USZ-Studie bestätigt: Impfung schützt Risikopatienten

Covid-19-Patienten, die trotz Impfung erkrankten, bewältigen ihre Erkrankung besser als ungeimpfte Patienten. Das zeigt eine Studie des Zürcher Universitätsspitals.

, 26. Januar 2022, 06:40
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Geimpfte Covid-19-Patienten mit höchsten Risikofaktoren, die schwer erkrankt sind, bewältigen ihre Erkrankung insgesamt besser als schwer kranke Patienten mit weniger Risikofaktoren, aber ohne Impfschutz. Zu diesem Schluss kommen Intensivmediziner des Universitätsspitals Zürich (USZ), die Daten aus dem RISC-19-ICU Register von Covid-19-Patienten von Schweizer Intensivstationen in einer Studie ausgewertet haben.

90 Intensivstationen aus 26 Ländern erfassen Daten

Im genannten Register werden weltweit Daten zu intensivpflichtigen Covid-Patienten gesammelt. Derzeit erfassen 90 Intensivstationen aus 26 Ländern solche Daten. Das RISC-19-ICU-Register wurde im März 2020 zusammen mit der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin am Institut für Intensivmedizin des USZ eingerichtet. Die Datensammlung diene den Intensivstationen und der Forschung als wichtige Quelle prospektiver Aussagen zu kritisch kranken Covid-19-Patienten, schreibt das USZ in einer Medienmitteilung.
Für die aktuelle Studie des USZ wurden die Daten von 964 Covid-19-Patienten ausgewertet, die in den neun Monaten seit Beginn der Impfkampagne auf den Intensivstationen der Schweizer Spitäler behandelt wurden. Lediglich 33 Patienten waren in diesem Zeitraum mit einem mRNA-Impfstoff geimpft – 931 Patienten waren ungeimpft.
Die 33 Patienten waren trotz mRNA-Impfung so schwer an Covid-19 erkrankt, dass sie intensivmedizinisch behandelt werden mussten – sie gehörten alle der höchsten Risikogruppe an. Sie waren älter und hatten mehr Vorerkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen), verglichen mit den ungeimpften Patienten. Insbesondere waren von ihnen viele aufgrund einer Vorerkrankung immunsupprimiert.

Geimpfte Patienten in besserem Gesamtzustand

Der Gesamtzustand der geimpften Patienten nach standardisierten Beurteilungskriterien bei der Aufnahme auf die Intensivstation sei jedoch insgesamt besser als derjenige der ungeimpften Patienten gewesen, schreibt das USZ in der Mitteilung. Die Auswertung der Daten hat gezeigt:
> Die geimpften Patienten hatten beim Eintritt weniger Lungenprobleme als die ungeimpften Patienten.
> Sie benötigten weniger eine maschinelle Beatmung.
> Sie hatten eine geringere Beeinträchtigung der Herz- und Kreislauffunktion.
> Sie litten weniger an Gerinnungs- und an Nierenfunktionsstörungen, verglichen mit den ungeimpften Patienten.

Kürzere Aufenthaltszeit bei geimpften Patienten 

Bei den geimpften Patienten konnte deshalb eine «weniger belastende Behandlung» beobachtet werden; die Aufenthaltszeit war durchschnittlich um sechs Tage kürzer als bei den ungeimpften Patienten, wie die Studienergebnisse zeigen.
Auch sei die Mortalität bei den geimpften Patienten deutlich unterhalb der aufgrund der Risikokonstellation erwarteten gewesen. So habe diese trotz Risikofaktoren der durchschnittlichen Mortalität der Covid-19-Intensivpatienten entsprochen.
Die Daten seien ein klarer Hinweis darauf, dass die Impfung gut schütze und geimpfte Covid-19-Patienten mit höchsten Risikofaktoren enorm von der Impfung profitierten, sagt Erstautor der Studie, Matthias Hilty, Oberarzt am Institut für Intensivmedizin des USZ.
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