St. Galler Spitäler: Ergebnis deutlich besser als erwartet

Das Kantonsspital St. Gallen leistet im vergangenen Jahr den einzigen Beitrag zum besser als erwarteten Ergebnis der St. Galler Spitäler – dank einer höheren Schwere der Patientenfälle.

, 4. März 2019 um 17:15
image
Die vier St. Galler Spitalverbunde haben das Geschäftsjahr 2018 mit einem Verlust von vier Millionen Franken abgeschlossen. Das ist eine Verschlechterung von 8,7 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr.
Budgetiert wurde für das vergangene Jahr zwar ein Verlust von fast 26 Millionen Franken. Die Besserstellung sei ausschliesslich auf das Kantonsspital St.Gallen (KSSG) zurückzuführen, schreiben die Spitäler in einer Mitteilung.
Ein Hauptgrund liege im Anstieg des Case Mix Index (CMI) um 4,7 Prozent. Seit dem Jahr 2017 sei dieser Schwankungen unterworfen. Im diesjährigen Budget wurde der CMI entlang des langjährigen Trends festgelegt.

Sennhauser: «Fremdbestimmung und Schwankungen»

«Das Ergebnis zeigt deutlich, wie fremdbestimmt die St. Galler Spitäler in finanzpolitischer Hinsicht unterwegs sind», sagt VR-Präsident Felix Sennhauser dem SRF-Regionaljournal. Und weiter: «Wir sind ein reaktives Unternehmen: Wir reagieren auf die Nachfrage und auf die Bedürfnisse unserer Patienten.» Diese Fremdbestimmung und die damit verbundenen Schwankungen zeigten, wie schwierig es sei, mit hochpräzisen Planzahlen zu agieren.
Insgesamt haben die St. Galler Spitäler im vergangenen Geschäftsjahr 1,28 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaftet. Dies entspricht einer Steigerung um rund 42,6 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr.
Behandelt wurden im Jahr 2018 67'221 stationäre Patienten, ein geringer Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 0,3 Prozent. Ambulante Besuche wurden 712'600 verzeichnet. Das sind 31'000 oder 4,6 Prozent mehr als noch in der Vorjahresperiode. Auf Grund der Tarmed-Kürzung sind die ambulanten Erträge im vergangenen Jahr allerdings um 3,1 Millionen Franken gesunken (- 1,7 Prozent). 

Profitabilität schrumpft und schrumpft

Die Ebitda-Marge der St. Galler Spitalgruppe ist im vergangenen Jahr zudem von 5,2 Prozent auf 4,9 Prozent gesunken. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Spitalverbunde mit einem Verlust von 22,4 Millionen Franken – und damit mit einer nochmals tieferen Marge von 2,9 Prozent.
Das Ergebnis 2018 untermauert Sennhauser zufolge die Notwendigkeit von Veränderungen. Um die Ergebnisse zu verbessern, benötige es Strukturanpassungen, betriebliche Verbesserungen – und Änderungen bei den Tarifen. 
Im Mai 2018 hatte der Verwaltungsrat ein Grobkonzept präsentiert, das die Schliessung der stationären Abteilungen in den fünf Spitälern Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach vorschlug. Patienten sollten nur noch in St. Gallen, Wil, Uznach und Grabs stationär behandelt werden.

Netzwerkstrategien: Tele-Radiologie als Beispiel

Da laut Sennhauser die Nachfrage das Angebot bestimmt, müssen die St. Galler Spitäler schauen, in welcher Region welches Angebot nötig sei. «Auch müssen wir den Erwartungen der Bevölkerung gerecht werden.» 
Das sei ein hochaktueller Prozess. Der 65-jährige frühere ärztliche Direktor des Universitäts-Kinderspitals Zürich hoffe, dass im Sommer erste Resultate vorlägen, um Weichen stellen zu können.
Eine Investition in die Zukunft war und ist die Netzwerkstrategie, wie in der Mitteilung weiter steht. Dank Netzwerken und Kooperationen zwischen den vier Spitalverbunden und des Ostschweizer Kinderspitals habe die Bevölkerung schon seit vielen Jahren Zugang zu spezialisiertem Fachwissen des KSSG im ganzen Versorgungsgebiet – zum Beispiel bei der Radiologie.

