Weshalb Recycling im Operationssaal die Zukunft ist

In den Operationssälen von Schweizer Spitälern wird recycelt – in den vergangenen Monaten wurden über 13'100 medizinische Einweginstrumente in den Ressourcenkreislauf zurückgeführt. Und das ist erst der Anfang.

, 23. Juli 2022, 08:03
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Mit dem Auto mehr als einmal um die halbe Welt – in fünf Schweizer Spitälern, darunter Kliniken der Hirslanden- und der Lindenhofgruppe, wurden von April 2021 – Juni 2022 über 4’374 kg CO2e Emissionen eingespart. Und das alleine mit dem Recyceln von medizinischen Einweginstrumenten. «Das Interesse und die Motivation der Spitäler sind riesig. Nachhaltigkeit ist derzeit überall ein zentrales Thema», sagt Manùela Arnold, Healthcare Sustainability Lead bei Johnson & Johnson MedTech. Schliesslich gehören die Spitäler zu den grösseren CO2-Verursachern der Schweiz, täglich verbrauchen sie so viel Energie wie eine Schweizer Kleinstadt.

Rohstoffe zurück in den Ressourcenkreislauf

Ziel des gemeinsamen Recycling-Projekts ist es, möglichst viele Grundstoffe aus medizinischen Einweginstrumenten zurückzugewinnen und in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen. 
Und eine erste Bilanz kann sich sehen lassen: Seit Start des Projekts wurden 13'145 medizinische Einweginstrumente gesammelt, was 1’446 Kilogramm Material entspricht. Davon konnten 405 kg Metall und 1’041 kg Kunststoff wiederverwertet werden.

Hohe Motivation der Mitarbeitenden

Auch wenn das Recyceln der Operationsinstrumente ein Umdenken aller erfordere, sei die Motivation der Mitarbeitenden hoch, sagt Arnold. «Wir bekommen ausschliesslich positive Rückmeldungen, im Sinne von: Es ist höchste Zeit!» Zugleich betont die Verantwortliche für Nachhaltigkeit aber auch, dass der Recyclingprozess zwar einfach ist, aber auch gewisse Herausforderungen birgt: «Unsere Einweg-Operationsinstrumente müssen neu in eine spezielle Recycling Box gelegt werden. Was einfach klingt, kann in der Hektik des Operationsgeschehens doch Stolpersteine mit sich bringen». Etwa, wenn versehentlich ein Skalpell in der Recycling Box landet, das für das Reinigungspersonal gefährlich werden könnte. Deshalb ist die Schulung der Mitarbeitenden vor Ort zentral. «Der Prozess ist per se nicht schwierig, aber er ist neu und es gibt Regeln und Abläufe, die eingehalten werden müssen», so Manùela Arnold. Und diese seien in jeder Klinik anders und müssten deshalb auch individuell angepasst werden. Für Transparenz sorgt eine App, mit welcher der Recyclingprozess begleitet und die erzielten Erfolge direkt mitverfolgt werden. Die eingesparte CO2-Menge wird in monatlichen Auswertungen berechnet, die Fortschritte können analysiert und so bei Bedarf verbessert werden.

Instrumente werden in bis zu 50 Einzelteile zerlegt

Und wie läuft der Recycling Prozess konkret ab? Die medizinischen Instrumente werden in einer speziellen Box gesammelt, mit dem bestehenden Transportkanal abgeholt, dekontaminiert und anschliessend von Hand in bis zu 50 Einzelteile zerlegt. Eine sorgfältige Arbeit ist dabei zentral, enthalten die Instrumente doch hochwertige Materialien wie medizinischen Stahl oder reinen Kunststoff. Indem alle J&J Einweginstrumente auf ihre «Recyclingtauglichkeit» analysiert werden, kann eine Recyclingquote von bis zu 100 Prozent erreicht werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass das Recycling in der Schweiz stattfindet und damit kurze Transportwege eingehalten werden.

Recycling im Operationssaal soll selbstverständlich werden

Dass sich Recycling in Schweizer Operationssälen langfristig durchsetzt und zur Selbstverständlichkeit wird, davon ist Manùela Arnold überzeugt: «Unser Ziel ist es,
einen nachhaltigen und messbaren Nutzen für die Patienten, die Leistungserbringung und das Gesundheitssystem zu generieren. Mit dem Recyclingprojekt sind wir auf dem richtigen Weg.»
Eine Vorreiterrolle eingenommen hat hier bereits die Hirslandengruppe: Nach einer dreimonatigen Testphase steht fest, dass sie das Recyclingprojekt auf vier weitere Hirslanden-Kiniken ausweiten werden.
«Das Projekt verdeutlicht, dass es nicht viel Aufwand braucht, um nachhaltig zu sein. Vielmehr liegt der Fokus darauf, dass alle am selben Strang ziehen», so Claudia Hollenstein-Humer, Head of Sustainability & Health Affairs Hirslanden.

Recycling Pilotprojekt April 2021 bis und mit Juni 2022

  • 13'145 Stück wiederverwertete Einweggeräte
  • 1’446 kg Total Material
  • 405 kg Metal recycelt
  • 1’041 kg Kunststoff recycelt
  • 4’374 kg CO2e Einsparnisse
  • 26’245 km CO2e Einsparnisse – Fahrt mit einem Mittelklasse-Wagen
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