Swiss Health ist gescheitert - jetzt kommt Graubünden Health

Was Schweiz Tourismus und Swiss Health auf nationaler Ebene nicht zustande brachten, wollen die Bündner für den eigenen Kanton durchziehen: die Förderung des Gesundheitstourismus im Ausland.

, 3. Februar 2017, 18:45
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Swiss Health ist gescheitert. Das ist bekannt. Doch wenn es Schweiz Tourismus, Switzerland Global Network und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nicht auf die Reihe kriegen, den Gesundheitstourismus im Ausland zu vermarkten, so tun es halt die Kantone. Allen voran Graubünden. 

«Gesundheitstourismus hat grosses Potenzial»

«Wenn wir über Möglichkeiten nachdenken, wie wir in unserem Kanton Graubünden neue Marktchancen eröffnen können, erkennen wir im Gesundheitstourismus ein grosses, nachhaltiges Entwicklungspotenzial». Das schreibt Philipp Gunzinger in «Graubünden Exclusiv», einem Hochglanzmagazin, das in Bündner Hotels aufgelegt wird.
FDP-Grossrat Gunzinger ist Direktor des Gesundheitszentrums Unterengadin und Initiant des Projets «Nationalparkregion – Gesundheitsregion». Zudem ist er Präsident der regierungsrätlichen Steuerungsgruppe Gesundheitstourismus.

Schwerpunkt im Regierungsprogramm

So hat die Bündner Regierung den Gesundheitstourismus zu einem Schwerpunkt ihrer Tätigkeit für die kommenden vier Jahre gemacht. «Der Kanton Graubünden verfügt über eine dezentrale und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung», sagt Philipp Gunzinger.
An der «1. Konferenz zum Gesundheitstourismus in Graubünden», die im September 2015 in Pontresina abgehalten wurde, nannten Experten Onkologie, Orthopädie, Kardiologie, Urologie und Psychosomatik als Fachgebiete mit Potenzial. Dazu komme eine breite Palette an Rehabilitationsprogrammen.
Bekannt über die Kantonsgrenzen hinaus sind etwa die Bäderlandschaft Bad Scuol, die Therme Vals, die Burnout-Klinik in Susch oder die Klinik Gut in St. Moritz.

Graubünden Health

Aufgabe der eben gegründeten Steuerungsgruppe wird es sein, Konzepte und Strategien zur Förderung exportorientierter Gesundheitsdienstleistungen zu entwickeln. Geplant ist unter anderem die Internetplattform Graubünden Health. Vorgesehen ist auch die Unterstützung von Medical-Wellness-Hotelprojekten durch fachliche Beratung im medizinischen Bereich. 
Noch ist nicht bekannt, wie viel Geld Graubünden in dieses Vorhaben stecken wird. Die Rede ist von einer Anschubfinanzierung. Danach müsste es Sache der Nutzniesser sein, das Standortmarketing zu betreiben und zu finanzieren. 

Gleiches Drehbuch wie bei Swiss Health

Ob das funktionieren wird? Der Verein Swiss Health, der Ende 2008 von Schweiz Tourismus, Switzerland Global Network und dem Seco gegründet wurde, hatte das genau gleiche Drehbuch. Gescheitert ist das Vorhaben unter anderem wegen falscher Vorstellungen der Spitäler und Reha-Kliniken. Heute muss der Verein mit einem Budget von 80'000 Franken auskommen. Schweiz Tourismus hat dagegen um die 100 Millionen Franken zur Verfügung.
«Viele Mitglieder glaubten, Swiss Health sei eine Patientenvermittlungs-Organisation», bedauert Vereinspräsident und Gründungsmitglied Peter Kappert.»  Zudem hatten potente Mitglieder seit Beginn vom Projekt Abstand genommen. So etwa das Swiss Medical Network. «Mit Genolier International haben wir unsere eigene Organisation, begründet Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan das Abseitsstehen. Swiss Health hätte mehr von uns profitiert als wir von ihm». 

Sache von Schweiz Tourismus

Peter Kappert wie auch Raymond Loretan sind der Meinung, die Förderung des Gesundheitstourismus in der Schweiz sei Sache von Schweiz Tourismus. Dazu brauche es keinen autonomen Verein.
Schliesslich gibt es noch eine weitere Parallele zwischen Swiss Health und Graubünden Health. Der Geschäftsführer heisst in beiden Fällen Andrej Reljic. 
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