7 Gesundheits-Berufe der Zukunft

Vom Präventions-Techniker bis zum Lebensende-Berater: Hier lernen Sie Berufe kennen, die es noch gar nicht gibt – aber die in wenigen Jahren schon selbstverständlich sein könnten.

, 21. Februar 2017 um 07:57
image
  • trends
  • arbeitswelt
Die Idee ist einfach: Man nehme Entwicklungen, die schon angelaufen sind und unvermeidbar erscheinen – und führe sie weiter. Auf dieser Basis hat sich der Arzt Bertalan Meskó nun gefragt, welche Berufe denn damit entstehen oder aufsteigen werden. In seiner Site «The Medical Futurist» veröffentlichte er insgesamt 21 neue Gesundheitsberufe: Tätigkeiten, die es heute noch nicht als Berufsfelder gibt, die aber wohl in den 2030er Jahren völlig normal sein dürften.
Einige Beispiele wirken tatsächlich etwas futuristisch oder spezialisiert (Gesundheits-Chatbox-Designer, Gesundheits-Drohnen-Disponent). Aber bei einer Auswahl denkt man doch: Klar, das dürfte ein Beruf mit grosser Zukunft sein. Hier eine Auswahl von 8 Beispielen:

Gesundheitsdaten-Analyst

Einerseits gilt es als Selbstverständlichkeit, dass wir immer mehr Daten über unseren Körper sammeln, bei den Leistungserbringern wie mit unseren privaten Wearables. Aber andererseits stellt sich kaum jemand die Frage, wer diese Daten denn bündelt – und vor allem, wer sie gezielt interpretieren kann.
Dasselbe gilt auf der übergeordneten Ebene: Wenn es stimmt, dass die Gesundheitsbranche zum Big-Data-Steinbruch wird, dann werden zahllose Experten gebraucht, die neue Beziehungen in diesen Datenmengen erkennen und herausarbeiten können.

Gamification-Spezialist

Bereits entstehen reihenweise Unternehmen, welche spielerische Therapien entwickeln. Ein Beispiel wäre etwa Mindmaze aus Lausanne: Das Unternehmen hat ein Therapie-Spielsystem entwickelt, mit dem Schlaganfall-Patienten gewisse Hirnregionen wieder stimulieren und reaktivieren können.
Leicht könnte man weitere Beispiele nennen, bis hin zu den vielen Apps, welche uns zu richtiger Bewegung oder guter Ernährung motivieren – auf spielerische Art und Weise. Wer sich hier eine Expertise im Grenzbereich zwischen Medizin und Spiel erarbeitet, könnte noch lange gute Jobs finden.

AI-Operations-Berater

Komplexe Operationen werden teils heute schon geübt, indem man die Schritte anhand von 3D-Abbildern des individuellen Organs durchspielt. Bertalan Meskó erwartet, dass sich hier eine eigene Berufsgruppe durchsetzen wird: Die Augmented-Reality- und Virtual-Reality Operation Planners, so der angelsächsiche Begriff. Sie visualisieren und konkretisieren den bevorstehenden Eingriff entweder durch die Schaffung von «Dummies» des Organs oder durch virtuelle Bildschirm-Realitäten.

Patientenassistenten

Hier stellt sich vielleicht die Frage der Finanzierung – aber das Prinzip leuchtet ein, denn das Bedürfnis bestünde: Jeder Patient ist letztlich ein Amateur in Fragen des Gesundheitswesens, und so bestünde in vielen Krankheitsfällen ein Bedarf nach einer professionelleren Koordination der diversen Aspekte.
Natürlich gibt es rudimentär schon Angebote – Stichwort Managed Care –, aber eine optimale Betreuung und Beratung der gesamten medizinischen, pflegerischen, pharmazeutischen, versicherungstechnischen Abläufen gibt es kaum.
Die Idee erinnert letztlich auch an das hier schon diskutierte Modell eines «Prozess Owners» bei der Behandlung einer Krankheit. 

