Spital Riviera-Chablais: Spitaldirektion im Blindflug

Jetzt ist klar, warum das Spital Riviera-Chablais (HRC) im Frühling in finanzielle Not geraten ist.

, 31. August 2020 um 12:49
image
  • spital
  • spital riviera-chablais
Das interkantonale Spital Rennaz (HRC) im Waadtländer Chablais musste für 2019 ein hoch defizitäres Resultat ausweisen: 17,9 Millionen Franken Verlust, budgetiert waren 6 Millionen Franken gewesen. Die Klinik mit 350 Betten nahm im Herbst 2019 ihren Betrieb auf. 
Nun ist klar, warum die finanzielle Situation aus dem Ruder lief: Die Gründe sind Mängel bei der Budgetüberwachung und der Finanzverwaltung sowie bei der laufenden Verwaltung der Aktivitäten. Dies geht aus einem Bericht hervor, im Auftrag der Regierungen der Kantone Waadt und Wallis.

Umzug nicht genügend berücksichtigt

Vor allem in der Umzugsphase gab es viele Versäumnisse. Die effektive Aktivität des HRC sei während des Umzugs ungenügend erfasst worden, steht im Bericht zu lesen. Ferner hätten wichtige Finanzinformationen gefehlt.
Laut dem Bericht wurden die vom Hôpital Riviera-Chablais angekündigten Verluste darüber hinaus ohne Zwischenabschluss der Buchhaltung oder fundierte Berechnungen geschätzt, heisst es weiter. 

Situation falsch eingeschätzt

Die Leitung des Spitals hatte keine klare Vorstellung von der finanziellen Situation und konnte das Ausmass des Verlustes nicht voraussehen. Ihr war das Ausmass des Fehlbetrages bis zum Abschluss im März 2020 nicht bekannt. 
So verfügte auch der Spitalrat nicht über die richtigen Informationen, um die zuständigen Behörden über die kritische Situation zu informieren -und einen Massnahmenplan für eine Sanierung einzuleiten.

Ehemaliger CHUV-Direktor an Bord

Die Verantwortlichen müssen nun bis Ende Oktober 2020 einen Plan zur Wiederherstellung des finanziellen Gleichgewichts vorlegen. Die Experten empfehlen die Mängel im internen Kontrollsystem zu beheben, die Instrumente für das Finanzmanagement des Spitals zu verbessern und die Zuweisung interner Ressourcen zu kontrollieren.
Im Zuge der immer lauter gewordenen Kritik haben die Finanzchefin und der Spitaldirektor bereits im Frühling das Handtuch geworfen. Derzeit führt Pierre-François Leyvraz, der ehemalige Direktor am Unispital Lausanne (CHUV, das Spital interimistisch. Und ein neuer Finanzdirektor wird im Herbst 2020 sein Amt antreten.

Kantone mussten einspringen

In der Zwischenzeit ist auch bekannt geworden, dass die beiden Kantone Waadt und Wallis mit einer Finanzgarantie von 80 Millionen Franken ausgeholfen haben. Ohne diese Mittel hätte ab Mitte Jahr ein Zahlungsausfall bei den Löhnen der rund 1500 Mitarbeitenden und den Lieferantenrechnungen gedroht.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Basel: Adullam-Stiftung engagiert Jörg Leuppi

Der CMO des Kantonsspitals Baselland wird Stiftungsrat bei der Organisation für Altersmedizin.

image

USZ macht Verlust von 49 Millionen Franken

Verantwortlich dafür sind unter anderem inflations- und lohnbedingte Kosten. Zudem mussten Betten gesperrt werden.

image

Auch das KSW schreibt tiefrote Zahlen

Hier betrug das Minus im vergangenen Jahr 49,5 Millionen Franken.

image

...und auch das Stadtspital Zürich reiht sich ein

Es verzeichnet einen Verlust von 39 Millionen Franken.

image

Kantonsspital Olten: Neuer Chefarzt Adipositaschirurgie

Urs Pfefferkorn übernimmt gleichzeitig die Führung des Departements Operative Medizin.

image

SVAR: Rötere Zahlen auch in Ausserrhoden

Der Einsatz von mehr Fremdpersonal war offenbar ein wichtiger Faktor, der auf die Rentabilität drückte.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.