Europäischer KI-Bot macht Leitlinien in Echtzeit nutzbar

Ein neues Projekt will die Empfehlungen viel stärker in den Klinikalltag einbauen – mit KI-Live-Assistenten. Vorerst zu Herzinsuffizienz, COPD, Asthma und Nierenerkrankungen.

, 9. März 2026 um 05:49
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Koordinationszentrum: die Charité in Berlin  |  Bild: PD
Medizinische Leitlinien werden immer umfangreicher – und im hektischen Klinikalltag oft nur teilweise genutzt. Ein europäischer «Leitlinien-Bot» soll hier weiterhelfen. Unter Führung der Berliner Charité werden digitale Assistenten entwickelt, die dann Ärztinnen und Ärzte während der Behandlung direkt auf leitliniengerechte Therapien hinweisen sollen. Beim Projekt «Guide-AI» an Bord sind Teams aus 19 Institutionen und acht Ländern; in der Schweiz beteiligt sich die hiesige Takeda-Gesellschaft.
Ziel ist es, die oft komplexen Empfehlungen aus Leitlinien im klinischen Alltag schneller verfügbar zu machen. Statt in umfangreichen Dokumenten und Pdfs nachzuschlagen, werden die Ärztinnen und Ärzte automatisch Hinweise erhalten – beispielsweise zu empfohlenen Medikamenten, Dosierungen oder diagnostischen Schritten.
Die Idee: Die KI analysiert die jeweils aktuellen klinische Daten und vergleicht sie mit bestehenden Empfehlungen. Falls eine Behandlung von Leitlinien abweicht, gibt das System entsprechende Hinweise geben.
Im Idealfall würde der Leitlinien-Bot direkt in das Klinikinformationssystem eingebaut.

Beispiel Winterthur

«Guide-AI» konzentriert sich in einem ersten Schritt auf vier weit verbreitete chronische Erkrankungen: Herzinsuffizienz, chronische Nierenerkrankung, COPD und Asthma. Zusammen betreffen sie mehr als 160 Millionen Menschen in Europa.
Eine klinische Studie soll zeigen, ob der Einsatz der KI tatsächlich dazu führt, dass Therapien häufiger den Leitlinien entsprechen. Zugleich wird getestet, wie sich solche Systeme sinnvoll in bestehende klinische Abläufe integrieren lassen.
Ansätze für solche «Reglemente-Bots» gibt es bereits. Am Kantonsspital Winterthur unterstützt der Chatbot «Clara» die Angestellten dabei, interne Richtlinien, IT-Fragen oder administrative Prozesse schneller zu klären. Die Idee: Am KSW gibt es über 1800 interne Vorschriften und Richtlinien; KI aber kann den Mitarbeitern effizient helfen, in diversen Situationen die korrekte Antwort zu finden.
Solche Systeme greifen allerdings noch nicht direkt in medizinische Entscheidungsprozesse ein: Sie geben Hinweise. Das Projekt «Guide-AI» könnte sogar einen Schritt weiter führen: Es prüft, ob medizinische Leitlinien selbst in digitale Assistenzsysteme eingebaut werden können.
  • Zum Factsheet des Projekts «Guide-AI»Zur Mitteilung der Charité.

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