Und jetzt? Was tun gegen die ewig steigenden Prämien?

Auf die Prämiendaten folgen die Organisationen mit Ideen zur Bremsung der Gesundheitskosten. Zum Beispiel: Weniger unnötige Behandlungen. Leichtere Medizin-Importe. Oder kein «Wettrüsten der Spitäler».

, 24. September 2015, 15:05
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Es ist eine schmerzhafte Zahl: Nächstes Jahr zahlt jeder und jede für die Krankenkasse durchschnittlich 16 Franken mehr pro Monat. Zwar lagen die Prämienzahlen, die Bundesrat Alain Berset an diesem Donnerstag für 2016 lagen verkündete, eher unter den letzten Prognosen – aber als Teil eines Dauer-Aufwärtstrends genügten sie, um den üblichen Unmut zu wecken.
Und so stellte der «Blick» die Prämien-Frage in seiner Online-Version zum Beispiel recht drastisch dar:
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Und jetzt? Was tun? Umgehend liessen sich natürlich auch diverse Organisationen vernehmen – jeweils mit konkreten Vorschlägen, wie die Gesundheitskosten in den Griff zu kriegen wären.

Stiftung für Konsumentenschutz: Mehr Medizinprodukte aus dem Ausland 

Zu den Massnahmen, welche die Konsumentenschützer nun fordern, zählen:

  • Ein Festbetragssystem bei den Medikamentenpreisen – das BAG legt also ein- bis zweimal pro Jahr fest, was die Krankenkassen maximal für einen Wirkstoff bezahlen. Damit liessen sich «ohne Qualitätseinbussen mehrere Hundert Millionen Franken pro Jahr» einsparen, so die SKS.
  • Ferner plädiert die SKS für die Aufhebung des Territorialprinzips bei Medizinprodukten: Krankenversicherer sollen auch Medizinprodukte vergüten, welche die Patienten im Ausland – und damit meist günstiger – erwerben.
  • Schliesslich ruft die Stiftung auch die eigene Klientel auf: Es gelte, unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden. Auch sollten die Versicherten jetzt wenigstens das vorhandene Sparpotential ausschöpfen und insbesondere in der Grundversicherung nochmals die Angebote der verschiedenen Versicherer vergleichen – und zu einem HMO-Modell, einer anderen Franchise oder einem günstigen Anbieter zu wechseln.

FMH: An den Ärztehonoraren liegt es nicht

Der Ärzteverband meldet sich zwar nicht mit deutlichen Forderungen, er nahm aber unmittelbar vor Bersets Autritt die Prämienentwicklung, um darauf zu verweisen, dass das Problem nicht in den ärztlichen Vergütungen steckt.
«Zur Dämpfung des Anstieges der Gesundheitskosten steuert die Ärzteschaft bereits heute bei», so die FMH: «Der durchschnittliche Taxpunktwert für ambulante Leistungen im Unfall- und Krankenversicherungsbereich ist über alle Kantone in den letzten 13 Jahren kaum angestiegen.»
Weiter hoffen die Ärzte auf organisatorische Entwicklungen wie «smarter medicine», die den Nutzen von medizinischen Leistungen beurteilt (und hilft, wenig nützliche Leistungen zu vermeiden); auch nennt die FMH das Health Technology Assessment (HTA) als gutes Instrument zur Beurteilung von medizinischen Leistungen. Die FMH unterstütze deshalb die verschiedenen HTA-Aktivitäten in der Schweiz

SP Schweiz: Gegen das Wettrüsten der Spitäler

Die Sozialdemokratische Partei wiederholte heute ihre Idee, dass die Prämienlast auf 10 Prozent des Haushaltsbudgets begrenzt werden sollte. Das heisst: Wo die Krankenkassen-Ausgaben höher sind, erhalten die Haushalte eine gezielte Prämienverbilligung.
Auf der anderen Seite fordert die SP, dass die Spitäler ihr «Wettrüsten» beenden. Der Wettbewerb führe zu einer Mengenausweitung – immer mehr Therapien und Angebote werden in den Markt gedrückt und am Ende auch kassenpflichtig; und das treibe die Kosten und somit die Prämien nach oben.
Darum fordert die SP auch einen Stopp der Privatisierung und Deregulierung im Spitalbereich.

Santésuisse: Schluss mit unnötigen Leistungen

Auch Santésuisse zeigt mit dem Finger auf die Mengenausweitung. Der Krankenkassenverband will das Problem jedoch nicht über die Spital-Struktur angehen, sondern er fordert griffige gesetzliche Bestimmungen, «damit unnötige oder qualitativ ungenügende Leistungen nicht mehr finanziert werden müssen».
So sagt es Santésuisse-Direktorin Verena Nold. «Die adäquate Lösung ist die systematische Überprüfung der Leistungen, ein Überdenken der Mehrfachrolle der Kantone sowie die Lockerung des Vertragszwangs.»

Kanton Zürich: Mehr Spielraum für die Krankenkassen

Einen interessanten Detail-Punkt wirft die Zürcher Gesundheitsdirektion in die Debatte: Die Prämiensteigerung müsste tiefer sein – das BAG erhöhe die Prämien künstlich. Denn das Bundesamt verlange auch dieses Jahr von jeder Krankenversicherung kostendeckende Prämien; es lässt keine Mehrjahresbetrachtung zu. 
Das heisst: Erwirtschaftet ein Krankenversicherer in einem Jahr Gewinn, weil er die Prämien zu vorsichtig kalkuliert hat, darf er diesen Gewinn im Folgejahr den Prämienzahlern nicht zurückgeben. Er muss den Gewinn zurückbehalten und die Reserven erhöhen. Kurz: Der unternehmerische Spielraum sei zu gering, so die Zürcher Regierung. Und viele Krankenkassen würden dazu gebracht, Prämien unnötig zu erhöhen und unnötige Reserven zu bilden.
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