Gesponsert

Das Spital im eigenen Haus

Spital zuhause (Hospitalisation à domicile - HàD) entlastet Spitäler bei chronischen Leiden. Das Angebot des Réseau de l'Arc ergänzt seit November 2023 das VIVA-Modell und bringt die medizinische Versorgung direkt zu den Patienten nach Hause.

, 17. Februar 2026 um 23:00
image

Interview mit Anne Vauthier, Leiterin der häuslichen Krankenpflege, Réseau de l’Arc

Das «Hospital at home» ist noch wenig bekannt. Worum handelt es sich dabei genau?
Das «Hospital at home» (in Deutsch: häusliche Krankenpflege) besteht darin, dem Patienten zu Hause eine Versorgung anzubieten, die derjenigen im Spital entspricht und denselben Qualitäts- und Sicherheitsstandards unterliegt. Es handelt sich nicht um klassische häusliche Pflege, sondern um eine strukturierte Alternative zum stationären Spitalaufenthalt für ausgewählte Patienten, insbesondere in akuten Phasen bestimmter Erkrankungen.
Konkret wird der Patient während der akuten Phase seiner Erkrankung von einem Team aus spezialisierten Pflegekräften, einem Assistenzarzt und einem Apotheker unter der Verantwortung eines Referenzarztes des Hôpital de Moutier oder Saint-Imier betreut.
Wir arbeiten auch in einem multidisziplinären Team mit Therapeuten (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden) und Ernährungsberatern zusammen.
Seit etwas mehr als einem Jahr bieten wir auch Rehabilitation zu Hause an. Daher arbeiten wir aktiv mit den häuslichen Pflegediensten zusammen, um die tägliche Grundversorgung der Patienten sowie eine wöchentliche Überwachung ihres Gesundheitszustands sicherzustellen.
Das Hospital at home-Team sorgt für den reibungslosen Ablauf der Therapien, die den Patienten verabreicht werden. Es fungiert als Dirigent für die Koordination aller Teams, die sich um den Patienten kümmern.
Welche Patienten können davon profitieren?
Das Programm richtet sich an erwachsene Patienten mit akuten Erkrankungen oder Dekompensationen chronischer Krankheiten wie Herzinsuffizienz, COPD oder instabilem Diabetes, die zuvor im Spital untersucht wurden. Die Eignung hängt auch von der Fähigkeit des Patienten ab, allein oder mit Hilfe seiner Angehörigen an der Nachsorge teilzunehmen, sowie von einem häuslichen Umfeld, das mit einer sicheren häuslichen Krankenpflege vereinbar ist.
Zusammenfassend handelt es sich um klinisch stabile Patienten mit einem konkreten Therapieplan.
Wir arbeiten auch mit dem ambulanten Pflegedienst zusammen, der den Patienten bereits betreut hat, oder integrieren diesen, wenn er zu Beginn noch nicht vorhanden war.
Was ist der Zusammenhang zwischen Hospital at home und integrierter Versorgung?
Das Hospital at home ist ein wesentliches Glied in der Kette der integrierten Versorgung. Sie basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen den Spitalteams, den Hausärzten, den Gesundheitskoordinatoren von VIVA und den Pflegeteams. Diese Kontinuität ermöglicht es, Unterbrechungen im Pflegeverlauf zu vermeiden, Spitalaufenthalte zu verkürzen und in bestimmten Fällen erneute Spitalaufenthalte zu verhindern.
Da wir auch Patienten aus ambulanten Diensten (Notaufnahme, Hausarzt, medizinischen Zentren) integrieren, können Spitalaufenthalte vermieden werden, wenn der Gesundheitszustand des Patienten dies zulässt.
Der Gesundheitskoordinator scheint in diesem Modell eine zentrale Rolle zu spielen.
Auf jeden Fall. Die Gesundheitskoordinatoren sind das Herzstück des Systems. Sie spielen eine zentrale Rolle als Bindeglied zwischen dem Patienten, seinem Hausarzt und dem Hospital at home, wenn ein Gesundheitsproblem festgestellt wird und die Einführung einer häuslichen Krankenpflege notwendig erscheint.
Während der Betreuung von VIVA-Patienten im Hospital at home gibt es keine direkte Intervention seitens der Gesundheitskoordinatoren. Das Pflegepersonal des Hospital at home führt diese medizinischen Massnahmen durch. Sie führen Hausbesuche durch und koordinieren die Pflege. Nach Abschluss unserer Massnahmen übernehmen die Gesundheitskoordinatoren wieder die Verantwortung für die Patientenakte und insbesondere die Nachsorge durch den Hausarzt.
Wie wird die Sicherheit der Patienten ausserhalb des Spitals gewährleistet?
Sicherheit hat oberste Priorität. Die Patienten und ihre Angehörigen werden aktiv in die Nachsorge einbezogen, aber medizinische Entscheidungen und technische Massnahmen bleiben in der Zuständigkeit der Fachkräfte. Über eine spezielle Hotline ist das Team rund um die Uhr erreichbar, und bei Bedarf kann sofort eine erneute Einweisung ins Spital beschlossen werden. Bislang sind die Rückmeldungen sowohl aus klinischer Sicht als auch hinsichtlich der Patientenzufriedenheit sehr positiv.
Die für Hospital at home in Frage kommenden Patienten wurden von den Hospital at home-Pflegekräften nach medizinischer Bestätigung durch einen leitenden Arzt sorgfältig ausgewählt.
Bei der Rückkehr nach Hause findet ebenfalls eine Beurteilung statt, um die Bedürfnisse des Patienten neu zu bewerten.
Die Pflegekräfte sind in der strukturierten klinischen Untersuchung geschult, um tägliche Kontrollen des Gesundheitszustands des Patienten sicherzustellen. Ebenso findet täglich eine telefonische Nachuntersuchung durch einen Arzt statt, sowie wöchentliche Hausbesuche durch den Assistenzarzt des Hospital at home.
Welche Vorteile sehen Sie für die Patienten?
Die Patienten erholen sich oft schneller, können besser mit den Schmerzen umgehen und schätzen es, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben. Für viele bedeutet dies einen erheblichen Gewinn an Komfort, Unabhängigkeit und Lebensqualität. Diese Faktoren spielen auch eine wichtige Rolle für die Einhaltung der Behandlung.
Wir stellen fest, dass der Patient zu Hause ein aktiver Partner bei der Behandlung seiner Krankheit ist. Er wird wieder Akteur seiner eigenen Gesundheit.
Patienten, die von einer Rehabilitation zu Hause profitieren, können so in ihrer gewohnten und sicheren Umgebung bleiben und ihre alltäglichen Aktivitäten wieder aufnehmen.
Und für das Gesundheitssystem?
Die häusliche Krankenpflege trägt zu einer effizienteren Nutzung der Spitalressourcen bei, indem Betten für Situationen reserviert werden, in denen sie wirklich benötigt werden. Sie folgt dem Grundsatz «die richtige Pflege zur richtigen Zeit am richtigen Ort», der im Mittelpunkt des VIVA-Modells steht.
Wie sehen die Entwicklungsperspektiven aus?
Die ermutigenden Ergebnisse veranlassen uns, die Zahl der Patienten und Indikationen schrittweise zu erhöhen. Technologische Entwicklungen, insbesondere die Fernüberwachung und Datenanalyse, werden weitere neue Möglichkeiten eröffnen. Das Hospital at home ist kein einmaliges Projekt, sondern ein nachhaltiger Bestandteil der integrierten Versorgung von morgen.
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

