Zika-Virus erfasst die Schweiz

Der von der Stechmücke übertragene Erreger breitet sich aus. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind zwei Fälle von Reiserückkehrern bekannt, die sich infiziert haben.

, 26. Januar 2016, 13:30
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Die Personen sind aus Haiti und Kolumbien zurückgekehrt. Laut der Nachrichtenagentur SDA reiste die Person aus Haiti im Januar wieder in die Schweiz ein, diejenige aus Kolumbien bereits Ende November des letzten Jahres. Die beiden Fälle sind durch ein Labor bestätigt worden. Eine Reiseempfehlung will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einstweilen nicht aussprechen. 

Erreger für Missbildungen bei Neugeborenen verantwortlich


Die Steckmücke der Spezies «Aedes Aegypti» überträgt nicht nur Dengue-Fieber oder Gelbfieber, sondern auch das Zika-Virus. Experten hielten dieses bislang für harmlos. Es könnte aber sein, dass es durch Mutation gefährlicher geworden ist. 
Normalerweise ist das Virus nicht tödlich und führt bei rund 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen. 
Nun zeigt ich allerdings, dass der Erreger wahrscheinlich für Schädelmissbildungen bei Neugeborenen verantwortlich ist, die in letzter Zeit vor allem im Nordosten Brasiliens vermehrt aufgetreten sind. Die Kinder werden mit einem ungewöhnlich kleinen Kopf und der Diagnose Mikrozephalie geboren, was zu Hirnfehlbildungen führen kann. 

Schwangere sollen nicht in Risikogebiete reisen

Nachdem die US-Behörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Schwangeren von Reisen in Gegenden abgeraten hatte, in denen das Zika-Virus auftritt, hat am Dienstsag auch die World Health Organization (WHO) Alarm geschlagen. 
Am Executive Board Meeting in Genf am 25. Januar 2016 warnte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan vor einer Ausbreitung. Die Warnungen betreffen inzwischen 22 Länder und Regionen. Ausser in Kanada und Chile, wo das Virus wegen klimatischer Bedingungen noch nicht aufgetreten ist, dürfte sich der Erreger gemäss Chan auf dem ganzen amerikanischen Kontinent durchsetzen. 
Obschon der Zusammenhang zwischen einer Zika-Infektion und Mikrozephalie nicht bewiesen ist, beobachte sie die jüngsten Umstände mit grosser Sorge, so Chan. Dies umso mehr, als in einigen Länder auch neurologische Symptome nach der Infektion aufgetreten seien. 

Mangel an Immunität

In Brasilien wurden gemäss WHO 3'893 Verdachtsfälle von Mikrozephalie registriert, 30 mal mehr als in jedem Jahr seit 2010. Die rasche Verbreitung rührt daher, dass die Bevölkerung noch nicht mit dem Erreger in Berührung gekommen ist und darum nicht immun ist. Ausserdem gibt es offenbar sehr viele Moskitos, die den Erreger in sich tragen. 
Die WHO berichtet von einem Fall, bei dem das Virus möglicherweise bei einem sexuellen Kontakt übertragen worden ist. Einen Beweis, dass der Erreger von der Muttermilch auf das Baby übertritt, gibt es nicht.

Lange Ärmel, lange Hosen

Schwangere Frauen, die eine Reise in die Risikoregionen planen, sollen sich gemäss WHO-Empfehlung vor und nach der Reise an einen Arzt wenden. Die Gesundheitsbehörde empfiehlt:

  • So viel Haut wie möglich bedecken (Lange Ärmel, Hosen, Kopfbedeckung).
  • Helle Farben tragen.
  • Unter einem Moskitonetz schlafen.

Das grösste Risiko besteht im ersten Drittel der Schwangerschaft. Es gibt derzeit weder eine Impfung noch spezifische Arzneien zur Behandlung der Infektion. 
(Bild: Moskito Aedes Aegypti / Flickr CC)
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