Artificial Intelligence: Bessere Chancen für Koma-Patienten

Die Ärzte hatten keine Hoffnung mehr, der Computer schon – und zurecht. Chinesische Forscher zeigen, welches Potential die Künstliche Intelligenz der Medizin noch zu bieten hat.

, 16. September 2018 um 14:34
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Einen verblüffenden Erfolg melden diverse chinesische Medien: Mit einem Künstliche-Intelligenz-System sei es gelungen, Komapatienten zu entdecken, die aufwachen würden – obschon die Ärzte kaum noch Hoffnung hatten.
Konkret erfassten Ärzte und Forscher der Akademie der Wissenschaften von China sowie des PLA-Spitals Beijing bei einer Reihe von Komapatienten die Beurteilung von behandelnden Neurologen: Sie nahmen die ärztlichen Einträge auf der Coma-Recovery-Skala (CRS-R) und liessen zugleich ein mit allen Informationen und CT-Scans gefüttertes Computerprogramm eine Urteil abgeben.

Keine Chance, kleine Chance

Erfasst wurde der Zustand einen Monat nach der Aufnahme der Patienten. In diversen Fällen hatten die Ärzte keine Hoffnung und gaben einen Wert ab, der die Verwandten zum Abbruch von lebenserhaltenden Massnahmen berechtigt hätte. Aber in denselben Fällen äusserte das AI-System massiv höhere Werte.
Die Studie sah nun vor, die Entwicklung mindestens ein Jahr lang zu verfolgen. Das Resultat: Bei sieben Personen – etwa einem 19jährigen Unfallopfer oder einer 41jährigen Hirnschlag-Patientin – liess sich 12 Monate nach Studienbeginn eine sehr entscheidende Diskrepanz feststellen: Obwohl die Ärzte kaum noch Chancen gesehen hatten (mit CRS-R-Werten um 7 und tiefer) wachten diese Patienten wieder auf, vereinzelt erholten sie sich sogar vollständig.

Auch AI versagte manchmal

Allerdings: Auch das AI-System lag gelegentlich falsch. Einem jungen Mann mit Hirnstammschäden gab es ebenfalls eine schlechte Prognose ab – doch ein Jahr später konnte sich dieser Patient wieder weitgehend erholen. In 88 von 100 erfassten Fällen deutete das Programm die eingelesenen Daten (beziehungsweise die sich daraus ergebenden Chancen) richtig.
Was bedeuten mag: Auch in der Komabetreuung und –beurteilung werden solche Systeme den Arzt niemals ersetzen. Aber sie könnten eine enorme Verstärkung darstellen.
In Beijing entstanden in jüngster Zeit mehrere Zentren, die sich auf das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Neurologie beziehungsweise Gehirnerkrankungen spezialisieren. Bei einem Wettbewerb zur Diagnose und Früherkennung von Hirntumoren und Hämatomen, durchgeführt im Juni, gewann ein AI-System des Beijing Tiantan Hospital sowie der Capital Medical University gegen ein Team von 15 erfahrenen Ärzten: Bei den Tests – durchgeführt auch mit einem Zeitlimit – diagnostizierte die Künstliche Intelligenz in 87 Prozent der Fälle richtig, die Ärzte nur in 66 Prozent.


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