KI macht den Blick frei für die Patienten

Weniger Maus, weniger Bildschirm: Eine USZ-Studie zeigt, wie KI-gestützte Dokumentation den Ärzten Zeit spart – und den Kontakt zu den Patienten verbessert.

, 4. März 2026 um 04:55
image
Das Gerät läuft mit, steht aber nicht im Zentrum: Anästhesisten-Patienten-Gespräch im Rahmen der Simulationsstudie  |  Bild: aus d. zit. Paper.
Wie eine KI-Dokumentationshilfe den Anästhesisten bei der Sprechstunde hilft, zeigt nun eine Simulationsstudie aus dem Universitätsspital Zürich auf. Dabei führten 30 Anästhesisten aller Alters- und Erfahrungsstufen präanästhetische Konsultationen mit simulierten Patienten durch – einmal ohne KI-Hilfe, einmal mit dem Dokumentations- und Berichts-System «Isaac» der Firma Saipient.
«Isaac» machte dann jeweils einen Entwurf des Arztberichts direkt aus dem Gespräch – in der Vergleichsgruppe wurde hingegen manuell dokumentiert. Am Ende bestätigt es auch die Zürcher Studie: KI-Unterstützung erhöht die Effizienz.
  • Die durchschnittliche Konsultationsdauer lag um 18 Prozent (etwa 4 Minuten) tiefer als bei manueller Dokumentation.
  • Insgesamt mussten sich die Anästhesisten weniger dem Gerät zuwenden: Es gab weniger Screen-Fixierung (um 78 Prozent tiefer), weniger Tastatur-Eingaben (-87 Prozent), weniger Mausklicks (-19 Prozent). Dies bedeutet, dass sich die Ärzte mehr ihren Patienten zuwenden konnten.
  • Bei der subjektiven Arbeitsbelastung deuteten die Ärzte eine Verbesserung an (allerdings war die Aussage hier nicht sehr klar).
  • Allgemein berichteten die Anästhesisten über einen besseren Austausch mit den Patienten.
  • Fast zwei von drei Studienteilnehmern (60 Prozent) würden die Unterstützung durch KI bevorzugen.
Schliesslich liessen die Autoren die Resultate auch durch neun externe Anästhesisten der Hirslanden-Gruppe einschätzen. Und hier zeigte sich, dass die Qualität der manuell erstellten Berichte höher eingestuft wurde als jene der KI-unterstützten Version. Dabei punktete der «Faktor Mensch», weil die Texte offenbar klarer und strukturierter waren. Bei Genauigkeit, Vollständigkeit und Konsistenz der Berichte kamen kaum Unterschiede ans Licht.
Das Team mit Arend Rahrisch, Julia Braun, Michael T. Ganter et al. befindet in seiner ‚Conclusion’, dass KI-Unterstützung zwar effiziente Zeitersparnis und weniger Dokumentationslast bringt, aber ärztliche Überprüfung der KI-Outputs weiter nötig bleibt, um klinisch akzeptable Dokumentationsqualität zu gewährleisten. Die nötigen Prüf- und Freigabeschritte könnten den Zeitgewinn denn auch etwas senken.

    Artikel teilen

    Loading

    Kommentar

    Mehr zum Thema

    image

    CSS-Vizechef übernimmt Führung bei Swica

    Der Krankenversicherer Swica bekommt eine neue Führung: Rudolf Bruder übernimmt im November 2026 die CEO-Position von Reto Dahinden, der das Unternehmen nach 15 Jahren verlässt.

    image

    ZHAW-Studie: Der Digitale Reifegrad unserer Akteure ist unbefriedigend – Was können wir dagegen tun?

    Der aktuelle Digital Health Report 2025/26 der ZHAW belegt: Das Gesundheitswesen hinkt bei digitalen Kompetenzen hinterher. Der Handlungsbedarf ist riesig, doch Praktiker machen oft einen Fehler. Lesen Sie, wie Sie das Problem mit Micro-Teachings effektiv und effizient angehen.

    image

    Zürich: Fast eine halbe Milliarde für die nächste Ärztegeneration

    Der Zürcher Kantonsrat bewilligt 25 Millionen Franken für das Projekt «Med500+». Ab 2030 sollen an der Universität Zürich jährlich 700 statt 430 Studierende Humanmedizin beginnen.

    image

    Frauenklinik Züri Ost vor Führungswechsel

    Die Frauenklinik Züri Ost der Spitäler Männedorf und Uster steht vor einem Führungswechsel: Aufbauleiter Ralf Joukhadar verlässt die Kooperation im Herbst 2026.

    image

    Ziel verfehlt: Der Traum vom universellen Krebsbluttest gerät ins Wanken

    Der Galleri-Test erkennt laut Hersteller über 50 Krebsarten. Entscheidend ist jedoch, ob durch ihn fortgeschrittene Tumoren seltener auftreten. Genau das gelang nicht.

    image

    Keine automatische Preissenkung nach Ablauf des Patentschutzes

    Während Generika gesetzlich deutlich günstiger sein müssen, gibt es für Originalpräparate nach Patentablauf keine automatische Preissenkung. Eine Motion wollte dies ändern – ohne Erfolg.

    Vom gleichen Autor

    image

    Kantonsspital Baden: Neuer Leiter für die Rheumatologie

    Tobias Manigold übernimmt die Leitung der Rheumatologie am KSB. Vorgänger Andreas Thueler bleibt dem Kantonsspital weiterhin verbunden.

    image

    Der Notfall-Finder startet nun auch im Emmental

    Mit einem Online-Fragebogen zur Selbsteinschätzung und Live-Daten zur Auslastung des Notfalls will das Spital Emmental den Patienten mehr Sicherheit geben – und die Stationen entlasten.

    image

    Schweizer Spitäler im Vergleich: Kleine Unterschiede auf hohem Niveau

    Das internationale Spitalranking von «Newsweek» bietet auch eine eigene Schweizer Rangliste: Das sind die 25 hervorragenden Häuser unter den «World’s Best Hospitals» 2026.