Arbeiten in den Thurgauer Spitälern bald ukrainische Flüchtlinge?

Die Spital Thurgau AG will Flüchtlinge aus der Ukraine anstellen. Es hätten sich bereits Personen gemeldet – nun gelte es, das Hilfsangebot möglichst rasch in die Praxis umzusetzen.

, 30. März 2022 um 10:15
image
  • spital thurgau
  • ukraine
  • ärzte
  • pflege
  • labor
  • thurgau
Die Spital Thurgau AG will ukrainischen Flüchtlingen eine Anstellung ermöglichen. Fachpersonen mit den notwendigen Qualifikationen werden bevorzugt eingestellt, wie das Spitalunternehmen vergangenen Freitag mitgeteilt hatte.
Es sollen aber auch fünf neue Arbeitsstellen geschaffen werden für Personen, die nicht über die berufliche Anerkennung für die Schweiz verfügen. 

In diesen Bereichen sollen Stellen eingerichtet werden

Es handelt sich primär um Stellen in der Pflege und in der Betreuung. Aber auch im Labor, in der Hotellerie oder im technischen Bereich sollen die Personen eingesetzt werden. «Wir sind da offen», schreibt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, auf Anfrage.
Erste Flüchtlinge aus der Ukraine hätten sich bereits gemeldet; aktuell würden die konkreten Einsatzmöglichkeiten evaluiert, so der CEO des Spitalunternehmens. «Wir versuchen, unser Hilfsangebot möglichst rasch auch in die Praxis umzusetzen.»

«Diese Unterstellung finde ich einfach daneben»

Gemäss Kohler gibt es «eher wenige» Fachpersonen, die sich bis jetzt gemeldet haben. Nicht-Fachpersonen, die eine Arbeit suchen, gebe es hingegen deutlich mehr. Zu Kommentaren wie etwa dem, dass die Spital Thurgau AG einfach billige Arbeitskräfte anstelle, meint Kohler: «Ich finde diese Unterstellung einfach daneben: Wir haben ja – neben den Fachstellen – fünf zusätzliche Stellen geschaffen, wo die üblichen Fachvoraussetzungen eben nicht gelten.» 

Eins-zu-eins-Betreuung

Diese Personen müssten entsprechend durch das bestehende Fachpersonal angeleitet und betreut werden; sie bräuchten quasi eine Eins-zu-eins-Betreuung, schreibt Kohler und fügt an: «Die Zusatzstellen sind in erster Linie mit viel Aufwand verbunden, den wir aber in der heutigen Flüchtlingskrise gerne als einen unserer Beiträge leisten.»
Bis anhin habe die Spital Thurgau AG «namhafte Beiträge» an die Glückskette gespendet. «Nun geht es uns und vielen Mitarbeitenden darum, die ukrainischen Flüchtlinge, welche in die Schweiz gekommen sind, auch da zu unterstützen, wo es ihnen am meisten nützt», so der CEO des Spitalunternehmens.

Wie wird das Hilfsangebot von den Mitarbeitern aufgenommen? 

Laut Kohler kommt das Hilfsangebot bei den Angestellten insgesamt gut an: «Es wird geschätzt, dass wir so rasch und auch möglichst unkompliziert helfen.»
Lesen Sie auch: Ukraine: Experten befürchten Anstieg von HIV und TuberkuloseUkraine-Konflikt: Wie helfen Schweizer Spitäler? 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Floria, die Pflegefachfrau, könnte dem Schweizer Film zu einem Oscar verhelfen

Der Film «Heldin» hat es auf die Top-15-Liste für die Oscar-Nominationen geschafft. Er hat aber auch Kritik aus Pflegefachkreisen laut werden lassen.

image

Spitex Zürich erhält einen neuen CEO

Der Geschäftsleiter der Regio-Spitex Limmattal wird der neue Chef der Spitex Zürich. Der bisherige CEO, Markus Reck, geht in Pension.

image

Arztstellen bleiben zwei Monate unbesetzt

Mit einem neuen Tool zeigt das Obsan, wie sich die Ärzteschaft im Land entwickelt: mehr Patientenkontakt, mehr offene Stellen – und über 30 Prozent der Grundversorgerpraxen mit Patienten-Stopp.

image

Spitäler halbieren Verlust – aber zwei Drittel bleiben im Minus

2024 reduzierten die Schweizer Spitäler ihren Verlust – nach 777 Millionen Franken im Vorjahr waren es nun 347 Millionen. Aber immer noch schreiben fast zwei Drittel der öffentlichen Kliniken rote Zahlen. Die Zahl der Ärzte stieg stärker als jene des Pflegepersonals.

image

Pflege: Fatales Signal aus den USA

Die Regierung in Washington streicht Nursing aus der Liste der höheren Abschlüsse.

image

Solothurn: Brücke in den Schweizer Pflegealltag

Ein gemeinsames Programm der Solothurner Spitäler und der Volkshochschule soll ausländischen Pflegefachkräften den Einstieg erleichtern. Es kombiniert Sprachförderung, Weiterbildung und praktische Einsätze.

Vom gleichen Autor

image

«Ich brauchte nach der Pause mindestens drei Jahre»

Daniela Fürer arbeitete rund eineinhalb Jahre als Intensivpflegefachfrau, dann wurde sie Mutter und machte eine lange Pause – bis zum Wiedereinstieg.

image

Quereinstieg Pflege: Hunger auf beruflichen Neubeginn

Der Rucksack von Annette Gallmann und Peter Kienzle ist gefüllt mit allerhand Arbeits- und Lebenserfahrung. Die 47-jährige Gastronomin und der 52-jährige Art Director machen die Ausbildung HF Pflege.

image

Hat das Stethoskop auf Arztfotos seine Berechtigung?

Ärztinnen und Ärzte werden fast immer mit einem Stethoskop um den Hals abgelichtet. Braucht’s das? Und: Ist das medizinische Diagnoseinstrument überhaupt noch zeitgemäss?