Aus für Bichsel-Produktion in Interlaken: Bis zu 170 Stellen betroffen

Galenica stellt die pharmazeutische Herstellung ihrer Tochter Bichsel bis Ende 2026 ein und konzentriert sich künftig auf das Home-Care-Geschäft.

, 24. Februar 2026 um 13:19
image
Galenica richtet ihr Tochterunternehmen Bichsel neu aus: Die pharmazeutische Produktion in Interlaken soll aus wirtschaftlichen Gründen bis spätestens Ende 2026 aufgegeben werden. Betroffen sind bis zu 170 Stellen in Produktion und Vertrieb. Das Konsultationsverfahren wurde eingeleitet.
Die Herstellung galt laut Unternehmen seit Jahren als zu wenig wettbewerbsfähig. Verschiedene Optionen – von einer Neuausrichtung über grosse Investitionen bis hin zu einem möglichen Neubau – wurden geprüft, hätten aber keine langfristig tragfähige Lösung gebracht.
Auch ein Verkauf der Produktionsanlagen sei wegen ihres Zustands nicht möglich. Während der Übergangsphase will Bichsel die Kunden weiterhin beliefern und bei Bedarf beim Wechsel zu anderen Lieferanten unterstützen.
«Das ist nicht nur ein Schlag für die Region. Sie trifft einen äusserst wichtigen und kritischen Teil der Versorgung», schreibt Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitäler fmi AG und Vizepräsident von Pharmasuisse, auf LinkedIn. Die Schliessung betreffe «alle kritischen Bereiche der Spitalversorgung» und habe auch eine sicherheitspolitische Dimension: «Die Reaktionsfähigkeit der Schweiz in Krisen wird beeinträchtigt.»

Fokus auf Home-Care-Dienstleistungen

Künftig soll der Fokus vollständig auf den Home-Care-Dienstleistungen liegen. In diesem Bereich arbeitet Bichsel bereits mit Lifestage Solutions zusammen. Gemeinsam unterstützen die beiden Galenica-Unternehmen Spitexorganisationen und Pflegeinstitutionen bei der Versorgung von Patienten zu Hause – etwa in der klinischen Ernährung, der Schmerztherapie oder beim digitalen Medikamentenmanagement.
Das Apothekengeschäft in Interlaken bleibt bestehen und wird ab März 2026 als Amavita Apotheke Bichsel weitergeführt.
  • Bichsel fertigt spezielle Medikamente für Spitäler, Pflegeheime und Ärzte – zum Beispiel sterile Spritzen oder individuell zusammengestellte Arzneien. Bis Ende 2026 stoppt die Produktion in Interlaken aus Kostengründen, stattdessen konzentriert sich Bichsel auf Pflege-Dienste zu Hause.
  • Galenica betreibt das grösste Apothekennetz der Schweiz mit Marken wie Amavita oder Sun Store. Zusätzlich versorgt das Unternehmen als Logistikführer Apotheken, Ärzte und Spitäler mit über 100'000 Medikamenten und bietet IT-Dienste für das Gesundheitswesen.
Finanziell rechnet die Galenica-Gruppe im Fall der Produktionsaufgabe mit einmaligen Sonderkosten von 35 bis 40 Millionen Franken. Nach der Schliessung soll sich der operative Gewinn jährlich um rund drei Millionen Franken verbessern.
Der Abschluss des Konsultationsverfahrens wird gemäss Angaben Mitte März 2026 erwartet. Der endgültige Entscheid zur Schliessung sowie die definitive Zahl der betroffenen Stellen hängen vom Ausgang dieses Verfahrens ab.
    Artikel teilen

    Loading

    Kommentar

    Mehr zum Thema

    image

    Häusliche Gewalt: Bern übernimmt Westschweizer Idee

    Der Kanton Bern startet eine digitale Schulung für Apotheken. Es soll helfen, ältere Menschen zu erkennen und unterstützen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

    image

    Suizid: Auswertung von Botschaften könnte Prävention verbessern

    Manchmal geht einer Tat eine SMS oder ein Anruf voraus. Eine Studie aus der Westschweiz untersucht diese Signale – zur Verfeinerung der Präventionsstrategien.

    image

    LUKS lanciert digitalen Symptomchecker

    Die Luzerner Kantonsspitalgruppe setzt ein Digitalangebot ein, das den Patienten eine Ersteinschätzung der Dringlichkeit von Beschwerden liefert – und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen.

    image

    Pflegepersonal dringend gesucht. Aber bloss nicht mit kleinem Pensum.

    Trotz Fachkräftemangel fand die Pflegefachfrau Olga Keller nach der Geburt ihres Sohnes keine Stelle in einem Spital: Pensen unter 60 Prozent passten nicht ins Schema.

    image

    Philippe Plodeck wird CEO des Spitalzentrums Biel

    Philippe Plodeck, bisheriger Finanzchef und stellvertretender CEO übernimmt per März 2026 definitiv die operative Leitung des Spitalzentrums Biel. Er folgt auf Kristian Schneider, der zum BAG gewechselt hat.

    image

    Kanton Zürich fördert acht Pflege-Ausbildungsprojekte

    Gefördert werden unter anderem ein Spitex-Ausbildungsverbund, ein neues Pädiatrie-Lernformat und kooperative Lernmodelle auf Station.

    Vom gleichen Autor

    image

    USZ macht interimistische Leitung der MKG-Klinik definitiv

    Der bisher interimistische Leiter Harald Essig übernimmt definitiv die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Zürich.

    image

    Sexuelle Belästigung im Spital: «Die grösste Hürde ist die Angst»

    Fast ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte erleben Übergriffe am Arbeitsplatz. Warum viele Betroffene trotzdem schweigen, wo Institutionen versagen und was sich strukturell ändern muss, erklärt Claudia Stam im Interview.

    image

    Erste Brandverletzte aus dem Ausland in Schweizer Reha

    Nach der Katastrophe von Crans-Montana werden erste Patienten aus ausländischen Spezialkliniken in Schweizer Rehabilitationszentren verlegt; die Reha-Kapazitäten werden ausgebaut.