In Muri entsteht ein neues Gesundheitszentrum

In Muri baut die Espace Health Gruppe ihr Angebot weiter aus: Zur Hausarztpraxis ist eine Dorfapotheke hinzugekommen, weitere medizinische Dienstleistungen sind geplant.

image

Nach drittem Anlauf: Gemeinden sagen Ja zum Spital Oberengadin

Das Spital Oberengadin kann weitergeführt werden, doch die Rettung geht mit Einschnitten einher: 48 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

image

Interoperabilität für ein zukunftsfähiges Spital

Viele Spitäler digitalisieren, aber noch zu wenig systemisch. Insellösungen bremsen Prozesse und belasten den Alltag. Interoperabilität schafft die Grundlage für durchgängige Abläufe, regulatorische Sicherheit und Innovation. Ohne sie entfalten Telemedizin und KI ihren Nutzen nicht nachhaltig.

image

SGO: Michel Conti tritt als Chefarzt Chirurgie zurück

Der langjährige Chefarzt Michel Conti verlässt das Spital Oberengadin Ende Februar im Rahmen der bevorstehenden Neuorganisation.

image

Kantonsspital Baden: «So viele Patienten wie noch nie»

Das KSB hat im Geschäftsjahr 2025 mehr Patienten behandelt als im Vorjahr, trotz Einschränkungen durch den Umzug in den Neubau.

image

Nord vaudois: Das Spital von Yverdon bleibt in Yverdon

Das Spital der «eHnv der Zukunft» wird in Yverdon-les-Bains gebaut. Es wird Operationssäle, technische Abteilungen, Akutpflege und Rehabilitation an einem einzigen Standort vereinen. Eine Premiere im Kanton Waadt.

Vom gleichen Autor

image

Integrierte Versorgung im Alltag: Ein Hausarzt zieht Bilanz

Die Hausarztmedizin steht unter Druck. VIVA vom Swiss Medical Network soll Ärzte entlasten und die Versorgungsqualität durch integrierte Zusammenarbeit steigern. Dr. Azarnoush berichtet, wie sich das Modell in der Praxis bewährt.

image

«Wir müssen die Fehlanreize endlich überwinden»

Interview mit Prof. Dr. med. Christoph A. Meier, Chief Medical Officer von VIVA Health Suisse