So effizient sind die Schweizer Krankenkassen

Im Schnitt haben die Versicherer pro Kunde 158 Franken an Verwaltungskosten. Dies hat Comparis eruiert. Wer schneidet im Effizienz-Ranking am besten ab?

, 18. November 2015, 08:19
image
  • versicherer
  • gesundheitskosten
Zu den pfiffigeren Aktionen von Comparis gehört der «Effizienzpreis»: Welche Krankenkasse kommt mit den geringsten Verwaltungskosten aus – gemessen an den Prämieneinnahmen? Dies testete der Vergleichsdienst jetzt schon zum vierten Mal.
Das Ergebnis ist schon mal grundsätzlich positiv. Laut den Comparis-Daten liegt die Quote bei nur 5 Prozent. Oder anders: Pro versicherte Person entstehen 158 Franken Verwaltungsaufwand pro Jahr.

Effizienz trotz Aufsichtsbürokratie

Der Spitzenreiter – und Gewinner des diesjährigen Comparis-Effizienzpreises – ist einerseits Sodalis bei den regional tätigen Kassen: Der Versicherer aus dem Kanton Wallis benötigt nur 2,9 Prozent der Prämien für die Verwaltung. Bei den national tätigen Häusern ragt, wenig erstaunlich, Visana heraus: Hier errechnete Comparis eine Quote von 3,0 Prozent. Zu beachten ist, dass in diesen Einnahmen-Berechnungen auch der Risikoausgleich berücksichtigt wurde.
«Sodalis gewinnt schon zum dritten Mal in Folge. Beide Kassen beweisen, dass es trotz immer mehr Aufsichtsbürokratie möglich ist, die Verwaltungskosten dank effizienten Abläufen sehr tief zu halten», sagt der Krankenkassen-Experte von Comparis, Felix Schneuwly.

Effizienz-Preis 2015: Die schlanksten Krankenkassen der Schweiz


  • Sodalis: 2,9 Prozent — regional
  • Visana: 3,0 Prozent – national
  • Visperterminen: 3,5 Prozent – regional
  • Vivacare: 3,6 Prozent – national 
  • Atupri: 3,6 Prozent – national
  • Institut Ingenbohl: 3,7 Prozent – regional
  • Intras: 3,9 Prozent – national
  • Luzerner Hinterland: 3,9 Prozent – regional
  • Provita: 3,9 Prozent – national
  • Sana24: 4,2 Prozent – national
  • Galenos: 4,2 Prozent – national
  • Sumiswalder: 4,2 Prozent – regional
  • Avenir Assurance: 4,3 Prozent – national
  • Mutuel Assurance: 4,3 Prozent – national
Quelle: Comparis / BAG Aufsichtsdaten OKP

Wenig erstaunlich allerdings, dass hier auch Zusammenhänge aufscheinen zwischen Effizienz und dem Dienstleistungsaufwand. In diese Richtung deutet zum Beispiel ein Blick auf die Zufriedenheitswerte, welche das Magazin «Saldo» (Paywall) soeben veröffentlichte (wobei nur national tätige Kassen berücksichtigt wurden). 
Unter den Versicherern, denen die Kundschaft in der repräsentativen «Saldo»-Umfrage die schlechtesten Service-Noten gab, rangierten zwei Häuser, die beim Comparis-Effizienzpreis überaus gut abschneiden: Es sind dies Visana (als zweitletzte Kasse vor der am schlechtesten platzierten Assura) sowie die Groupe Mutuel. 
Allerdings: Mit Atupri und Intras schafften es zwei Kassen, sowohl beim Effizienzpreis als auch beim Service-Ranking sehr gut abzuschneiden.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Gesundheitskosten: ETH erwartet Abflachung des Wachstums

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH nimmt die Wachstums-Prognose der Gesundheitskosten stark zurück. Für Felix Schneuwly könnte sich dies aber als zu optimistisch erweisen.

image

Patienten sollen Arztrechnung in Echtzeit kontrollieren

Sobald eine Arzt- oder Spitalrechnung eine bestimmte Auffälligkeit aufweist, kontaktiert die Krankenkasse Concordia neu die versicherte Person automatisch.

image

Als Ergonomie-Profi sorgen Sie für Gesundheit am Arbeitsplatz

Die beste Prävention von körperlichen Beschwerden und Erkrankungen sind Arbeitsplätze, die an den Menschen und seine Aufgaben angepasst sind. Das ZHAW-Departement Gesundheit bietet in Kursen und im CAS «Betriebliche Ergonomie» Weiterbildungen dazu an.

image

Versicherer sparen Milliarden mit Korrektur falscher Rechnungen

Eine gigantische Summe: In der Schweiz stehen jedes Jahr 3,5 Milliarden Franken zu viel auf den Rechnungen, welche die Krankenkassen erhalten.

image

Gesundheitspolitik im Blindflug

Was darf unser Gesundheitswesen kosten? Diese Frage scheint das BAG derart stark zu beschäftigen, dass es laufend neue Massnahmen mit dem Argument, «die Kosten zu dämpfen», vorschlägt.

image

Viktor 2022: «Ich wünsche mir, dass die Versicherer stärker mit einbezogen werden!»

Der ehemalige Sanitas-CEO Otto Bitterli ist Jury-Präsident des Viktor Awards. Er hofft, dass die Krankenversicherer in Zukunft verstärkt beim Viktor vertreten sind.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.