Berner Hausärzte müssen psychische Notfälle übernehmen

Die Hausärzte des Notfalldiensts der Region Bern befürchten, dass ihre Einsätze stressreicher werden. Denn sie müssen künftig die Notfall-Psychiater ersetzen.

, 22. Oktober 2025 um 13:31
image
Bild: Inselspital Bern
In der Region Bern rücken ab Februar 2026 in psychischen Notfällen nur noch Hausärztinnen und Hausärzte aus. Bis jetzt deckten Psychiaterinnen und Psychiater diese Fälle ab.
Die Hausärztinnen und Hausärzte sind alarmiert. Gegenüber dem Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF sagte Corinne Sydler, die Präsidentin des Vereins Berner Haus- und Kinderärzte: «Das ist ein zusätzlicher Stressfaktor, wenn eine Hausärztin oder ein Hausarzt weiss, dass sie während ihres Dienstes eventuell in eine solche psychiatrische Ausnahmesituation kommt und vielleicht einen Entscheid über eine fürsorgerische Unterbringung fällen muss.»
Hausärztinnen und Hausärzte seien zwar ausgebildet, aber nicht Fachpersonen für psychische Krankheiten. Sie wären in solchen akuten angespannten Situationen, bei denen zum Teil auch die Polizei involviert sei, stark gefordert. Denn ihnen fehle die Erfahrung, und es sei eine grosse Verantwortung, zum Beispiel jemanden gegen dessen Willen in eine Klinik einzuweisen.

Nicht mehr kreuz und quer durch die Nacht

Die Psychiater und Psychiaterinnen hingegen sind erleichtert: «Es ist eine grosse Belastung für alle Kolleginnen und Kollegen, wenn wir vor Ort fahren müssen», sagte Patrick Weihs, der Präsident der Bernischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, gegenüber SRF. Bisher hätten Psychiater und Psychiaterinnen oft grosse Strecken kreuz und quer durch die Nacht fahren müssen, um zu den Patienten zu gelangen. In solchen Fällen seien die Fachpersonen, von denen es derzeit sowieso zu wenig gebe, nicht gut eingesetzt.
Die Fachleute sollen die Patienten in ihren Praxen beurteilen und behandeln. Den Weg sollen besser die Patienten und Patientinnen mit Hilfe von Angehörigen, der Polizei oder der Rettungssanität machen.
Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) wollen nun die Situation analysieren und eine langfristige Lösung mit allen Beteiligten finden.
  • psychiatrie
  • notfalldienst
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Stellvertreter für IPW-Direktor Stefan Lichtensteiger

Benjamin Dubno übernimmt vorübergehend die Leitung der Integrierten Psychiatrie Winterthur - Zürcher Unterland.

image

Neuer Direktor soll forensische Psychiatrie in Bern vorwärts bringen

Der neue Chefarzt kommt aus der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Er bringt Erfahrung in Hochsicherheitsforensik mit.

image

BAG: Gesundheitskosten steigen um 5,2 Prozent

Gemäss dem aktuellen Kostenmonitoring des Bundesamtes für Gesundheit wuchsen die Ausgaben für Spitex-Leistungen am stärksten, gefolgt von der Psychotherapie.

image

Generation Smartphone – Generation Stress

Psychische Probleme bei Jugendlichen nehmen seit Jahren zu. Eine neue Langzeitstudie legt nun nahe, dass das Smartphone dabei nicht nur eine Nebenrolle spielt.

image

Psychiatriezentrum Oberwallis mit neuer Klinikleitung

Michele Marchese übernimmt die Klinikleitung des Psychiatriezentrums Oberwallis am Spitalzentrum Oberwallis.

image

PDAG: Politik fordert mehr Transparenz

Der Tod des jungen Mannes in der Klinik Königsfelden beschäftigt nicht nur die Justiz, sondern auch die Politik.

Vom gleichen Autor

image

Konsultation nur beim eigenen Hausarzt – oder gar nicht

Wenn der Hausarzt vorübergehend nicht verfügbar ist, bricht die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen dramatisch ein. Auch wenn andere Ärzte erreichbar wären.

image

Nach Honorarkürzung: Spital Einsiedeln gewinnt Schwyzer Belegärzte

Das Spital Schwyz hat die Honorare gesenkt und seine Belegärzte verärgert. Diese operieren nun zum Teil auch in Einsiedeln.

image

Kispi-Professor für seine Therapie bei offenen Rücken ausgezeichnet

Ueli Möhrlen erhält den Forschungspreis der Holm-Schneider-Stiftung für einen neuen Ansatz zur Behandlung der Spina bifida vor der Geburt.