COVID-19 hatte keinen Einfluss auf Krebsprognosen

Eine schweizweite Studie mit über 200’000 Krebsfällen zeigt: Die Pandemie führte zwar zeitweise zu weniger Diagnosen – doch weder Krankheitsstadium noch Überlebenschancen verschlechterten sich im ersten Jahr nach der Diagnose.

, 13. August 2025 um 04:49
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Die Pandemie hatte in der Schweiz kaum Auswirkungen auf das Überleben von Krebsbetroffenen.   |  Bild: Tobias Doering / Unsplash
Die Überlebensrate von Krebspatientinnen und -patienten in der Schweiz blieb während der Pandemie stabil. Das zeigt eine im «Swiss Medical Weekly» veröffentlichte Analyse von über 200’000 Krebsfällen aus den Jahren 2017 bis 2021.
  • Luzius Madera, Lea Wildisenbc, Dominik Menges, et al.: «The impact of the COVID-19 pandemic on cancer incidence, stage distribution and survival in Switzerland: a register-based cohort study», in: «Swiss Medical Weekly», August 2025. DOI: 10.57187/s.4354.
Untersucht wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die Häufigkeit der diagnostizierten Krebsfälle, das Krankheitsstadium bei Diagnose sowie die Überlebensrate ein Jahr nach der Diagnose über alle Krebsarten betrachtet sowie einzeln für Brust-, Darm-, Lungen-, Prostata- und schwarzem Hautkrebs (Melanom).
Die Verteilung der Krankheitsstadien zum Zeitpunkt der Diagnose blieb über die Jahre 2017 bis 2021 nahezu unverändert, schreibt die Nationale Krebsregistrierung in einer Mitteilung. Auch die Überlebensrate ein Jahr nach der Diagnose blieb 2020 stabil. 2021 war sie im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019 sogar leicht höher. Dies reflektiere den allgemeinen Trend, dass sich die Überlebensraten bei einer Krebsdiagnose stetig verbessern, so die Forschenden.

Kam die Schweiz besser durch die Pandemie?

Während andere Länder deutliche Auswirkungen von COVID-19 auf Krebsdiagnosen und -prognosen meldeten, zeigte sich in der Schweiz nur ein kurzfristiger Rückgang der Diagnosen – ohne Verschlechterung beim Erkrankungsstadium oder den Überlebenschancen. Die Nationale Krebsregistrierung wertet dies als Beleg für «die Belastbarkeit des Schweizer Gesundheitswesens».

Weniger Krebsdiagosen während des Lockdowns

Während der ersten COVID-19-Welle im Frühjahr 2020 sank die Zahl der Krebsdiagnosen deutlich, im April sogar um knapp 20 % im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders stark betroffen waren Tumoren, die oft bei Vorsorgeuntersuchungen entdeckt werden – etwa Brustkrebs (–39,9 %), Prostatakrebs (–29,0 %), Darmkrebs (–28,7 %) und Melanome (–26,9 %). Lungenkrebsdiagnosen gingen nur leicht zurück (–6,9 %).
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Die absolute Anzahl der monatlichen Krebsfälle für alle Krebsarten in der Schweiz. Quelle: Swiss Medical Weekly. 2025;155:4354.
Dieser Rückgang war jedoch nur vorübergehend: Bereits Ende 2020 glich sich die Zahl der Neudiagnosen wieder aus, über das ganze Jahr lag sie leicht über dem Durchschnitt der Jahre 2017–2019 (+2,1 %). 2021 kam es sogar zu einem Anstieg um 7,3 %, vor allem bei Prostatakrebs und Melanomen. Ob dies ein Nachholeffekt oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist, wird noch untersucht.
Corona-Massnahmen in Schulen: Wirkung relativ. Rettung durch Schulschliessungen? Eine Genfer Studie untersuchte die Wirkung der Covid-Massnahmen in Kitas und Schulen: Bei hoher Inzidenz in der Bevölkerung greifen sie kaum – und wurden wohl überschätzt.

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