Medbase arbeitet an Telemedizin-Angebot

Die Migros-Tochter spürt auf mehrere Arten die magere Rentabilität in der hausärztlichen Grundversorgung. «Wir kommen nur gerade so raus», sagte CEO Marcel Napierala.

, 8. Juli 2024 um 03:50
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Welche Hausärzte ziehen aufs Land? — Empfang der Medbase-Praxis in Zweisimmen  |  Bild: PD
«Wir kommen nur gerade so raus. Ein bisschen mehr Luft würde nicht schaden»: So beschreibt Marcel Napierala, der CEO von Medbase, in einem neuen Interview mit der NZZ die finanzielle Lage der Medbase-Gruppenpraxen. «Unsere Margen sind aber sehr tief. Nur indem wir Grössenvorteile nutzen und die betriebliche Effizienz verbessern, können wir überhaupt etwas verdienen.»
Womit Napierala ein Licht wirft auf die lamentable Rentabilität im Grundversorgungsbereich. Denn mit rund 70 Praxis-Standorten hat die Migros-Tochter Medbase immerhin einen klaren Grössenvorteil. Kommt hinzu, dass drei von vier Medbase-Praxen in Selbstdispensations-Kantonen liegen.
In der Administration könne das Unternehmen «vieles bündeln und die Ärzte entlasten», so Napierala in der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Dann nutzen wir auch die künstliche Intelligenz. Wir testen unter anderem ein neues System, das telefonische Anfragen unserer Patienten transkribiert und eine Triage vornimmt, in welchen Fällen es rasch einen Rückruf braucht. Ein einzelner Arzt kann unmöglich in ein solches System investieren.»
«Wir müssen unsere Ressourcen bündeln und können nicht am Laufmeter Einzelpraxen mit Patientenstamm übernehmen.»
Eine Folge: Der Migros – respektive Medbase – wird zur Anlaufstelle bei Nachfolgeproblemen. Pro Woche erhält das Unternehmen vier oder fünf Praxen zum Kauf angeboten, «und das konstant seit mehreren Jahren»: Das sagte Napierala in einem Interview mit dem «Sonntagsblick», das ebenfalls an diesem Wochenende erschien. «Die Ärzte gelangen an uns, wenn sie nicht mehr weiter wissen.»
Die meisten Hilferufe kämen vom Land, weil der Mangel an Hausärzten da noch ausgeprägter ist als in den Städten. Nur: Medbase spürt selber den Mediziner-Mangel. Wenn «wir in allen grösseren Migros-Filialen Gesundheitszentren aufziehen würden, hätten wir gar nicht das Personal, um sie zu betreiben», so Napierala in der NZZ zur Frage nach Expansionsplänen.

Telemed-Pläne

Und im «Sonntagsblick» sagte er: «Wir müssen unsere Ressourcen bündeln und können nicht am Laufmeter Einzelpraxen mit Patientenstamm übernehmen. Nur wenn sich ein sinnvolles Konzept für ein Medbase-Gesundheitszentrum umsetzen lässt und wir junge Ärztinnen dafür gewinnen können, ist eine Übernahme möglich. Bei über 90 Prozent der Anfragen ist das leider nicht der Fall.»
Als Variante zur Sicherung der Grundversorgung nannte Napierala – neben der bereits erwähnten Aufwertung der Apotheken – auch die Telemedizin: «Wir arbeiten an einem eigenen telemedizinischen Angebot. Damit können Patienten mit akuten Symptomen telemedizinisch betreut werden, die nicht zwingend physisch behandelt werden müssen. Oder auch Personen, die wegen chronischer Krankheiten periodische Kontrollen benötigen.»
  • Migros will mit Apotheken die Hausärzte entlasten. Die Medbase-Filialen wollen ihr Angebot ausbauen: Sie sollen zu «Points of Care» werden.
  • Am Ende machen es Migros und Coop. Die Zusammenarbeit der Gesundheitsbranche mit dem Detailhandel bietet noch unermessliche Chancen.

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