Pflegeoffensive in Zürich: Weniger Fluktuation, mehr Nachwuchs

Drei Jahre nach dem Start des Programms «Stärkung Pflege» zieht die Stadt Zürich Bilanz: Die Pflegeberufe seien spürbar attraktiver geworden.

, 3. Juni 2025 um 22:13
image
Bild: Stadtspital Zürich
Vor drei Jahren startete die Stadt Zürich in ihren Gesundheitsinstitutionen ein Programm: «Stärkung Pflege», so der vielsagende Titel. Nun zog Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri Bilanz – und die sei positiv: Die Fluktuation beim Pflegepersonal ist gesunken. Die Kosten für temporäre Einsätze haben abgenommen. Mehr Menschen schliessen im Stadtspital oder in den Alterszentren ihre Ausbildung im Pflegebereich ab.
«Wir haben früh gehandelt – und heute sind positive Effekte sichtbar», sagt Andreas Hauri. Laut den Daten sank die Fluktuationsrate im Stadtspital Zürich per Ende 2024 auf unter sieben Prozent. In den städtischen Gesundheitszentren für das Alter beträgt sie noch zwölf Prozent. Schweizweit liegt die Fluktuation im Pflegebereich bei gut 20 Prozent.

Temporäre Personalkosten

Auch die temporären Personalkosten sind zurückgegangen: Seit 2022 konnten gesamthaft rund 11,5 Millionen Franken eingespart werden. Das führe zu mehr Konstanz in den Pflegeteams und besseren Bedingungen für Patienten und Bewohnende, argumentiert der Stadtrat.
Zu den Massnahmen des Programms «Stärkung Pflege» gehören Pools zur Entlastung des Stammpersonals, flexiblere Arbeitszeitmodelle und ein Ausbau der Führungsqualifikationen. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Ausbildung: Jede siebte Pflegefachperson im Kanton Zürich schliesst ihre Ausbildung in einer der beiden städtischen Institutionen ab. Im September 2025 startet im Stadtspital Zürich zusätzlich das Pilotprojekt «Ausbildungsstation 365» zur Nachwuchsförderung.
Im Jahr 2022 hatte die Stadt die Funktionen von über 4000 Mitarbeitenden in Pflege- und Betreuungsberufen überprüft – mit dem Ergebnis, dass danach rund 70 Prozent höher eingestuft wurden. Damit habe man die gestiegene Verantwortung in der Pflege auch im Lohnsystem anerkannt, so Stadtrat Hauri.

Pflegeinitiative

Kritisch äussert sich Hauri bei dieser Gelegenheit zur geplanten Umsetzung der zweiten Etappe der Pflegeinitiative. Die Vorschläge des Bundes seien nicht ausgereift und führten zu Mehrkosten, deren Finanzierung nicht gesichert sei. Zudem würde der Handlungsspielraum der Gesundheitsinstitutionen unnötig eingeschränkt.
Das Programm «Stärkung Pflege» soll weitergeführt und die Wirkung der Massnahmen im Rahmen eines Monitorings laufend überprüft werden.
  • pflege
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Floria, die Pflegefachfrau, könnte dem Schweizer Film zu einem Oscar verhelfen

Der Film «Heldin» hat es auf die Top-15-Liste für die Oscar-Nominationen geschafft. Er hat aber auch Kritik aus Pflegefachkreisen laut werden lassen.

image

Spitex Zürich erhält einen neuen CEO

Der Geschäftsleiter der Regio-Spitex Limmattal wird der neue Chef der Spitex Zürich. Der bisherige CEO, Markus Reck, geht in Pension.

image

Pflege: Fatales Signal aus den USA

Die Regierung in Washington streicht Nursing aus der Liste der höheren Abschlüsse.

image

Solothurn: Brücke in den Schweizer Pflegealltag

Ein gemeinsames Programm der Solothurner Spitäler und der Volkshochschule soll ausländischen Pflegefachkräften den Einstieg erleichtern. Es kombiniert Sprachförderung, Weiterbildung und praktische Einsätze.

image

«Ich verstehe die Ungeduld der 200'000 Pflegefachleute im Land»

Heute gehen Pflegekräfte in Bern auf die Strasse: Sie fordern die konsequente Umsetzung der Pflegeinitiative. Auch GLP-Nationalrat und Pflegefachmann Patrick Hässig ist dabei.

image

Sektionen des Pflegefach-Berufsverbands lösen sich auf

Mit etwas Wehmut nehmen die bisherigen regionalen Sektionen des Berufsverbands Abschied. Ab nächstem Jahr gibt es nur noch eine gesamtschweizerische Organisation.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.