Unispital: Strafanzeige auch gegen Spitalleitung eingereicht

Ein Fall mit tödlichem Ausgang am Zürcher Unispital könnte ein juristisches Nachspiel haben. Für Paul Vogt und möglicherweise aber auch für das oberste Führungsgremium des Unispitals.

, 3. September 2020 um 06:03
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Die Situation rund um die Zürcher Herzchirurgie eskaliert weiter: Nachdem gegen Francesco Maisano, gegen den «Whistleblower», gegen Unbekannt und womöglich auch gegen einzelne Medien Strafanzeigen eingereicht wurden, kehrt weiterhin keine Ruhe ein: Nun sehen sich auch der Spitalrat des Zürcher Universitätsspitals (USZ) und der interimistische Leiter der Herzchirurgie Paul Vogt in einer Strafanzeige mit Vorwürfen konfrontiert. Dies berichtet die «Weltwoche», der die Anzeige vorliegt.  
Es gehe um «Urkundenfälschung, Körperverletzung und fahrlässiger Tötung». Laut Strafanzeige besteht auch der Verdacht der Gefährdung des Lebens und der Gesundheit. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Die Zürcher Staatsanwaltschaft muss den Verdacht nun prüfen. 

Konnte Paul Vogt erreicht werden?

In der Anzeige soll auch der Fall einer Operation vom 22. Juli 2020 ein Thema sein: So sei Vogt nach einer Operation im Unispital zur Hirslanden-Klinik im Park gefahren, um dort eine weitere Operation vorzunehmen. Er hat die offizielle Erlaubnis, neben seiner Tätigkeit am Unispital auch privatärztlich an der Hirslanden-Klinik Im Park zu operieren. Dies sorgte bereits für Kritik.
Als am Unispital Komplikationen aufgetreten seien, versuchten zwei Oberärzte offenbar mehrfach, aber vergeblich, ihren Chef zu erreichen. Gemäss Strafanzeige konnte Vogt während längerer Zeit aber nicht erreicht werden, so die zwei Oberärzte selber über das Vorgehen entscheiden mussten. Sie seien sich uneinig gewesen. Der Bypass nach dem Eingriff wegen Mitralklappeninsuffizienz und koronarer Dreiastkrankheit war laut Strafanzeige «möglicherweise ein medizinischer Fehler». 

Widersprüchliches bei Paul Vogt

Gegenüber der «Weltwoche» hält Vogt fest, dass er nicht zurückgerufen wurde. Er ging ohne Aufforderung zurück ins Unispital. Einem anderen Medium sagte er aber, dass das Wochenmagazin genau wisse, «dass ich in der Park-Klinik jederzeit erreichbar war - und auch erreicht worden war.» Gemäss Strafanzeige ist er «nach mehreren Stunden» ans Unispital zurück gekehrt. Wo die Wahrheit liegt, wird sich zeigen müssen. 
Weiter seien im Operationsbericht, der von Vogt visiert wurde, wesentliche Sachverhalte darin nicht erwähnt, wie das Wochenmagazin weiter berichtet. So sei weder der den Fortgang der OP bestimmende Chirurg thematisiert noch der Bypass, der gelegt worden sei. Auch der Einwand des zweiten Oberarztes sei ebenso wenig dokumentiert wie der der zwischenzeitliche Weggang des Chefarztes. Bei einer Befragung könnten auch insbesondere die Anästhesisten als Zeugen aussagen, steht im Artikel weiter zu lesen. 

Spitalleitung informiert 

Spitalrat und Spitalleitung informieren am Donnerstag an einer Pressekonferenz über die Klinik für Herzchirurgie und zu «Entscheide zu Fehlerkultur und Transparenz.» Die «Weltwoche» schreibt, dass die Leitung kurz davor stehe, Paul Vogt definitiv einzustellen und Vorgänger Francesco Maisano zu entlassen. Maisano sieht sich seit Ende Jahr mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Bislang wurde er von den wesentlichen Anschuldigungen entlastet. Für das in der Angelegenheit gut informierte Wochenmagazin dürfte die Lösung mit Paul Vogt als Leiter aber kaum geeignet sein, um die Ruhe am Zürcher Herzzentrum wiederherzustellen.
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