Gibt es eigentlich «Nie-Covid»-Menschen?

Es könnte sein, dass es Personen gibt, die noch nie an Covid erkrankt sind. Allerdings lässt es sich nicht belegen – noch nicht.

, 27. Dezember 2022, 09:12
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Die Schweiz hat die Covid-Infektionen derzeit im Griff: Die Zahlen der Spitaleinweisungen und der Todesfälle stagnieren oder nehmen nur leicht zu. Trotzdem flammen immer wieder irgendwo neue Infektionsherde auf, breitet sich das Virus in einer Familie, an einem Arbeitsort oder nach einem Fest wieder aus. Da stellt sich die Frage: Gibt es eigentlich überhaupt noch so genannte «Nie-Covider», das heisst Personen, die sich tatsächlich noch nie mit Sars-Cov-2 infiziert haben?

Forscher suchten das Covid-Immun-Gen

Ja, es gibt sie. Einige Menschen haben sich noch nie mit Covid infiziert, weder in dieser Saison noch jemals zuvor. Und was besonders auffällig ist: es sind auch solche Menschen darunter, die offenbar nicht speziell vorsichtig waren oder einfach bisher Glück hatten.
Nach Ansicht vieler Wissenschaftler gibt es Menschen, die von Natur aus immun gegen Covid sind. Deren Gene könnten Anhaltspunkte für eine Behandlung liefern.

Mutierter ACE2-Rezeptor

Derzeit verfolgen die Forscher folgende Theorie: «Nie-Covider» haben vermutlich eine seltene Genmutation. Das Covid-Virus dringt normalerweise in Wirtszellen ein, indem es das Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2) bindet.
Es gibt Menschen, welche einen mutierten ACE2-Rezeptor haben und das Virus nicht in deren Zellen eindringen kann. Sie erkranken deshalb auch nicht.

Auch schwer Kranke haben spezielle Gene

Die Genetik spielt übrigens auch eine Rolle dabei, wie schwer Menschen erkranken. Manche Menschen haben Mutationen im angeborenen Immunsystem, an welchen sich ein höheres Risiko für eine schwere Covid-Erkrankung ablesen lässt.
Eine Studie in der Wissenschafts-Zeitschrift «Nature Immunology» geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der kritischen Covid-19-Fälle auf angeborene Fehler zurückzuführen seien.

Viele unbemerkt doch krank

Bei der Suche nach den echten «Nie-Covidern» ist es ein Problem für die Forscher, dass viele Menschen nur vermeintlich gegen das Virus resistent sind. Es gibt viele Personen, die davon überzeugt sind, sich noch nie angesteckt zu haben und glauben immun zu sein. Doch die meisten von ihnen waren trotzdem unbemerkt einmal krank oder konnten bisher einfach immer erfolgreich den Virusvarianten ausweichen.
Die Forscher gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Menschen, die völlig immun sind gegen das Virus, sehr gering ist. Um so mehr möchten sie diese Personen finden, welche aufgrund ihrer Gene von Natur aus resistent gegen Covid sind.

Drei «Nie-Covid»-Erfahrungen

Die «New York Times» fragte ihre Leser, wie sie ihrer Meinung nach Covid bisher vermieden haben. Hier sind drei von über 10’000 eingegangenen Antworten.
«Gesunde Konstitution. Hatte schon vor der Pandemie selten Erkältungen oder Grippe, plus frühe Vorsichtsmassnahmen, Maskierung, Impfungen, Arbeit von zu Hause aus und Glück. Zweieinhalb Jahre lang kein einziger Schnupfen, also haben wir unsere Masken aufgegeben, essen drinnen, treffen uns regelmässig und feiern.» - Katherine Fife, Davis, Kalifornien

«Ich glaube, weder mein Mann noch ich haben uns mit Covid angesteckt, was vor allem an unserem Glück liegt. Wir haben keine Kinder. Wir haben einen kleinen, engen Freundeskreis, der die gleichen Ansichten darüber hat, wie man am besten mit der Pandemie umgeht. Wir hatten auch den Vorteil, dass wir zu Beginn der Pandemie in Wyoming lebten, einem Ort, der nicht so dicht besiedelt ist. Inzwischen sind wir nach Okinawa, Japan, umgezogen und in eine Kultur eingebettet, die der öffentlichen Gesundheit und dem Wohlergehen des Einzelnen Vorrang einräumt. Das Tragen von Masken ist hier normal und macht es uns leichter, die Gewohnheiten beizubehalten, die uns in den letzten fast drei Jahren sicher und gesund gehalten haben.» - Jillian, Okinawa, Japan

«Da ich immungeschwächt bin, wusste ich, dass ich alles tun musste, um mich nicht anzustecken. Im ersten Jahr der Pandemie lebte ich fast ausschließlich in Quarantäne. Von da an arbeitete ich immer mit einer FFP2-Maske, fuhr nie mit dem Bus oder der Bahn, war nie ohne Maske im Supermarkt und mied Orte mit hohem Infektionsrisiko. Ich habe alle Impfungen. Auch heute trage ich in öffentlichen Einrichtungen immer eine Maske. Die Menschen in meinem Umfeld versuchten, mich zu schützen, und testeten sich immer, bevor sie mich besuchten. Dafür bin ich sehr dankbar.» - Julia Litschke, Essen, Deutschland

 

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