  • Kantonsspital St.Gallen

Das Kantonsspital St.Gallen (KSSG) mit den Standorten St.Gallen, Rorschach und Flawil schliesst das Geschäftsjahr 2018 bei einem Jahresumsatz von 893 Millionen Franken (Vorjahr 856,6 Millionen) mit einem Gewinn von 2,5 Millionen Franken ab (Vorjahr 2,95 Millionen). Im Vergleich zu 2017 konnten nochmals mehr ambulante Besuche (2018: 511'188; 2017: 497'848) verzeichnet werden und auch im stationären Bereich sind die Frequenzen angestiegen (2018: 36'972 stationäre Patientenaustritte; 2017: 36'729). 

  • Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland

Die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS) mit den Standorten Altstätten, Grabs und Walenstadt schliesst das Geschäftsjahr 2018 bei einem Jahresumsatz von 203,7 Millionen Franken (Vorjahr 200,8 Millionen) mit einem Verlust ab (2018: -0,67 Millionen Franken; Vorjahr Gewinn von 2,28 Millionen). Im Vergleich zu 2017 konnten nochmals mehr ambulante Besuche (2018: 94'964; 2017: 86'476) verzeichnet werden, im stationären Bereich sind die Frequenzen hingegen kaum angestiegen (2018: 16'172 stationäre Patientenaustritte; 2017: 16'087). 

  • Spital Linth

Das Spital Linth in Uznach schliesst das Geschäftsjahr 2018 bei einem Jahresumsatz von 76 Millionen Franken (Vorjahr 75,4 Millionen) mit einem knappen Gewinn ab (2018: 144'000 Franken; Vorjahr 0,47 Millionen). Im Vergleich zu 2017 konnten etwas mehr ambulante Besuche (2018: 46'295; 2017: 46'090) verzeichnet werden und im stationären Bereich sind die Frequenzen zurückgegangen (2018: 5'890 stationäre Patientenaustritte; 2017: 6'107).

  • Spitalregion Fürstenland Toggenburg

Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) mit den Standorten Wattwil und Wil schliesst das Geschäftsjahr 2018 bei einem Jahresumsatz von 104,6 Millionen Franken (Vorjahr 102 Millionen) mit einem Verlust ab (2018: -6,03 Millionen Franken; Vorjahr -0,98 Millionen). Im Vergleich zu 2017 konnten nochmals deutlich mehr ambulante Besuche (2018: 60'161; 2017: 51'095) verzeichnet werden, im stationären Bereich sind die Frequenzen hingegen kaum angestiegen (2018: 8'187 stationäre Patientenaustritte; 2017: 8'094). 

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Nun müssen Spitäler besser werden

Erstmals haben die Spitäler und Krankenkassen einen Vertrag über die Qualität ihrer Arbeit abgeschlossen.

image

Die Insel ist das schnellste Spital der Schweiz

Zum 9. Mal verteidigte die Insel ihren Titel, die fittesten Angestellten zu haben: Sie gewann die Firmentrophy am Berner Stadtlauf.

image

Studie: Hohe Burnoutgefahr bei Notärzten

Knapp 60 Prozent weisen mindestens ein Burnout-Kriterium auf, über 10 Prozent hatten bereits Suizidgedanken.

image

Die Luks-Gruppe sucht einen neuen CEO

Benno Fuchs geht Ende März 2025 in Frühpension.

image

Landesspital Liechtenstein: Weniger ambulante und stationäre Patienten

Damit rutschte ein weiteres Akutspital 2023 in die roten Zahlen.

image

LUKS Gruppe: «Optimierung aller Arbeitsprozesse»

Das Jahresergebnis des Zentralschweizer Spitalkonzerns lag 2023 über dem Branchenschnitt.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.