Schweizer Forscher: Durchbruch bei Krebs-Früherkennung

Ein Team des Paul Scherrer Instituts meldet, dass es mittels Bluttest frühzeitig drei Krebsarten erkennen konnte.

, 14. Dezember 2023 um 13:04
image
G.V. Shivanshankar, Leiter Mechano-Genomik am PSI und Professor an der ETH Zürich  |  Bild: Paul Scherrer Institut/Markus Fischer
Jährlich erkranken in der Schweiz rund 45'000 Menschen neu an Krebs. Dabei ist eine frühzeitige Diagnose bei vielen Krebsarten entscheidend für den Behandlungserfolg.
Und genau hier könnte Forschenden des Paul Scherrer Instituts nun der Durchbruch gelungen sein. Sie haben einen Bluttest entwickelt, der gesunde von kranken Menschen mit einer Genauigkeit von rund 85 Prozent unterscheiden kann, wie das Forschungsinstitut am Donnerstag mitteilte.
Mit ihrer neuen Technik konnten sie anhand von Blutproben feststellen, ob eine Krebserkrankung vorliegt. Zudem gelang es ihnen, die Art der Tumorerkrankung – Melanom, Gliom oder Kopf-Hals-Tumor – korrekt zu bestimmen. Die Idee dabei: Veränderungen in der Organisation des Zellkerns mancher Blutzellen geben einen sicheren Hinweis auf einen Tumor im Körper – und diese Veränderungen respektive die Muster dahinter können mit KI besser durchschaut werden.
«Das ist das erste Mal weltweit, dass dies jemand geschafft hat», sagte Forschungsgruppenleiter G. V. Shivashankar laut der Mitteilung. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «npj Precision Oncology» veröffentlicht.
Laut den Forschenden ist das neue Verfahren in Zukunft nicht nur auf die untersuchten Tumore anwendbar, sondern auf zahlreiche andere Krebsarten.
Bis dieses Verfahren in der klinischen Praxis zugelassen werden, bleibe aber noch viel Arbeit, teilte das PSI mit. So brauche es Studien mit einer grösseren Zahl von Teilnehmenden. Dass es aber in der Praxis zur Anwendung kommt, bezweifelt Shivashankar nicht: «Die Methode steht», sagte er.

Künstliche Intelligenz

Konkret konnten die Forschenden belegen, dass Veränderungen in der Organisation des Zellkerns gewisser Blutzellen einen Hinweis auf einen Tumor im Körper liefern. Sie untersuchten dafür das sogenannte Chromatin, die zu einer Art Knäuel verpackte DNA, im Zellkern der Blutzellen mit einem Fluoreszenz-Mikroskop. Diese Mikroskop-Bilder fütterten sie einer Künstlichen Intelligenz (KI), die lernte, darin Muster zu erkennen.

  • Kiran Challa, Daniel Paysan, Dominic Leiser, Nadia Sauder, Damien Weber and G.V. Shivashankar: «Imaging and AI based chromatin biomarkers for cancer diagnosis and therapy evaluation from liquid biopsies», in: «npj Precision Oncology», Dezember 2023.
  • doi: 10.1038/s41698-023-00484-8

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Internationaler Forscherpreis für Franco Cavalli

Der Tessiner Krebsforscher bekommt den «Award for Lifetime Achievement» von der US-Krebsforschungsgesellschaft.

image
Der Ticker

Schritte und Fortschritte im Gesundheitswesen

Spital Grabs: Knieersatz mit Roboter ++ USA: Abnehmspritze für Herz-Kreislauf-Risiken ++ Reha Tschugg mit neuer Privatstation ++ Reha Bellikon eröffnet Neubau ++ Neues Brustzentrum im Bernbiet ++ So sieht das neue Spital fürs Tessin aus ++

image

Neue CEO für die Krebsliga Schweiz

Mirjam Weber wird im September die Nachfolge von Daniela de la Cruz antreten.

image

Krebspatienten: Zufrieden mit Ärzten und Pflege im Spital

Gewünscht wird mehr psychologische Unterstützung und eine Enttabuisierung von Krebs.

image

«Hört auf mit dem Begriff ‚Long Covid‘»

Natürlich gibt es das Syndrom. Aber laut einer neuen Studie unterscheidet es sich nicht von anderen postviralen Leiden.

image

Schweiz: Spitzenreiterin bei Patentanmeldungen

Die Medizintechnik reichte die meisten Gesuche ein. Der Pharmakonzern Roche liegt mit 754 Patentanmeldungen schweizweit auf Platz eins.

Vom gleichen Autor

image

KSSG: Mitarbeitende sprechen von Pflegeexodus

Das Pflegepersonal äussert öffentlich Kritik, meldet schwierige Arbeitsbedingungen und hohe Fluktuation. Der SBK zeigt sich besorgt – das KSSG beschwichtigt.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Kardiologie-Leiter

Zugleich wird Dominik Zumstein auch stellvertretender Chefarzt.

image

Bürgerspital Solothurn: Gerichtliche Einigung mit Direktorin

Die Kündigung war für Karin Bögli nicht nachvollziehbar. Nun einigte sie sich mit der SoH auf eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses.