Zürcher schauen neidisch auf Berner Spitäler

Das Corona-Massnahmenpaket der Zürcher Regierung sorgt für Zündstoff. Die 305 Millionen Franken genügen den Zürcher Spitälern nicht.

, 8. Juni 2020 um 08:59
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Der Kanton Zürich will seine Spitäler mit 305 Millionen Franken unterstützen: So beteiligt er sich an den Corona-Ertragsausfällen bei stationären Behandlungen (Medinside hat berichtet). Der Kanton leistet aber auch Beiträge an die Zusatzkosten zur Pandemie-Vorbereitung. Zudem sollen für die Liquidität rückzahlbare Darlehen oder Bürgschaften gewährt werden. Von den insgesamt 305 Millionen Franken müssen die Häuser 135 Millionen Franken nicht zurückzahlen. Der Rest von 170 Millionen Franken soll in Form von Darlehen erfolgen. Der Kanton schätzt die Mindereinnahmen in der Grössenordnung auf rund 380 Millionen Franken - im stationären und ambulanten Bereich.
Der Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) ist von dieser Vorlage «sehr» enttäuscht, wie er in einer Stellungnahme schreibt. Der Zürcher Regierungsrat lasse die Spitäler auf einem Finanzloch von 258 Millionen Franken sitzen, steht dort zu lesen. Er nehme somit seine Verantwortung nicht wahr, gefährde die Gesundheitsversorgung und verpasse es, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Kurz: «Der Kanton Zürich lässt Spitäler im Regen stehen», schreibt der VZK.

Kanton übt Druck auf Bund und Krankenkassen aus

Der Diskussionspunkt: die Ausfälle im ambulanten Bereich und der Anteil der Krankenversicherer im stationären Bereich. Denn der Kanton übernimmt nur die von ihm aufgrund seiner tariflichen Finanzierungspflicht zu tragenden Kosten. Andere Kantone seien durchaus zu mehr bereit, kritisiert der VZK. Der Verband, der 31 Spitäler und rund 34'800 Mitarbeitende vertritt, verweist dabei auf den Kanton Bern, der die gesamten Ertragsausfälle aus der stationären und ambulanten Versorgung kompensiere. Zudem sei unklar, wie die Spitäler mit ihren knappen finanziellen Mitteln, die 170 Millionen Darlehen zurückzahlen sollen.
Der Kanton Zürich hält allerdings auch ausdrücklich fest: In seinem Massnahmenpaket seien die Beteiligungen seitens des Bundes nicht berücksichtigt. Denn die Eidgenossenschaft stehe auf Grund seiner Rolle in der Pandemiebekämpfung und insbesondere durch das Verbot medizinisch nicht dringlicher Eingriffe und Therapien in der Verantwortung. «Es besteht seitens des Kantons Zürich die klare Erwartung, dass der Bund und die Krankenkassen in substanziellem Ausmass mithelfen, die finanziellen Folgen der Pandemie für die Spitäler zu bewältigen.»
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