Wie der Kanton Neuenburg die freie Spitalwahl ausreizt

Die Regierung des Kantons Neuenburg hat den relevanten Tarif markant gesenkt. Das hat Folgen für die Neuenburger Patienten und die auswärtigen Spitäler.

, 7. März 2016, 10:27
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Der Kanton Neuenburg hat entschieden, bei auswärtigen Spitalbehandlungen ab 2016 markant weniger zu zahlen. Die Regierung hat den relevanten Tarif von 9'650 auf 9'050 Franken gesenkt.
Die Neuenburger begründen die Tarifsenkung mit dem Hôpital de la Providence, eine Swiss-Medical-Network-Klinik in Neuenburg mit 56 Betten, die mit 9'050 Franken arbeitet.

Keine freie Spitalwahl

Für Patienten hat das unan­genehme Folgen: Wählen sie für eine Behandlung ein auswärtiges Spital, müssen sie einen Teil der Kosten selber tragen.
So habe man sich die freie Spitalwahl im Bundeshaus nicht vorgestellt, kommentiert die «Berner Zeitung» diesen Schritt. Für das Blatt ist ausserdem pikant, dass nicht einmal das Hôpital Neuchâtelois zu einem derart tiefen Tarif arbeite. 

«Ein Buebetrickli»

Der Neuenburger Gesundheitsdirektor Laurent Kurth sieht laut dem Bericht darin keine Probleme. Der SP-Regierungsrat streitet insbesondere ab, dass Neuenburg die freie Spitalwahl unterlaufe. Vielmehr sei das Ziel die Begrenzung des Kostenwachstums.
Für Annamaria Müller, Leiterin des Spitalamts des Kantons Bern, ist das Vorgehen ein «unschönes, unfaires Buebetrickli». 
Und wie reagieren die auswärtigen Spitäler? Die Leitung des Spitalzentrums Biel etwa hält sich laut der Zeitung bedeckt: Man habe den Entscheid der Neuenburger zur Kenntnis genommen und prüfe nun die Konsequenzen.

HJB will Einbusse auf eigene Kappe nehmen

Anders sieht es beim Hôpital du Jura Bernois (HJB) aus: «Was die Neuenburger Regierung da beschlossen hat, ist einfach nur peinlich, plump und unfair», sagt VR-Präsident Pierre Alain Schnegg. Das HJB habe bereits Anwälte eingeschaltet.
«Wir spielen das Spiel der Neuenburger nicht mit», so Schnegg weiter. Sein Spital werde alle Neuenburger Patienten finanziell schadlos halten und ihnen den fehlenden Betrag nicht in Rechnung stellen, sondern die Einbusse auf die eigene Kappe nehmen.
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