Tarmed: Santésuisse will Ende Monat Tarife einreichen

Mit den Augenärzten sei eine Einigung möglich, sagt Verena Nold, womöglich auch mit den Kardiologen. Die Santésuisse-Direktorin schildert in einem Interview die Probleme bei den Tarmed-Verhandlungen mit der FMH – und bringt einen neuen Vorschlag zur Senkung der Gesundheitskosten in Spiel.

, 24. Oktober 2016, 07:56
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Santésuisse wird Ende Oktober mit den Augenärzten einen Vorschlag für die Tarifrevision einreichen: Dies sagte Verena Nold, die Direktorin des Krankenkassen-Verbandes, in einem Interview mit der «Berner Zeitung» (Print). Man habe mit den Ophthalmologen das Tarmed-Kapitel Augen überarbeitet, nun soll es gemeinsam beim Bund eingegeben werden. Ebenfalls denkbar sei eine Eingabe des Kapitels Herz in Zusammenarbeit mit den Kardiologen.
Zumindest mit den Augenärzten sei man in «sehr weit fortgeschrittenen» Gesprächen. Im Gespräch mit der BZ schilderte Verena Nold auch detailliert, weshalb sich Santésuisse recht früh der Tarifrevision verweigert hatte.

Blackbox Ärztelöhne

Zum einen hätten entscheidende Daten über die Einnahmen der Ärzte gefehlt: «Das Problem ist, dass wir gar nicht wissen, wie viel sie verdienen. Wir fordern seit Jahren Transparenz.» Für die Versicherer sei klar gewesen: «Wenn man einen Ärztetarif revidiert, muss man wissen, welche Kosten einem Arzt entstehen, wie viel Miete er für die Praxis bezahlen muss, welche Löhne er seinen Angestellten gewährt, wie viel er arbeitet und wie viel Geld am Schluss für ihn selbst übrig bleibt. Die Ärzteverbindung FMH besitzt diese Zahlen, doch sie weigerte sich kategorisch, diese auf den Tisch zu legen», so Nold: «Wie sollen wir eine Tarifrevision angehen, wenn wir von einer Blackbox ausgehen müssen?»

«Fass ohne Boden»

Der zweite Knackpunkt: Santésuisse pochte auf eine Vereinbarung darüber, wie sehr die Kosten künftig maximal steigen dürften. FMH sowie der Spitalverband H+ hätten sich aber klar gegen solch eine Kostensteuerung gestellt – oder höchstens für eine Übergangsphase. «Danach wären alle Begrenzungen weggefallen, zumal der neue Tarif im Gegensatz zum aktuellen keine Abrechnungslimitationen mehr eingebaut hat. Die von der FMH und H+ erarbeitete Tarifstruktur wäre für die Prämienzahler ein Fass ohne Boden geworden.»

Quote für die besten Spezialisten

Zur Senkung der Gesundheitskosten bringt Verena Nold im grossen BZ-Interview eine neue Regelung ins Spiel: Der Bund soll festlegen, wie viele Ärzte und Spitäler in einem Kanton oder in einer Region minimal und maximal nötig sind. «Diesen Rahmen müssten Ärzte und Krankenversicherer einhalten», so die Santésuisse-Direktorin. Wo das Angebot zu dicht ist, dürften nur die besten Fachleute zulasten der Grundversicherung abrechnen. Diese Besten wiederum würden durch Qualitätskriterien bestimmt, welche die Ärzteschaft und die Versicherer gemeinsam erarbeiten.
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