Diese Giraffe hilft Patienten während einer OP

Die Clinique Montchoisi setzt bei Augen-Operationen neu auf ein Kinderspielzeug: Eine Giraffe aus Plastik unterstützt Patienten, sich während eines Eingriffs non-verbal zu äussern.

, 22. Februar 2022, 13:36
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«Sophie» erinnert an die Kindheit und Familie und damit an beruhigende und angenehme Gedanken. | zVG
«Sophie» ist eigentlich eine Giraffe aus weichem Plastik. Wenn man darauf drückt, dann quietscht sie. So wie wir das alle kennen. Seit ein paar Tagen wird «Sophie» aber auch als neues Teammitglied in der Swiss Medical Network-Klinik «Clinique Montchoisi» in Lausanne eingesetzt. Und zwar während heiklen Augen-Operationen.
Das Kinderspielzeug hilft, den Patienten sich während einem Eingriff non-verbal zu äussern. Denn die Hauptschwierigkeit bei Katarakt- oder Glaukom-Operationen ist, einem Patienten die Kommunikation zu ermöglichen, ohne dass er sich während eines Eingriffs bewegt oder spricht. Augen-Chirurginnen arbeiten oft im Mikrometer-Bereich.

«Sophie» drückt Unbehagen aus

Durch Drücken von «Sophie» zeigt der Quietsch-Ton dem Operations- und Anästhesieteam das Unbehagen des Patienten an. «Wir unterbrechen den Eingriff dann in wenigen Sekunden, um zu fragen, was wir tun können, um zu helfen», sagt Ségolène Roemer, Fachärztin für Ophthalmologie und für Swiss Visio tätig. 
Mögliche Beschwerden können zum Beispiel Geräusche sein, die Angst und Stress hervorrufen oder wenn sich ein Patient eingeengt fühlt, wenn das Operationsfeld sein Gesicht bedeckt. Aber auch, wenn eine Patientin zum Beispiel ein Kribbeln spürt, wird der Eingriff kurz unterbrochen und die Narkose verstärkt. 

Patienten gehen mit einem Lächeln in den OP-Saal

Es beruhigt die Patienten zu wissen, dass sich sich non-verbal äussern können, weiss Roemer. Sie seien so gelassener. Für den Operateur hat «Sophie» grosse Vorteile: Sie sind in der Lage, unter angenehmeren Bedingungen zu arbeiten. Oftmals werden Patienten mit der üblichen Technik mehrmals unruhig, ohne dass die Operateure verstehen, woher das Unbehagen komme.
Und die Patientinnen und Patienten seien begeistert und gingen mit einem Lächeln in den OP-Saal, schildert Roemer weiter. «Sophie» erinnere an die Kindheit und Familie, an Kinder und Enkelkinder – und damit an beruhigende und angenehme Gedanken. Die Augenärztin hatte sogar bereits einen enttäuschten Patienten, der während einer OP eingeschlafen war und «Sophie» nicht einsetzen konnte, wie sie erzählt. 

Wird auch bei Wachoperationen eingesetzt 

Das Konzept mit dem Kinderspielzeug und anderen Gegenständen ist an sich nicht ganz neu. Ähnliche Methoden werden bereits in der Pädiatrie zur Begleitung von Kindern im Operationssaal und in der Neurochirurgie bei Wachoperationen eingesetzt.
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