«Wieso steigen die Prämien schneller als die Gesundheitskosten?». Mit dieser Frage machten sich drei Ökonomen des CSS-Instituts hinter die Daten der gleichnamigen Krankenkasse. Denn innert zehn Jahren – von 2015 bis 2024 – stiegen die jährlichen Kosten pro Person in der obligatorischen Grundversicherung bei der CSS von 3613 auf 4410 Franken; es war ein Zuwachs von 797 Franken beziehungsweise 22 Prozent. Zugleich wuchs die Prämienbelastung noch stärker als diese Gesundheitskosten.
Die offensichtlichste Antwort auf die Frage lautet: mehr Leistungen. Die Grundversicherung muss immer mehr Angebote finanzieren. Dass die psychologische Psychotherapie seit 2022 selbständig über die Grundversicherung abgerechnet werden kann, verursachte laut dem CSS-Paper beispielsweise Mehrkosten von rund 25 Franken pro Kopf.
Durch solche Erweiterungen verschiebt sich die Finanzierung immer stärker vom Einzelnen zum Allgemeinen. Im Jahr 1996 hatte die Grundversicherung noch etwa 30 Prozent der Gesamtkosten des Gesundheitswesens abgedeckt; bis 2022 stieg dieser Anteil auf 37 Prozent.
Als weiteren wichtigen Kostentreiber machen die Autoren Christian Schmid, Caroline Chuard-Keller und Nicolas Schreiner neue Medikamente aus, die in den letzten Jahren in den Leistungskatalog aufgenommen wurden. Hätten sich nur bereits 2015 verfügbare Medikamente weiterentwickelt, wären die Kosten tendenziell sogar gesunken.
Anstieg der durchschnittlichen Pro-Kopf-Prämien seit 2025 um 797 Franken – und Beitrag der einzelnen Faktoren | Grafik: CSS Institut
Mehr Leistungen, teurere Medikamente: diese beiden Faktoren werden ja oft angeführt. Andere beliebte Erklärungen sind laut dem CSS-Paper indessen eher irrelevant: Die Alterung der Bevölkerung ist kein starker Treiber der Gesundheitskosten, sie erklärt nur ein Sechstel des Wachstums. Viel wichtiger sei, dass der Ressourcenverbrauch auch bei den jüngeren Versicherten stark steigt.
Und die Kosten für stationäre Behandlungen sind im erfassten Zeitraum sogar gesunken.
«Die steigenden Gesundheitskosten sind nur zu einem kleinen Teil auf nicht-beeinflussbare Faktoren wie den demografischen Wandel zurückzuführen», heisst es im Fazit. Die einzelnen Ausbauten der Grundversicherungs-Leistungen würden zwar oft nur kleine Zusatzkosten nach sich ziehen, «zusammen ist ihre Wirkung aber beträchtlich. Dabei gilt es zu bedenken, dass jedem Ausbau des Leistungskatalogs ein politischer oder behördlicher Entscheid zu Grunde liegt. Die Kosten der Grundversicherung – und damit auch die Prämien – wachsen, weil wir als Gesellschaft dies so wollen.»
Auf der anderen Seite sei es kaum möglich, unnötige Leistungen zu streichen.
Wenn die Schweiz also das Prämienwachstum wirklich bremsen wolle – dann müsste die Gesellschaft wohl «zukünftig auf neue Therapien verzichten, die Verschiebung der Finanzierung hin zur Allgemeinheit stoppen und/oder Leistungen mit geringem Mehrnutzen streichen.»