohne Roboter keine Patienten: «Ohne Da Vinci würden selbst bei uns am Unispital die Prostatakrebspatienten ausbleiben.» Der Roboter sei ein Angebot, das man im Sortiment haben müsse, so Sulser.
«Operations-Roboter nützen Schweizer Patienten wenig», in: «Tages-Anzeiger»/«Bund», 3. Oktober 2016
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