Kurze Wartezeiten, viele Kaiserschnitte: Das Schweizer Gesundheitswesen im Europa-Vergleich

Im Euro Health Consumer Index holt die Schweiz erneut die Silbermedaille hinter den Niederlanden. Es gibt aber auch kritische Punkte.

, 1. Februar 2017, 05:00
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  • spital
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Der seit zehn Jahren erhobene Euro Health Consumer Index (EHCI) ist ein weitherum beachteter Indikator für die Verfassung der europäischen Gesundheitsversorgung aus Sicht von Patienten und Konsumenten.
2016 belegt die Schweiz wie schon in den Vorjahren den zweiten Rang unter 35 europäischen Ländern. Von maximal 1000 möglichen Punkten erreicht sie 904 – ein Resultat, das nur von den Niederlanden übertroffen wird. 
Beide Länder durchbrachen erstmals die Marke von 900 Punkten, was als hervorragendes Niveau gilt. Auf den nächsten Rängen folgen Norwegen, Belgien, Island, Luxemburg, Deutschland und Finnland. 

Kurze Wartezeiten

Die Schweiz landet in allen untersuchten Bereichen in den Top 15. Beim Zugang zu ärztlichen Leistungen in der Praxis und im Spital erzielt sie dank extrem kurzen Wartezeiten zusammen mit Belgien gar den Maximalwert. Geht es um Behandlungserfolge, liegt sie gemeinsam mit den Niederlanden, Norwegen, Island, Deutschland und Finnland an der Spitze.  
Steigerungspotenzial gibt es bei der Verfügbarkeit von digitalen Buchungstools.
Auch die Rate der Infektionen mit multiresistenten Keimen ist relativ hoch. Abstriche gibt es auch für die hohe Kaiserschnittrate

Was macht Holland besser?

Die Autoren betonen augenzwinkernd, dass angesichts der hohen Kosten, den das Schweizer Gesundheitswesen verursacht, alles andere als ein Spitzenplatz eine Überraschung wäre. Kritisiert wird, dass das Sammeln von Daten angesichts der föderalistischen Struktur des Schweizer Gesundheitswesens schwierig sei. 
Die Niederlande figurieren seit Jahren an der Spitze und haben den Vorsprung weiter ausgebaut. Dies liegt laut dem Report daran, dass der Zugang zur Versorgung weiter verbessert worden ist, indem etwa im ganzen Land 160 medizinische Zentren eröffnet wurden, welche rund um die Uhr geöffnet haben. 

Europäische Gesundheitswesen sind fit

Trotz finanzieller Engpässe und Sparmassnahmen ist die europäische Gesundheitsversorgung in einer besserer Verfassung als in früheren Jahren. Die Überlebensraten bei Herz-Kreislaufkrankheiten, Herzinfarkten und Krebs steigen. Die Kindersterblichkeit nimmt weiter ab, was als wichtigster Indikator für die Versorgungsqualität taxiert wird.
Weniger reiche Länder wie Finnland, Island, Tschechien oder Slowenien haben kosteneffiziene Lösungen für ihre Gesundheitssysteme gefunden, bei denen sich laut den Autoren Branchenexperten inspirieren lassen sollten.  
«Euro Health Consumer Index 2016» - «Health Consumer Powerhouse», 30. Januar 2017
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