Wie MPA das Hausärzteproblem entschärfen könnten

In der Schweiz werden jährlich 100 medizinische Praxisassistentinnen zu wenig ausgebildet. Das hat mehrere Gründe. Aber was ist die Lösung?

, 5. November 2015, 11:44
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Bei den medizinischen Praxisassistentinnen (MPA) könnte in der Schweiz schon bald ein Mangel entstehen – wie bei den Hausärzten. Offenbar verliert der einstige sehr beliebte Beruf an Attraktivität.
Immer weniger junge Frauen steigen in den Beruf ein. Nicht alle Lehrstellen sind besetzt. Das war früher anders. Die Nachfrage war immer grösser als das Angebot, sagen Experten. 

Diese Alternativen locken

Und von denjenigen, die die MPA-Lehre abschliessen, bleibe nur noch ein kleiner Teil in den Arztpraxen, erklärt etwa Helen Schalbetter dem Oberwalliser Newsportal «1815». Sie ist Leiterin der Berufsschule für die Praxisassistentinnen in Brig.
Immer mehr MPA wechseln nach der Lehre in ein anderes Berufsfeld: Studium, Spital oder zu einer Versicherung. Aber warum ist das so? Branchenexpertinnen wie Schalbetter orten folgende Gründe:

  1. Zu tiefer Lohn - trotz Verantwortung und Stress im Berufsalltag
  2. Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten
  3. Gute Alternativen dank hochstehender Ausbildung

Verband: Es muss etwas mit dem Lohn geschehen

Wie also kann man dem Mangel entgegensteuern? Für Bruno Gutknecht, Zentralsekretär des Berufsverbandes SVA in Bern, ist klar, dass etwas mit dem Lohn der MPA geschehen muss.
«Im ganzen Land werden jährlich 100 MPA zu wenig ausgebildet», sagt er dem Newsportal «1815». «Das liegt zum grossen Teil am niedrigen Lohn», so der Sekretär des Verbandes für Praxisassistentinnen. 

Ärzte könnte Aufgaben delegieren

Man sei derzeit dabei, mit der Ärztegesellschaft FMH einen Massnahmenkatalog zu erarbeiten, um dem Pro­blem entgegenwirken zu können.
«Die MPA könnten auch das Hausärzteproblem entschärfen, indem sie Aufgaben übernehmen, die bis anhin noch vom Arzt erledigt werden. Das würde die Ärzte entlasten. Bedingung ist aber, dass wir genug MPA haben und das wird nur der Fall sein, wenn wir anständige Löhne bezahlen.»
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