Studie: Pflegende Angehörige brauchen einen Coach

Pflegende Angehörige seien keine Ko-Patienten: Man solle sie als kompetente Partner des Pflegesystems behandeln, sagt Beat Sottas von der Careum Stiftung.

, 9. Dezember 2015, 10:25
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Bei der Betreuung von schwer kranken Menschen zu Hause tragen pflegende Angehörige die Hauptlast. Als besonders belastend erleben Menschen, die ihre schwerkranken Ehepartner, Mütter, Väter oder Geschwister pflegen: 

  • Müdigkeit und Überlastung, 
  • Einsamkeit, 
  • Trauer und Zukunftssorgen, 
  • Hilf- und Machtlosigkeit sowie 
  • das Gefühl, immer stärker fremdbestimmt zu sein.

Dies ergab eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Um die pflegenden Angehörigen zu unterstützen, braucht es laut der Studie meistens keine weiteren Entlastungsangebote, sondern insbesondere
  • bessere Information über die bestehenden Dienste und Finanzierungen,
  • ein ernsthaftes Abwägen der eigenen Möglichkeiten sowie
  • soziale, psychologische und spirituelle Unterstützung.

Anlaufstelle Tag und Nacht

Pflegende Angehörige sollten als kompetente Partner anerkannt und in ihren Kompetenzen unterstützt werden, zum Beispiel durch eine Anlaufstelle, die auch in der Nacht und am Wochenende verfügbar ist, folgern die Studienautoren des Nationalen Forschungsprogrammes «Lebensende».
«Es braucht einen Wechsel in der Wahrnehmung. Pflegende Angehörige sind keine Ko-Patienten, sondern sollten als kompetente Partner des Pflegesystems behandelt werden», sagt Beat Sottas, Leiter der Studie und Stiftungsrat der Careum-Stiftung.

Ein Gespräch ist besser als viele Kurzbesuche

Um das Therapie- und Unterstützungsangebot eines Patienten zu Hause zu koordinieren, bringe ein Gespräch an einem Tisch viel mehr als vereinzelte kurze Besuche eines Arztes oder des Spitex-Dienstes.
Wichtig sei dabei, dass die Fäden immer bei einer einzigen Fachperson zusammenlaufen, sagt Sottas weiter: «Für die pflegenden Angehörigen wäre eine Ansprechperson für alle Fragen wie ein Coach.»
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