Wo die FMH die grössten Herausforderungen der nächsten Jahre sieht

Der Zentralvorstand hat die berufspolitische Strategie bis 2020 präsentiert. Er zeigt darin auch auf, wo er die heftigsten Schwierigkeiten für die Ärzteschaft erwartet.

, 31. Oktober 2016, 07:17
image
  • fmh
  • ärzte
An der Ärztekammer präsentierte der Zentralvorstand der FMH letzte Woche die Strategie für die Jahre bis 2020. Wichtige Punkte darin: Die Berufspolitik soll sich weiter auf die Tarifautonomie im ambulanten Bereich konzentrieren, auf auf einen partnerschaftlichen Dialog mit den Gesundheitsakteuren, ferner auf die langfristige Sicherstellung der medizinischen Versorgung – für alle zugänglich und hochstehend.
Für Aussenstehende interessant erscheint im neuen Strategiepaket der Grundlagenpunkt: «Herausforderungen». Wo sichtet die FMH – respektive deren Zentralvorstand – die drängendsten Probleme für die kommenden Jahre?
Die Liste lässt ahnen, dass insbesondere die Querelen und Blockaden bei der Tarmed-Revision ihre Spuren hinterlassen haben. Denn die offenbar als bedroht empfundene Tarifautonomie bildet Herausforderung Nummer eins – auf Rang 2 gefolgt vom Zusammenhalt des Verbandes (der ja gerade in der Debatte um die neuen Tarifstrukturen sehr belastet wurde).
FMH Strategie 2017—2020: Die Herausforderungen
  • 1. Tarifautonomie
  • 2. Zusammenhalt des Verbandes und damit die Fähigkeit, nach aussen geschlossen aufzutreten und Einfluss zu nehmen
  • 3. Wirksame Interessensvertretung
  • 4. eHealth
  • 5. Qualität
  • 6. Kosten-/nutzenadäquate Medizin
  • 7. Zulassungssteuerung
  • 8. Gestaltung und Attraktivität der Berufsausübung in der Zukunft
Als Hauptziele, daraus abgeleitet, nennt die Strategie der FMH eine proaktive Gesundheitspolitik sowie die Sicherstellung der medizinische Versorgung durch adäquate und attraktive Rahmenbedingungen des Arztberufes. Eine «angemessene und sachgerechte Entschädigung der ärztlichen Leistungen» sei ein Teil dieser Rahmenbedingungen, für die sich der Verband einsetzen wird. 
«Strategie - unsere Orientierung»: Die Unterlagen der FMH zur Strategie 2017-2010 — Zur Medienmitteilung.
Einen weiteren Hauptpunkt bildet die Qualitätsarbeit in der medizinischen Versorgung: Sie soll ausgebaut und weiterentwickelt werden.
Ein strategisches Ziel ist es ferner, IT-Lösungen im beruflichen Umfeld von Ärzten und nützliche ePlattformen für Patienten mitzugestalten und zu fördern.
Im Spitalbereich will sich die FMH vor allem für eine integrierte Finanzierung ohne Fehlanreize einsetzen.
Als weiteres Ziel evaluiert und fördert der Verband neue Versorgungsmodelle, auch im Hinblick auf die sich wandelnden Patientenbedürfnisse. Und er will für geeignete Berufsbedingungen für Ärzte sowie medizinische Praxisassistentinnen sorgen.
Schliesslich will die FMH einen Beitrag zu Public Health auf nationaler Ebene sowie innerhalb der Ärzteschaft leisten.

57 Ärzteorganisationen unterzeichnen Qualitäts-Charta

Um die der medizinischen Behandlung in der Schweiz explizit auszuweisen, auch zur Sicherung und Förderung der Prozesse und Strukturen, erarbeiteten diverse Instanzen in den letzten zwei Jahren eine Qualitäts-Charta; konkret lag die Arbeit bei der SAQM der FMH, also der Schweizerischen Akademie für Qualität in der Medizin, sowie den Qualitätsdelegierten der Ärzteorganisationen.
Im Rahmen der Ärztekammer unterzeichneten nun letzte Woche 57 Ärzteorganisationen die Charta. Damit bekennen sich die Organisationen zu gemeinsamen Grundprinzipien in den Bereichen Transparenz, Verbindlichkeit, Nachhaltigkeit, Kompetenzen und Ressourcen.
Die Qualitäts-Charta stellt einerseits eine Willensbekundung zur Kooperation sowie Vernetzung in Qualitätsfragen in der Schweiz dar, andererseits ist sie auch eine Wegbereiterin für gemeinsame Forderungen gegenüber Politik, Verwaltung und weiteren Gesundheitsorganisationen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Covid: «Impfopfer» reichen Strafanzeige gegen Swissmedic und Ärzte ein

Update: Ein Zürcher Anwalt geht im Namen von sechs vermutlich durch mRNA-Impfungen geschädigte Personen gegen Swissmedic und Ärzte vor. Swissmedic nimmt gegenüber Medinside Stellung.

image

«Keine unserer 34 Ärztinnen und Ärzte arbeiten 100 Prozent»

«Die jungen Ärztinnen und Ärzte wollen nicht mehr das finanzielle Risiko und die unternehmerische Verantwortung übernehmen.» Das sagt Axel Rowedder. Er hat Medix Toujours an Medbase verkauft.

image

Treibt der verurteilte Mein-Arzt-Chef sein Unwesen wieder in der Schweiz?

Christian Neuschitzer wurde wegen Corona-Kredit-Betrugs verurteilt und des Landes verwiesen. Nun soll er im Dunklen die Fäden bei einem Schweizer Praxis-Netzwerk ziehen.

image

Oft wird die Überwachung des Bluteiweisses im Urin versäumt

Eine neue Studie der Universität Zürich (UZH) zeigt: Bei der Vorsorge und Behandlung von Nierenerkrankten in der Schweiz bestehen Schwachstellen.

image

Arbeitsbedingungen für Ärzte im Tessin werden verbessert

Per 2025 wird die Wochenarbeitszeit für die Assistenz- und Oberärzteschaft in den öffentlichen Spitälern im Kanton Tessin reduziert.

image

Youtube bringt Label für verlässliche Gesundheitsinfos

Die Video-Plattform will evidenzbasierte Gesundheits-Informationen rasch und einfach zugänglich machen. Alle Anbieter müssen deshalb einen Zertifizierungs-Prozess durchlaufen.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.