Lebensende-Therapeuten

Wenn man erstens die lebensverlängernden Möglichkeiten, zweitens die Aufgaben der Palliativ-Pflege und drittens den Umgang mit dem Freitod weiterdenkt – dann endet man durchaus bei dieser Aufgabe: Beratung, die uns auf den Tod vorbereitet.
Dabei ginge es beispielsweise darum, mit den Patienten alles gemeinsam zu erörtern, ethische Masstäbe, medizinische Möglichkeiten, familiäre Situation, Persönlichkeit… Um am Ende bewusst und «richtig» aus dem Leben zu scheiden.

Präventions-Stratege

Genauer besehen geht es darum, im wachsenden Riesenbereich der Wearables, Apps, digitalen Pflaster et cetera jene auszuwählen, die zu einer Person passen. Und die ihr insbesondere dabei helfen, einen gesunden Lebens- und Ernährungsstil zu pflegen und durchzuhalten.
Der Präventions-Stratege müsste aber nicht nur über Geräte beraten, sondern eben auch über ihre Anwendung zur Prägung des Lebensstils. Und er könnte dabei helfen, einen entsprechenden Plan zu entwickeln – angedockt beispielsweise bei der Krankenversicherung. Wo sich dann auch die entsprechenden Kassenprodukte auswählen liessen.

Telechirurg

Dass Chirurgie immer stärker durch Roboter-Unterstützung ausgeübt wird, ist eine Binsenwahrheit. Dass sich dies ausweitet, wird auch allgemein anerkannt – bis in fünf Jahren dürfte sich der Weltmarkt für Operationsroboter nochmals verdoppeln, auf etwa 6,5 Milliarden Franken pro Jahr.
Entsprechend wird auch der Bedarf an Chirurgen wachsen, welche hier eigentliche Spezialisten sind. Oder anders gesagt: Die Kombination von Chirurgie und Robotik könnte zu einem eigenen Fachgebiet werden. So dass Institute oder Lehrstühle für Telechirurgie eine logische Fortsetzung sind.
Mehr:
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Spitex: «Book a Doc» soll unnötige Spitaleinweisungen verhindern

Die Spitex Limmat Aare Reuss setzt neu auf Telemedizin: Mit «Book a Doc» können die Pflegefachpersonen ärztliche Beratung direkt in die Wohnungen von Klienten holen.

image

Smarte Ideen in Schweizer Spitälern

Virtual Reality in der Pflege-Ausbildung ++ Familienpflege bei Hirslanden ++ Bett-Tasche ++ Neuer Nachsorgedienst ++ Digital-Uhr ++ ST-OP-Schild ++

image

«Der Punkt, an dem Ärztinnen aussteigen, ist oft Erschöpfung»

Leadership-Expertin Sibyl Schädeli über den Weg von Ärztinnen zu Karriere, Teilzeit und Führungsrollen. Das Interview (Teil 2)

image

Schweizer Assistenzärzte: Viele Ruhetage, aber geringe Work-Life-Balance

Eine Studie zeigt: Im europäischen Vergleich haben Schweizer Assistenzärzte zwar mit am meisten Ruhetage pro Monat – zugleich klagen sie überdurchschnittlich oft über ihre Work-Life-Balance.

image

Darum haben Dermatologie-Kliniken so grossen Erfolg

Die Zahl der dermatologischen Kliniken wächst schnell. Die Gründe für den Erfolg von Skinmed, Delc, Dermis und DKZ.

image

Medizinstudierende wählen nach Fachattraktivität

Nicht Geld oder Lifestyle entscheiden – sondern die Faszination fürs Fach: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Medizinstudierende ihre Berufswahl vor allem nach der Attraktivität des Fachgebiets treffen.

Vom gleichen Autor

image

Ein Urteil, das die Temporärarbeit im Gesundheitswesen verändern könnte

Ein Entscheid des Zuger Obergerichts beschäftigt Temporärfirmen: Wer Personal über Pools vermittelt, muss Bereitschaftszeiten vergüten und strengere Formvorschriften einhalten.

image

Spital heilt, Oper glänzt – und beide kosten

Wir vergleichen das Kispi Zürich mit dem Opernhaus Zürich. Geht das? Durchaus. Denn beide haben dieselbe Aufgabe: zu funktionieren, wo Wirtschaftlichkeit an Grenzen stösst.

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.