Brustkrebstherapie: Erstmals nationale Kennzahlen erhoben

Insgesamt wird Brustkrebs in der Schweiz früh entdeckt. Handlungsbedarf besteht jedoch bei den Screeningprogrammen.

, 30. Oktober 2025 um 14:41
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In der Schweiz wird Brustkrebs meist früh erkannt und leitliniengerecht behandelt. Symbolbild: Adobe Stock.
Wie gut ist die Brustkrebsversorgung in der Schweiz wirklich? Eine neue landesweite Auswertung der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Senologie liefert erstmals belastbare Antworten – und bescheinigt dem Schweizer Gesundheitssystem eine «hohe Qualität» bei Diagnose und Therapie von Brustkrebs.
Die Analyse umfasst über 20’000 Fälle aus den Jahren 2020 bis 2022, darunter auch Brustkrebsvorstufen. Untersucht wurden Häufigkeit, Sterblichkeit, Krankheitsverlauf sowie Qualität der Diagnostik und Therapie.
Insgesamt wird Brustkrebs in der Schweiz überwiegend in frühen Stadien entdeckt (Stadium I oder II: 83 Prozent). Die Entdeckung erfolgt nahezu gleich häufig über Symptome (49 Prozent) wie über Früherkennungsuntersuchungen (45 Prozent).

Früherkennung wirkt

Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zwischen organisierten Screeningprogrammen und situativ durchgeführten Untersuchungen: 64 Prozent der Diagnosen innerhalb der kantonalen Programme erfolgen im frühesten Stadium (Stadium I), ausserhalb der Programme sind es nur 44 Prozent.
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Quelle: Kurzbericht Diagnose und Therapie von Brustkrebs in der Schweiz, NKSR.
Die NKRS betont, dass flächendeckende Programme mit hoher Teilnahmequote entscheidend wären, um noch mehr Tumore in einem frühen Stadium zu entdecken. Denn: Früherkennung verbessere Heilungschancen und ermöglichere schonendere Therapien.

Tumorboards nicht überall Standard

Die Behandlung von Brustkrebs erfolgt in der Schweiz weitgehend leitlinienkonform, so der Bericht. In 88 Prozent der Fälle wird chirurgisch behandelt, häufig in Kombination mit systemischer oder lokaler Therapie.
In rund 85 Prozent der Fälle wird der Therapieentscheid in einem interdisziplinären Tumorboard gefällt. Hier besteht laut NKRS Handlungsbedarf: «Jede neue Brustkrebsdiagnose sollte in einem Tumorboard besprochen werden, damit noch mehr Patientinnen und Patienten eine leitliniengerechte Behandlung erhalten».
  • Kurzbericht Diagnose und Therapie von Brustkrebs in der Schweiz.pdf

Brustkrebs ist nach Prostatakrebs die zweithäufigste Krebserkrankung der Schweiz: Jährlich erkranken rund 6800 Frauen und 60 Männer, weitere 700 Personen erhalten die Diagnose einer Vorstufe. Mit 111 Neuerkrankungen pro 100’000 Personen liegt die Schweiz im europäischen Mittelfeld.
Im europäischen Vergleich weist die Schweiz tiefe Sterblichkeitsraten und hohe Überlebenschancen auf:
  • Jährlich sterben rund 1350 Personen an Brustkrebs.
  • Ein Jahr nach der Diagnose leben 98 Prozent der Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.
  • Die Rückfallquote im ersten Jahr liegt bei nur 1 Prozent.

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