Wie stark rumort es wirklich im Spitalverbund?

Keine Wertschätzung, Kündigungen, Klagen: Im Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (SVAR) hängt offenbar der Haussegen schiefer denn je.

, 4. Februar 2020, 06:29
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Die Rede ist von einem Klima der Angst: Einschüchterung, fehlende Wertschätzung, Misstrauen. Dies berichten ehemalige oder aktuelle Mitarbeitende des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden (SVAR) derzeit gegenüber Medinside. Erst vor kurzem haben sich auch 20 Pflegepersonen vom Spital Herisau in einem Leserbrief in der «Appenzeller Zeitung» an die Öffentlichkeit gewandt. Kritisiert wird dabei unter anderem die interne Kommunikation.
Bei Stellenantritt der neuen Chefin Paola Giuliani im Juni 2017 sei die interne Kommunikation ein zentrales Thema gewesen, steht dort zu lesen. Aber: «Wir behaupten, dass die momentane Verunsicherung infolge intransparenter Kommunikation grösser denn je ist», kritisieren die Pflegeleute.

SVAR betreibt Anlaufstelle für Mitarbeitende

Solche Vorwürfe lassen sich natürlich immer schwierig beweisen. Für beide Seiten. Und dass nicht alle Mitarbeitenden mit tiefgreifenden Veränderungen in Unternehmen zufrieden sind, ist ja auch nichts Aussergewöhnliches in der Arbeitswelt. 
Der Spitalverbund verfügt über eine interne und externe Anlaufstelle im Personalbüro sowie bei einer Firma, an welche sich Betroffene jederzeit mit konkreten Anliegen wenden können, wie es auf Anfrage heisst. Und die Wertschätzung hänge auch von unterschiedlichen Erwartungen der Mitarbeitenden und unterschiedlichen Führungsstilen des Kaders ab, welche sich im Rahmen der Unternehmenskultur bewegen.

Leiter Rettungsdienst freigestellt

Die Fluktuation sei allerdings hoch, beklagen die Mitarbeitenden weiter. Reihenweise sollen Angestellte kündigen. Gleichzeitig. Auch im Zusammenhang mit der «abrupten Zusammenlegung» der Chirurgie mit der Medizin im vergangenen Herbst. Mehrere Kaderleute hätten den SVAR verlassen - oder seien krankgeschrieben. Jüngstes Beispiel: Der Spitalverbund hat sich von der Pflegedienstleiterin Andrea Stevan getrennt. Kein Ausdruck des Bedauerns, kein Dank. 
Dem Vernehmen nach ist auch der Leiter Rettungsdienst seit Ende Oktober nicht mehr beim SVAR tätig. Er wurde freigestellt. Inzwischen habe er gekündigt. Urs Rimle gilt als auftragstreu. Offenbar ist der Konflikt im Zusammenhang mit fehlenden Ressourcen und kritischen Personalengpässen im Rettungsdienst zu verorten. Oder steckt vielleicht mehr dahinter?

Wie steht es um die Fluktuation

Konkrete und aktuelle Zahlen zur Fluktuation nennt das SVAR gegenüber Medinside keine. Gegenüber den Vorjahren stelle man aber keine signifikante Veränderung fest, gegenüber dem Vorjahr habe sich der Wert leicht verbessert. In diesem Kontext ist zu erwähnen: Der Spitalverbund hatte mit seinen rund 1 000 Mitarbeitenden in der Vergangenheit mit strukturellen Problemen und Defiziten zu kämpfen. Der eingeleitete Gesundungsprozess zeigte allerdings Wirkung, der Spardruck dürfte dennoch weiterhin gross sein.
Derzeit sollen dem Vernehmen nach auch juristische Auseinandersetzungen zwischen mehreren Mitarbeitenden und dem SVAR laufen. Unter anderem klagen Mitarbeitende des Rettungsdienstes über einen Anwalt des Berufsverbandes im Zusammenhang mit der Bezahlung von Arbeitsstunden. Einzelfall? Auch ein ehemaliger Kaderarzt hat rechtliche Schritte gegen den Spitalverbund eingeleitet. Aufgrund des Daten- und Persönlichkeitsschutzes kann der SVAR darüber keine Auskünfte erteilen. Allfällige personalrechtliche Differenzen würden grundsätzlich intern gelöst, heisst es.
Was sich die Pflegepersonen aus dem 5. OG wünschen
Was an den Vorwürfen der ehemaligen und aktuellen SVAR-Mitarbeitenden letzten Endes genau dran ist, lässt sich schwer belegen. Jedenfalls schauen Personalkommission, Politik und Verwaltungsrat nur zu, wie es aus dem Umfeld des Spitalverbunds weiter heisst. Und die 20 Pflegepersonen im Spital Herisau aus dem 5. OG wünschen sich nur eines: «Eine Zukunft am SVAR und eine qualitativ vertretbare Pflege zum Wohl der Patienten.»
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